Faro de Tostón – ein Leuchtturm wie im Bilderbuch.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Der Faro de Tostón ist für viele Fuerteventura Besucher ein Sehnsuchtsort: Blicke über die Meerenge La Bocaina nach Lanzarote hinüber, kristallklare, türkisfarbene Buchten, Wellen und Wind erzeugen eine wunderbare Stimmung. Die schönen Strände von El Cotillo liegen hinter dem Besucher, nach Osten öffnet sich die wilde Küste des North Shore, an dem sich Surfern austoben. Eine Mischung aus Freiheit, Sehnsucht, Meer und Sonne versprüht der Faro de Tostón, rund 5 Km von El Cotillo entfernt gelegen. Wunderschön ist er auch noch, genau so, wie ein Leuchtturm eben auszusehen hat. Fotogen ist der Faro de Tostón obendrein. Perfekt lässt er sich gegen den meist tiefblauen Himmel ablichten.

Über die nautische Bedeutung des Leuchtturmes machen sich wenige Gedanken. Dabei ist sie gross für den "El estrecho de la Bocaina". Der "estrecho" ("Meerenge") ist die Seestrasse zwischen Fuerteventura, Isla de Lobos und Lanzarote. An der schmalsten Stelle zwischen der Isla de Lobos und Lanzarote misst sie nur 8,5 Km. Sehr tief ist die Meerenge nicht. Tückische Klippen lauern. Das wäre zu meistern, wenn nicht der heftige Nordost Passat, die Dünung und die Strömung für ordentlich Versatz sorgen und den gefürchteten "Legerwall" produzieren würden. Da musste mit einem trägen Frachtensegler schon genau navigiert werden, um bei schlechtem Wetter heil durch die Meerenge zukommen. Einige schafften es nicht und wurden auf die Klippen vor dem Faro de Tostón geworfen.

Der letzte Fischtrawler, dem die Klippen zum Verhägniss wurden, war die "Massira I" in der Nacht des 23. Oktober 1999. Das eigenartige "Eisentrum" auf den Klippen vor dem Leuchtturm, ist das letzte Überbleibsel von jenem. Er wurde dort abgefackelt, da die Fischladung langsam begann unangenehm riechend zu verfaulen. Warum die Massira I am Riff (N 28° 43' 01,0" | W 014° 00' 46,3"), das direkt vom Faro de Tostón aufs Meer hinausläuft, strandete, ist bis heute ungeklärt. Menschen kamen nicht zu schaden. Die gesamte Crew konnte fast trockenen Fusses an Land gehen. Im Ort El Cotillo erzählen Ältere noch heute Geschichten von einer angeblich angetrunkenen Crew, die leichte Damen dabei hatte. Das mag nicht viel heissen, denn in El Cotillo wird viel geredet. Nicht umsonst trägt der Ort seinen Namen: "El Cotillo", "Der Klatschsüchtige". Die Wetterdaten der historischen Nacht, halten jedenfalls einen leicht bewölkten Himmel bei guter Sicht, Wind aus Nord auf Nordost drehend, bei 20 Km/h, 27 Grad Celcius, fallend auf 10 Km/h, 24 Grad Celcius, fest. Für den Atlantik und die Küsten des kanarischen Archipels bestes Badewetter. Bei diesen Bedingungen direkt vor einem Leuchtturm ein Schiff zu versenken, ohne Motorschaden, scheint annähernd unmöglich.

Nicht so glimpflich wie bei der Massira I, lief es für die Besatzung der  Nicolás Francisco "el Griego" mit ca. 150 Toten und der Ballester mit 7 Toten. Die anderen prominenten Schiffe wie die American Star, Alfeite, Júcar  oder Rose of Sharon, wurden vom Kapitän lediglich an der Küste Fuerteventuras zerstört. Auch deren Crews konnten, wie jene der Massira I, nach dem Unglück oder Missgeschick mehr oder weniger komfortabel an Land gehen. Die Geschichte der Júcar liesst sich ähnlich wie jene der Massira I.

