Faro de Tostón – ein Leuchtturm wie im Bilderbuch.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Der Faro de Tostón ist für viele Fuerteventura Besucher, vor allem Wiederkehrer, ein Sehnsuchtspunkt. Blicke auf das Meer hinaus, drüben liegt Lanzarote, kristallklare, türkisfarbene Buchten, Wellen und Wind, die schönen Strände von El Cotillo liegen hinter dem Besucher, rechts tut sich der North Shore mit Surfern auf. Eine Mischung aus Freiheit, Sehnsucht, Meer und Sonne versprüht der "Faro de Tostón" rund 5 Km entfernt von El Cotillo. Wunderschön ist er auch noch, genau so, wie man sich einen Leuchtturm vorzustellen hat. Fotogen obendrein. Perfekt lässt er sich gegen den meist tiefblauen Himmel ablichten.

Über die nautische Bedeutung des Leuchtturmes machen sich wenige Gedanken. Dabei ist sie gross für den "El estrecho de la Bocaina", das ist die Seestrasse zwischen Fuerteventura, Isla de Lobos und Lanzarote. An der schmalsten Stelle zwischen Lobos und Lanzarote misst sie nur 8,5 Km. Sehr tief ist es nicht, tückische Klippen lauern. Das wäre ja noch zu meistern, wenn nicht der heftige Nordost Passat, die Dünung und die Strömung für ordentlich Versatz sorgen und den gefürchteten "Legerwall" produzieren würden. Da musste mit einem trägen Frachtensegler schon genau navigiert werden, um bei schlechtem Wetter heil durch die Enge zukommen. Viele schafften es nicht und wurden auf die Klippen vor dem Faro de Tostón geworfen. Der letzte Fischtrawler die Massira I  in den 1990iger. Das eigenartige "Eisentrum" auf den Klippen, das letzte Überbleibsel von jenem. Er wurde dort abgefackelt, da die Fischladung langsam begann unangenehm zu verfaulen.

Um die Seestrasse zu entschärfen, wurde 1881 mit dem Bau des Leuchtturms Faro de Tostón begonnen. Erst 1897 ging er erstmals in Betrieb. Am 28. September 1897 verzeichnet der Leuchtturmwärter des "Faro de Punta Pechiguera" auf Lanzarote, der 21,5 Km gegenüber des Faro de Tostón liegt, in seinem Logbuch, dass er bei klarer Sicht und gutem Wetter die Leuchtsignale des neuen Faro del Tostón sehen könne. Aus den 1880igern stammt auch noch die Zisterne, die den Leuchtturmwärter mit Wasser versorgte. Sie liegt am Abzweig der North Shore Piste. Heute liefert ein Tankwagen das Wasser für das Museo Pesca tradicional und die Cafeteria.

In Summe wurden drei Leuchttürme gebaut, die alle erhalten sind. Der erste überragt kaum das Gebäude und liegt heute eigenartig, wie ein Miniaussichtsturm mit grossen Glasfenstern am nördlichen Gebäude. Manch einer grübelt, was es sei. Betrieben wurde er, wie damals üblich, mit einer Olivenöl Lampe. Er mass nur 6,5 m und wurde auf 9 Seemeilen ausgemacht. Der Leuchtturmwärter in Lanzarote brauchte also schon einen guten Tag, um das Signal noch wahrzunehmen. Um die Situation zu verbessern wurde er 1923 mit einem Acetylen-Flasher ausgestattet und konnte nun auf 12 Seemeilen gesehen werden. Doch das half alles nichts, bei hohem Wellengang war er auf Grund seiner Höhe von 6,5 m einfach nicht mehr zu sehen.

Daraufhin wurde 1955 mit dem Bau eines achteckigen, weissen Leuchtturms begonnen, der 13,25 m hoch wurde. Er ging erst am 24. September 1963 in Betrieb, war mit einem Acetylen-Flasher samt Optik ausgestattet und konnte auf Lanzarote gesehen werden. Heute ist die Glaskuppel entfernt und er wird als Aussichtsturm benutzt, der vom Museo Pesca tradicional bestiegen werden kann.

Auch der zweite Turm erwies sich als zu niedrig, wenn bei schlechtem Wetter meterhohe Wellen herrschten, genau dann eben, wenn der Leuchtturm besonders wichtig war. So wurde 1985 mit der Errichtung des heutigen Leuchtturms, dem schönen rot-weiss gestreiften, begonnen und bereits ein Jahr später 1986 in Dienst gestellt. Er ist 37,3 m hoch und sendet ein weisses, alle vier Sekunden wiederkehrendes Signal. Mangels Strom Netz wurde er mit Dieselaggregat betrieben. 2017 / 2018 erfolgte eine Umstellung auf Solartechnik samt grosser Batterieanlage und neuer stromsparender Lichtquelle. Einige Anläufe waren notwendig. 2017 fiel er bei Unwetter einige male aus. Nun läuft er stabil.

