El Cotillo – schillernster Ort Fuerteventuras.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

El Cotillo ist Kult. Nicht nur bei eingefleischten Fuerteventura Reisenden. Auch bei der Jugend der Kanaren. Es gehört einfach dazu, in jungen Jahren einmal die gesamte Fiesta Virgen del Buen Viaje mitgemacht zu haben. Eine Woche durchfeiern, rund um die Uhr als gäbe es kein Morgen. Am besten gleich noch die irre Fiesta del Agua mitmachen. Die Fiesta, bei der man möglichst aus dem Fenster von oben jemanden unverhofft einen Eimer Wasser über den Kopf leert, oder auf der Strasse die Passanten mit einer Wasserpistole beschiesst, mit Wasserbomben bewirft oder ähnlich. Natürlich auch die Schaumparty an der Muellito de los Pescadores nicht auslassen. Das macht Spass im August, wenn das Thermometer schon auf 43 Grad klettern kann und nachts kaum unter 30 Grad fällt. Entweder schläft Fuerteventura beschaulich vor sich hin, oder es ist völlig irre geworden. Dazwischen scheint es nichts zu geben.

Manch Führer fühlt sich bemüßigt El Cotillo schmeichelnd als idyllisches Dorf zu beschreiben. Nein, das ist es gewiss nicht. Idyllisch ist z.B. Fornalutx auf Mallorca aber El Cotillo nicht. Denn es ist dem Ort anzusehen, dass das Leben in ihm immer hart war, nicht einfach, den Menschen einiges abverlangt wurde. Schöne Bürgerhäuser, lauschige Patios, historische Bauten: Alles Fehlanzeige! Kubische Kästen, Häuser der einfachsten Art, die keine Rechenzeile Statik benötigen. Und trotzdem hat El Cotillo etwas. Es hat die "Leichtigkeit des Seins", des "otra día", des Irgendwann nur nicht Heute. Der Zuversicht irgendwie wird es schon weiter gehen, der Gelassenheit, die vor allem einen Bundesbürger sprachlos machen kann. Nein, in El Cotillo redet sich niemand ein, das Leben unter der Sonne wäre so einfach und paradiesisch. Ganz gewiss nicht. Nur, schlechte Tage sind einfach unter subtropischer Sonne besser, als schlechte Tage bei Schmuddelwetter mit kalten, nassen Füssen. Das leuchtet ein. In El Cotillo geht alles langsam, besonders langsam, denn auf Fuerteventura ist niemand schnell. Wozu auch, man hat Zeit, viel Zeit. Schnell Sorgen macht sich auch niemand. Es wird schon. Wenn nicht, kann man auch nichts machen: "¡El hombre anda, el Dios manda!"

Gelegen ist El Cotillo an zwei natürlichen kleinen Häfen. Kaum bekannt  es war der erste Hafen der Insel Fuerteventura, von den normannischen Eroberen ab 1402 genutzt. Unter ihnen hiess er französisch "Puerto de Richeroque", also der Hafen von "Richeroque", dem heutigen El Roque. Zur linken und rechten erstrecken sich kilomterlange feine Sandstrände. Kaum einwenig vom Ort entfernt, sind sie schon einsam und verlassen. Selbst der Fleissigste wird verführt, einwenig am türkisfarbenem Wasser zu Faulenzen, sich die Sonne auf die Haut brennen zu lassen. Die stetige atlantische Brandung die anrollt und auf Sandbänken und Riffs gebrochen wird, lockt die Wellenreiter ins Wasser, die Kitesurfer und Windsurfer werden vom stetig wehenden Nordost Passat, der als schöner Sideshore Wind an der Insel vorbeistreift, verführt. Das Hinterland von El Cotillo wird mit einer sanften, erdfarbenen Hügelkette abgeschlossen, die am Abend im warmen, tiefen Licht der Sonne angeleuchtet spannendes Profil zeigt. Und natürlich die Sonnenuntergänge, für die El Cotillo berühmt ist. Kaum ein Tag vergeht ohne spektakulären Sonnenuntergang. Selbst die Einheimischen, die ihn jeden Tag präsentiert bekommen, können sich der Faszination nicht entziehen, sitzen am Hafen, spazieren den Bajo de Augustino entlang und gehen ihren Gedanken nach. Wie sagt man so schön, arm aber sexy, das trifft es ganz gut. El Cotillo ist eben geil.