Um die Seestrasse navigatorisch zu entschärfen, wurde 1881 mit dem Bau des Leuchtturms Faro de Tostón begonnen. Erst 1897 ging er erstmals in Betrieb. Am 28. September 1897 verzeichnet der Leuchtturmwärter des "Faro de Punta Pechiguera" auf Lanzarote, der 21,5 Km gegenüber des Faro de Tostón liegt, in seinem Logbuch, dass er bei klarer Sicht und gutem Wetter die Leuchtsignale des neuen Faro de Tostón sehen könne. Aus den 1880igern stammt auch noch die Zisterne, die den Leuchtturmwärter mit Wasser versorgte. Sie liegt am Abzweig der North Shore Piste. Heute liefert ein Tankwagen das Wasser für das Museo Pesca tradicional und die Cafeteria.

In Summe wurden drei Leuchttürme gebaut, die alle erhalten sind. Der erste überragt kaum das Wirtschaftsgebäude und liegt heute eigenartig, wie ein Miniaussichtsturm mit grossen Glasfenstern, am nördlichen Teil des Gebäudekomplexes. Betrieben wurde er, wie damals üblich, mit einer Olivenöl Lampe. Er mass nur 6,5 m in der Höhe und wurde auf 9 Seemeilen ausgemacht. In der Nacht des 28. September 1897, als der Leuchttumrwärter auf Lanzarote erstmals das Leuchtfeuer auf Fuerteventura ausmachte, muss eine klare und dunkle Nacht geherrscht haben. Um die Sichtbarkeit des Leuchtfeuers zu erhöhen, wurde es 1923 mit einem Acetylen-Flasher ausgestattet und konnte so auf 12 Seemeilen ausgemacht werden. Doch das half alles nichts, denn bei hohem Seegang war das Leuchtfeuer, auf Grund seiner Höhe von 6,5 m, nicht mehr zu sehen.

Daraufhin wurde 1955 mit dem Bau des achteckigen, weissen Leuchtturms begonnen, der 13,25 m hoch ist. Er ging erst am 24. September 1963 in Betrieb, war mit einem Acetylen-Flasher samt Optik ausgestattet. Ab dann war das Leuchfeuer des Faro de Tostón von Lanzarote aus bei jeder Witterung gut auszumachen. Heute ist die Glaskuppel des zweiten Leuchtturms entfernt, damit er als Aussichtsturm genutzt werden kann. Bestiegen wird er über das Museo Pesca tradicional.

Auch der zweite Turm erwies sich als zu niedrig, wenn bei schlechtem Wetter meterhohe Wellen anliefen, genau dann eben, wenn der Leuchtturm besonders wichtig wäre. So wurde 1985 mit der Errichtung des heutigen Leuchtturms, dem schönen rot-weiss gestreiften, begonnen und bereits ein Jahr später 1986 in Dienst gestellt. Er ist 37,3 m hoch und sendet ein weisses, alle vier Sekunden wiederkehrendes Signal. Mangels Stromnetz wurde das Leuchtfeuer mit einem Dieselaggregat betrieben. 2017 / 2018 erfolgte eine Umstellung auf Solartechnik samt grosser Batterieanlage und neuer stromsparender Lichtquelle. Einige Anläufe waren notwendig, bis das neue System verlässlich lief. 2017 fiel er bei Unwetter einige Male aus. 

Zusammen bilden die Leuchttürme "Faro de Tostón" auf Fuerteventura, "Faro Martiño" auf der Isla de Lobos und "Faro de Punta Pechiguera" auf Lanzarote ein nautisches Dreieck, wichtige Hilfe, um die Meerenge "El estrecho de la Bocaina" sicher zu passieren. Auch heute noch wird die la Bocaina von grossen Schiffen gemieden. Täglich ist in ihr die Fähre von Arrecife Lanzarote nach Santa Cruz de Tenerife zu sehen.

Erblickten im Leuchtturm Faro Martiño auf der Isla de Lobos einige Menschen erstmalig das Licht der Welt, die später bekannte spanische Literaten wurden, so kann der Faro de Tostón mit Agustín Pallarés aufwarten, renommierter Historiker der Inseln Fuerteventura und Lanzarote. Er lebt nun in hohem Alter auf Lanzarote und verfasste Publikation für angesehen Institutionen wie z.B. das Museo Canario in Las Palmas.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: El Cotillo – Faro del Tostón

Für wen lohnt der Besuch?