Zusammen bilden die Leuchttürme "Faro de Tostón" auf Fuerteventura, "Faro Martiño" auf der Isla de Lobos und "Faro de Punta Pechiguera" auf Lanzarote ein Dreieck, wichtige Hilfe, um die Meerenge "El estrecho de la Bocaina" sicher zu passieren. Auch heute noch wird la Bocaina von grossen Schiffen eher gemieden. Auch die Massira I hätte am stürmischen Tag des 23. Oktober 1999 einen weiten Bogen um den Faro de Tostón machen sollen. Der Kapitän legte den marrokanischen Fisch-Trawler astrein auf das direkt vor dem Leuchtturm ins Meer laufende Riff (N 28° 43' 01,0" | W 014° 00' 46,3"). Kapitän und Crew konnten den Umständen entsprechend komfortabel aussteigen und an Land gehen. Wer im Ort El Cotillo nach den Umständen fragt, wird die üblichen haarsträubenden Inselmärchen von betrunkener Mannschaft die Freudenmädchen dabei hatten u.ä. hören. Nun gut, nomen est omen, "El Cotillo" was so viel bedeutet wie "der Klatschsüchtige". Es herrschten einfach extreme Bedingungen, wie den historischen Wetteraufzeichnungen zu entnehmen ist. Nicht so angenehm lief es für die Besatzung der  Nicolás Francisco "el Griego" mit ca. 150 Toten und der Ballester mit 7 Toten ab. Die anderen prominenten Schiffe wie die American Star, Alfeite, Júcar  oder Rose of Sharon, wurden vom Kapitän lediglich an der Küste Fuerteventuras zerstört. Auch ihre Mannschaft konnte einfach wie jene der Massira I mehr oder weniger komfortabel an Land gehen.

Erblickten im Leuchtturm Faro Martiño auf der Isla de Lobos einige Menschen erstmalig das Licht der Welt, die später bekannte spanische Literaten wurden, so kann der Faro de Tostón mit Agustín Pallarés aufwarten, renommierter Historiker der Inseln Fuerteventura und Lanzarote. Er lebt nun in hohem Alter auf Lanzarote und verfasste Publikation für angesehen Institutionen wie z.B. das Museo Canario in Las Palmas.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: El Cotillo – Faro del Tostón

Für wen lohnt der Besuch?

Eigentlich müsste man fragen für wen lohnt der Besuch nicht! Selbst süchtige Gamer, die das Sonnenlicht scheuen und am liebsten in dunklen Räumen Tag und nach vor dem Monitor hängen, sollten den Faro de Tostón besuchen. Einwenig Sonne für die Vitamin D Produktion und Glückshormone, eine frische, salzige Priese um die Nase, für die Schleimhäute, UV Strahlung in Massen für reine Haut, Meeresluft für die Bronchien, schöne Ausblicke für das Auge, rhythmische Brandung im Ohr für die Alpha Welle im Kopf, als anti Stress mittel, den schönen, fotogenen Leuchtturm als Traffic Bringer für Instagram. Faro de Tostón wirkt – bei allen und allem!

Infrastruktur.

Jahrelang gab es im Faro de Tostón im Museo Pesca tradicional ein Café. Da wie das Museum vom Cabildo betrieben, war die Dame die es schmeissen sollte öffentliche Bedienstete. Da sie jeden Gast als Feind betrachtete und auch so behandelte, der sie vom Nichtstun abhielt, schaffte sie es an diesem belebten Ort so abschreckend zu arbeiten, das sie absolut keine Gäste hatte. Aus ihrer Sicht war sie überaus erfolgreich in ihrem Tun, das Café so leer, dass es 2018 geschlossen wurde. Ein Meisterstück und schade an diesem Ort. In El Cotillo bietet sich mehr als genug oder ein Picknick mitbringen und an den Tischen vor dem Leuchtturm das Mitgebrachte mit Blick auf wilde Wellen, Strände und Lanzarote geniessen. In den Bäckereien und Konditoreien von El Cotillo kann bis zum Café alles frisch mitgenommen werden.

Schnell gefunden.

In der Urbanización Los Lagos am Nordrand von El Cotillo am Strand Playa Marfolin bzw. Playa Los Lagos, wird die einzige Strasse genommen, die nach Norden führt. Dieser wird bis zum Ende gefolgt. Dort findet sich der Faro de Tostón.

Eine gute Idee wäre auch, den Mietwagen in El Cotillo stehen zu lassen und über den Küstenpfad, entlang der schönen Strände, zum Faro de Tostón zu wandern. Ein Spaziergang von lediglich 5 Km in einer Richtung, der bei den Locals am Abend zu Sonnenuntergang sehr beliebt ist.


Calderón Hondo Lajares Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Calderón Hondo – Ausblicksorgie über Ost- und Westküste des Nordens.

Wer am Faro de Tostón süchtig nach Ausblicken geworden ist, der könnte sich gleich weiter auf den Weg machen und den Calderón Hondo besuchen. Zu Fuss von Lajares nur 2,5 Km und 120 Höhenmeter oder mit de Auto bis fast ganz nach oben.

Dort wartet ein Blick in einen schönen Vulkankrater mit Idealmassen, schön rund, wie es sein soll. Nach Osten liegen das Dünengebiet El Jable und die Playas Jable schneeweiss im Licht.

Nach Westen ist der North Shore zu sehen und auch in die anderen Richtungen eine ganze Menge. Am besten eine gute Karte ist dabei.

Insider Tipp

Auf den Leuchtturm No.2 – die Tür öffnen lassen!

Im Museo Pesca tradicional kann über eine Treppe der Leuchtturm No.2 aus dem Jahre 1955 bestiegen werden. Von oben hat der Besucher einen wunderbaren Ausblick auf den "El estrecho de la Bocaina", Lanzarote, den North Shore, El Cotillo und die schöne Hügelkette hinter El Cotillo. Das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Oft ist die Holztür zum Turm nicht geöffnet, da der Wind zu stark fegt. Dann sollte man die Dame, die sich um das Museum kümmert, bitten, die Tür zu öffnen, um auf den Turm zu steigen. Das wird dann auch anstandslos gemacht. An solchen Tagen ist der Turm auch besonders beeidruckend, wenn hinter einem hohen Geländer im Sturm gestanden wird und der tobende Atlantik beobachtet werden kann. Spätestens dann bekommt man ein Gefühl dafür, warum der "El estrecho de la Bocaina" kein leichtes Revier ist.

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