Mit dem Reiseführer vor der Nase, wie meist zu sehen, muss El Cotillo in der Erwartung, nun auf grosse Besichtungstour zu gehen, nicht besucht werden. Die Attraktion ist das "Gesamtkunstwerk" das "erlebt" wird, der Lifestyle. Was es zu sehen gibt wird nicht abgeklappert, es wird beiläufig mitgenommen. Ohnedies kommen die Meisten wegen der Traumstrände. Wehrturm, Kalköfen und Hafen, die gehen so mit, werden keinen vom Hocker hauen. Ein Besuch der Ermita kann man sich sparen. Die Ermita Virgen del Buen Viaje besucht man zur Fiesta Virgen del Buen Viaje, zur Messe der Schutzpatronin und der Prozession zum Hafen. Wenn das Dorf auf den Beinen ist, der Zug von spanischer Musik begleitet wird, das ist ein Erlebnis, da findet Leben statt. Gut gelaunte fröhliche Menschen. Oder es wird El Cotillo wegen dem schönen internationalem Drachenfestival, wenn der blaue Himmel voller bunter Drachen hängt, besucht. Der Leuchtturm Faro de Tostón wie aus dem Bilderbuch darf natürlich auch nicht verpasst werden und sein schönes Museum. Aber unter dem Strich sollte El Cotillo wegen der Strände, dem Lifestyle, der Surfkultur, der Feste besucht werden. Dann ist der Besucher richtig, in diesem etwas verrückten Dorf.

Der Playa del Castillo El Cotillo Fuerteventura.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Die Häfen von El Cotillo.

Schon die normannischen Eroberer nutzen El Cotillo als Hafen. El Cotillo ist somit der älteste Hafen von Fuerteventura. Auf Lanzarote hatten die Normannen bereits 1402 das "Castillo de Rubicón" in der Rubicón Ebene errichtet und nachdem Jean de Béthencourt Verstärkung von der iberischen Halbinsel geholt hatte, machte man sich im November 1404 daran Fuerteventura einzunehmen, was bereits im Jänner 1405 gelungen war. Die Bewohnern Lanzarotes, die bereits gute Erfahrung mit dem Portugiesen Lancelotto Malocello gemacht hatten, der ab 1336 wohl ein knappes Jahre friedlich mit den Ureinwohner auf Lanzarote zusammen gelebt hatte, waren bereit einen "Deal" mit Jean de Béthencourt einzugehen. Natürlich legte der immer missmutige und brutale Béthencourt die Mahos, wie sich die Ureinwohner auf Lanzarote selber nannent, rein. Zu dem Zweck kam er ja auf die Kanaren. Auf Fuerteventura war man misstrauischer. Schlechte Erfahrungen hatte die Majoreros mit nordafrikanischen Piraten, die gerne einwenig Sklavenjagd auf der benachbarten Insel machten. So mussten härtere Bandagen her und die Normannen beschlossen den ersten Brückenkopf, das heutige "El Roque", anzulegen. In Corralejo, was naheliegend war, konnte man nicht landen. Dort sassen die Majoreros am Rande von El Jable, ihr Hauptsitz war La Oliva. Mit "El Roque" sass man den Majoreros unangenehm im Rücken. Vor ihnen die Küste, Schiffe hatten sie keine, hinter ihnen der bösartige Béthencourt und La Salle. Material und Waffen mussten von den Normannen aus Lanzarote erst rangeschafft werden. Dazu wurde der Naturhafen von El Cotillo genutzt. So war der erste Name von El Cotillo normannischen Ursprungs "Puerto de Richeroque", der Hafen von "Richeroque", dem heutigen El Roque. Später wurde der Name ins spanische abgeleitet und El Cotillo hiess "Puerto de El Roque". Ab 1626 wurde El Cotillo dann als "Puerto de El Tostón" bezeichnet. Warum ist nicht überliefert. "El tostón" ist eine geröstete Kichererbse, die dem klassischen kanarischen gerösteten Gofio Mehl aus Gerste beigemischt wird. Erst im 20. Jhd. wurde dann "Puerto de El Tostón" zu "El Cotillo".