Eigentlich müsste gefragt werden, für wen lohnt der Besuch nicht. Das Ambiente ist fantastisch. Herrliche Ausblicke nach Lanzarote hinüber werden geboten, nach Osten eine wilde Küste, Richtung Süden sandige Badebuchten und mehr. Urlauber, die ihr Fotoalbum füllen wollen, finden am und um den Faro de Tóston jede Menge lohnender Motive.

Infrastruktur.

Jahrelang gab es am Faro de Tostón im Museo Pesca tradicional ein Café. Wie das Museum, wurde es vom Cabildo betrieben und die Dame, die es führen sollte, war damit öffentliche Bedienstete. Da sie jeden Gast als Feind betrachtete und auch so behandelte, der sie vom Nichtstun abhielt, schaffte sie es an diesem belebten Ort so abschreckend zu arbeiten, dass sie absolut keine Gäste hatte. Aus ihrer Sicht war sie überaus erfolgreich, das Café so leer, dass es 2018 geschlossen wurde. Nun hat sie nur noch das Museum am Hals, aber das schafft sie auch noch. In El Cotillo bieten sich ausreichend Alternativen oder ein Picknick mitbringen und an den Tischen vor dem Leuchtturm das Mitgebrachte mit Blick auf wilde Wellen, Strände und Lanzarote geniessen. In den Bäckereien und Konditoreien von El Cotillo, kann bis zum Café alles frisch mitgenommen werden.

Schnell gefunden.

In der Urbanización Los Lagos am Nordrand von El Cotillo am Strand Playa Marfolin bzw. Playa Los Lagos, wird die einzige Strasse genommen, die nach Norden führt. Dieser wird bis zum Ende gefolgt. Dort findet sich der Faro de Tostón.

Eine gute Idee wäre auch, den Mietwagen in El Cotillo stehen zu lassen und über den Küstenpfad, entlang der schönen Strände, zum Faro de Tostón zu wandern. Ein Spaziergang von lediglich 5 Km in einer Richtung, der bei den Locals am Abend zu Sonnenuntergang sehr beliebt ist.


Calderón Hondo Lajares Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Calderón Hondo – Ausblicksorgie über Ost- und Westküste des Nordens.

Uraluber, die am Faro de Tostón süchtig nach Ausblicken geworden sind, könnten sich gleich weiter auf den Weg machen und den Calderón Hondo besteigen. Zu Fuss von Lajares nur 2,5 Km und 120 Höhenmeter oder mit de Auto bis fast ganz nach oben.

Dort wartet ein Blick in einen schönen Vulkankrater mit Idealmassen, schön rund, wie es sein sollte. Nach Osten liegen das Dünengebiet El Jable und die Playas Jable schneeweiss im Licht.

Nach Westen ist der North Shore zu sehen und auch in die anderen Richtungen eine ganze Menge. Am besten eine gute Karte mitnehmen.

Insider Tipp

Auf den Leuchtturm No.2 – die Tür öffnen lassen!

Im Museo Pesca tradicional kann über eine Treppe der Leuchtturm No.2 aus dem Jahre 1955 bestiegen werden. Von oben hat der Besucher einen wunderbaren Ausblick auf den "El estrecho de la Bocaina", Lanzarote, den North Shore, die Strände von El Cotillo, den Ort El Cotillo und die schöne Hügelkette hinter El Cotillo. Das sollte sich Niemand entgehen lassen.

Oft ist die Holztür zum Turm nicht geöffnet, da der Wind zu stark fegt. Dann sollte die Dame, die sich um das Museum kümmert, gebeten werden, die Tür zu öffnen, um auf den Turm steigen zu können. Das wird dann auch widerwillig gemacht. An solchen Tagen ist der Turm auch besonders beeidruckend, wenn hinter einem hohen Geländer im Sturm gestanden wird und der tobende Atlantik beobachtet werden kann. Spätestens dann bekommt der Tourist ein Gefühl dafür, warum der "El estrecho de la Bocaina" kein leichtes Revier ist.

Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Leuchtturm Faro de Tostón El Cotillo Fuerteventura.Schiffswrack der Massira-I am Faro de Tostón Fuerteventura (© in Gedenken an † Wolfgang Esser aka "Jo").Schiffswrack der Massira-I am Faro de Tostón Fuerteventura (© in Gedenken an † Wolfgang Esser aka "Jo").