Jahrhunderte lang war El Cotillo ein wichtiger Hafen, obwohl er sehr tückisch nur durch eine enge Fahrrinne angesteuert werden kann, die noch dazu eine unangenehme Strömung besitzt, was einigen Fischern am "Roca de la Mar" das Leben gekostet hat, so harmlos es dort auch aussieht. Die meterhohen Wellen, die im Winter vor dem Hafen brechen, weisen auch auf die vielen vorgelagerten Riffe hin. Der bei Touristen eingebürgerte Begriff "alter und neuer Hafen" ist falsch. Der Hafen am Wehrturm "Castillo de Rico Roque" später "Torre de El Tostón", war immer schon der Handelshafen und ist keineswegs ein "neuer" Hafen. An ihm wurde Steinkohle aus Grossbritannien für den Kalkbrannt angeliefert und Vieh. Es wurde geankert und die Ware mit Booten an Land gerudert. Vieh wurde über Bord geworfen und schwamm an Land. Ausgeschifft wurde fertiger Kalk, Orchilla, Soda, Kali, Potasche und Getreide für die Nachbarinseln. Alles ausser Getreide ging hauptsächlich nach Grossbritannien. Die betonierte Mole ist übrigens nicht ins Meer gebaut, sondern steht auf einer Felsklippe. Der Hafen ist ein Naturhafen, die Mole dient als Wellenbrecher und wurde in den 1980igern gebaut. Nachdem eine Sturmflut Ende der 1990iger die Mole überrollte und alle Boote im Hafen zerstörte, wurde sie massiv erhöht. Dort bei Wellengang herumzuspazieren ist lebensgefährlich. Da Touristen unbelehrbar sind, wurde sie nun mit hohen Zäunen gesichert.

Der zweite Hafen, der bei Touristen als "alter Hafen" bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit der jüngere Hafen, denn er wurde erst später als Fischerhafen genutzt. Korrekt heisst der Ort auch "El Muellito de los Pescadores" und nicht Hafen, was soviel heist wie die kleine Mole der Fischer. Der Hafen ist für Schiffe mit Tiefgang völlig ungeeignet wie bei Ebbe gut zu sehen ist, für Fischerboote aber optimal. Sie können im flachen Wasser direkt an den Kiesstrand fahren und wurden dann an Land gezogen. Das war bis Anfang 2000 so üblich. Ein historisches Video ist im Fischereimuseum im Faro de Tostón zu sehen. Heute sind alle Boote in den Handelshafen abgewandert. Die Mole und die Bucht waren rein den Fischern gewidmet. Die heute nicht mehr existente Fischerei Genossenschaft, die Cofradía, hatte auch direkt im Hafen, dort wo nun die grosse Treppe gebaut wurde und ein Loch in der Häuserfront klafft, eine eigene grosse Eismaschine und Fischverarbeitung. Das Gebäude stand jahrelang ungenutzt und wurde 2015 abgerissen. Auf den meisten Postkarten ist es noch zu sehen.

Einen dritten Hafen besitzt El Cotillo auch noch, den die meisten Touristen übersehen, obwohl er direkt vor ihrer Nase liegt oder sie auf der Mole in der Sonne sitzen. In der Lagune "La Concha", eigentlich "Punta de la Barra", führt eine Landzunge aus Lava ins Meer hinaus. Am Spitz ist noch ein Grossteil einer gemauerten Mole zu erkennen. Von dieser aus wurden Handelswaren verschifft. Läuft die Brandung in den Wintermonaten richtig auf, ist selbst mit den heutigen Fischerbooten ein Einlaufen in den Hafen am Wehrturm unmöglich. Ein Zodiac mit starkem Ausseborder schafft das, ein Fischkutter nicht und schon gar kein Handelsschiff. So wurde bei diesen Wetterbedingungen vor "La Concha" geankert. Kam die Flut, konnten Ruderboote an der Mole beladen werden und zum Handelsschiff hinüber gerudert werden.

Da kleine Fischerboote und Handelsschiffe gänzlich andere Hafentypen benötigen, ist an den meisten alten Orten der Insel diese Zweiteilung der Häfen in Fischereihafen und Handelshafen zu beobachten. Z.B. in La Lajita, das Puerto Rico als Handelshafen hatte oder in Puertito de Los Molinos, das noch den Puerto de la Cruz als Handelshafen betrieb. In der Regel waren die Handelshäfen unbewohnt, die Wohnhäuser wurden in den Fischereihäfen errichtet.

Mit dem Auftstieg von Puerto de Cabras als zentraler Hafen Fuerteventuras 1797, begann der Niedergang von El Cotillo als Hafen rasant und so wurde er 1805 zum letzten mal von Handelsschiffen angelaufen. Wie sich Puerto de Cabras 1956 in Puerto del Rosario umbenannte, hatte auch "Puerto del Tostón", der "Hafen der gerösteten Kichererbse", das Bedürfnis sich im 20. Jhd. einen zeitgemässeren Namen zu geben: Es wurde "El Cotillo". Ob das eine Verbesserung darstellt ist fraglich denn ein "el cotillo" ist eine "klatschhafte, klatschsüchtige Person". Passen tut es auf jeden Fall, denn El Cotillo ist im Norden der Insel dafür berüchtigt, das jede noch so kleine Geschichte im Dorf unter den "vecinos" die Runde macht und dabei fortlaufend immer spektakulärer aufgeblasen wird. Man hat viel Zeit im Ort und so werden Kleinigkeiten zu aufregenden Räubergeschichten ausgebaut.

Der Hafen von El Cotillo Fuerteventura.

Die Ermita de Virgen del Buen Viaje.

Fuerteventura war immer eine arme Insel. Die Bewohner mussten sich ran halten, um nicht zu verhungern und das ist nicht übertrieben. Noch in den beiden Hungersnöten 1901 und 1907 verhungerten und verdursteten Menschen auf der Insel. So hatte zwar jeder Ort, vor allem jene, in denen die Männer zum Fischen auf den Atlantik hinaus fuhren, eine Schutzheilige, die in Form eines Bildes angebetet wurde, um Schutz, Regen und mehr zu erflehen, um eine Kapelle zu errichten, dafür reichte es meist nicht, so arm war man. So ging es Puerto Lajas oder auch El Cotillo und so sich kein Stifter fand, wurde das Heiligenbild meist in einem Steinmarterl, wie heute noch in El Jablito, aufbewahrt. Wie sich in Puerto Lajas ein Stifter fand, so auch in El Cotillo, denn so abgebrüht die herrschende Klasse auch war und so rücksichtslos das Volk bis auf das Blut ausbeutet wurde, einer fand sich immer, der einwenig Gewissen hatte oder sich nicht sicher war, ob das nicht alles doch im Fegefeuer enden würde. Die Bilder der spanischen Maler, die die Reinigung der Seelen im "purgatorio" darstellten, sind ja heute noch gruselig anzusehen: Menschen wie Spanferkel aufgespiesst über dem Grill und ähnlich. So wollte niemand enden, denn ans "purgatorio" wird teils heute noch geglaubt. Das besonders perfide der "edlen Stifter" der Kapellen auf Fuerteventura: Das Geld kam aus den abgepressten Steuern und dem "Zehnten" Teil der Ernte, der laut Bibel an die Kirche abzuführen war. Das Gestiftete musste man also vorher selber erwirtschaften und sich auch noch dafür bedanken.

1680 dürfte es wohl Sergeant Major Sebastian Trujillo Ruiz auf der Seele gebrannt haben. 1650 – 1725 war Trujillo zusammen mit González de Socueba und Martínez de Goias Sánchez-Dumpiérrez die obersten Offiziere von Fuerteventura. Cabrera und Matheo Béthenncourt waren die Alcalden, Richter und Vertreter der spanischen Inquisition. Die aufgezählten Personen konnten uneingeschränkten schalten und walten wie sie wollten, ob willkürlich oder auf Basis irgendwelcher Rechtsnormen. Was sie sagten und befahlen galt. Für den modernen Menschen ein erschreckendes Szenario. Sergeant Major Sebastian Trujillo Ruiz wollte jedenfalls seine Seele retten und beschloss Puerto de El Tostón eine Ermita für das Heiligenbild der Virgen del Buen Viaje zu stiften. Grosszügig wie er war, verbriefte er die Finanzierung aus diversen Steuereinnahmen, die ihm persönlich von der Bevölkerung zustanden, wie das üblich war. Einkünfte wurden in der Regel durch Übertragung von Lehnsrechten u.ä. auf Zeit gewährt. Zu diesem Zweck begab sich Sergeant Major Sebastian Trujillo Ruiz am 6. Juni 1680 nach Betancuria in das Haus des Notars, einem "escribano público", Alonso Vázquez de Figueroa, in die Villa de Santa María de Betancuria und unterzeichnete vor den beiden Zeugen Salvador Francisco und Domingo Hurtado Vetancur y Lázaro de Sanabria, "vecinos de esta isla", Bewohner dieser Insel, einen Vertrag mit der Stiftung, der noch im Original erhalten ist.

Wann genau mit dem Bau der Ermita begonnen wurde, ist nicht bekannt, es kann aber vermutet werden, dass es nicht in den 1680igern war, denn die Menschen hatten anderes im Sinn, als Kirchen zu bauen nämlich nicht zu verhungern. Zwei Dürren brachen 1683 und 1685 über die Insel herein, die Bevölkerung schrumpfte von rund 4.500 auf 2.400, hunderte verhungerten, Menschen versuchten Handelsschiffe zu entern, wurden mit Gewalt zurück gehalten. Gran Canaria wies 150 Hungernde ab, die es mit dem Boot nach Puerto del la Luz geschafft hatten. Bei der Rückkehr nach Fuerteventura sank das Schiff am Arrecife el Griego am Leuchtturm Faro de Punta de Jandía. Einzelne machten sich mit kleinen besegelten Fischerbooten auf und versuchten über den Atlantik Kuba oder Lateinamerika zu erreichen. Einige schafften es tatsächlich. Auch während der Hungersnöte 1901 und 1907 segelten Menschen aus Verzweiflung mit Fischerbooten, die kaum dafür geeignet waren, nach Lateinamerika hinüber. Historische Bilder von halb verhungeren kanarischen Ankömmlingen die es nach Venezuela schafften sind erhalten.

Das Resultat der Stiftung des Sergeant Major Sebastian Trujillo Ruiz ist jedenfalls die heutige Kirche, ein gemauerter Natursteinquader ohne irgendwelche Schätze. Das wars. Nicht gerade üppig die Stiftung, das wäre auch ganz ohne Tamtam eines Notariatsaktes gegangen, man wollte es wohl feierlich für das Seelenheil. Um 1889 wurde die Ermita erweitert. Es wurde die Sakristei angebaut. Noch ein Kasten in klein.

Nördlich neben dem Festplatz der Ermita findet sich eine grosses rechteckiges "Loch" im Malpais. Dies war ein Steinbruch, aus dem die Natursteine für den Bau des Wehrturmes Torre de El Tostón und der Ermita Virgen del Buen Viaje gebrochen wurden. Warum die Ermita genau dort im Nirgendwo gebaut wurde, ist nicht bekannt. Einige Quellen meinen, sie sollte den Fischern als gut sichtbare Landmarke zur Navigation dienen. Eine recht kroteske Vermutung. Es war wohl eher der Steinbruch, der neben dem Ort liegt. Wer schleppt schon gerne in subtropischer Hitze Natursteine, wenn er ohnedies schon den ganzen Tag gearbeitet hat.

Heute erfreut sich die kleine Ermita regen Zulaufs auf Grund des sehr bodenständigen und hoch beliebten Pfarrers, der mit seiner Damen Musikgruppe während der Messe mehr singt als predigt. Die Predigten sind kurz und knackig, den Rest tragen Mitglieder der Gemeinde vor. Oft sind die Messen so voll, dass der unkonventionelle Pfarrer kurzerhand das Gestühl der Kirche auf den Vorplatz räumen lässt, die Sitzordnung für Alte und Frauen regelt er freundlich bestimmt, der Rest muss ggf. stehen. Ein besonderes Ereignis ist die Messe zur Fiesta Virgen del Buen Viaje, die Prozession und die Nachtprozession, in der die Virgen del Buen Viaje auf den Heiligen von El Roque, den San Martín de Porres, trifft.

Sollte auch heute noch jemand befürchten, im "purgatorio" an einem Grillspiess zu enden, der könnte El Jablito eine Kapelle stiften. Denn die kleine Siedlung wartet seit Jahrhunderten vergeblich auf einen Stifter. Dort könnte sich jemand mit überschaubaren Mitteln ein Denkmal setzen.

Der Ort El Cotillo Fuerteventura: Ermita Virgen del Buen Viaje.

Wehrturm, Kalk, Leuchtturm und traumhafte Strände.

Wer in El Cotillo ist, schaut sich natürlich auch den Wehrturm Torre de El Tostón und die historischen Kalköfen an. Am Wehrturm ist das Cabildo auch einem seiner liebsten Hobbies nachgegangen, tote angeschwemmte Wale bis auf das Skelett auszuputzen und dann auf einem Masten das Gerippe aufzustellen. Am Museo de la Sal, dem Paseo in Morro Jable und anderen Orten finden sich diese Scheusslichkeiten. Ob es wirklich zur Urlaubsstimmung beiträgt, die Landschaft wie ein Steinzeitmensch mit Skeletten voll zupflastern, kann man bezweifeln. Der tiefere Sinn der Aktion wurde vom Cabildo noch nicht in Worte gefasst.

Auf keinen Fall lässt der Besucher natürlich den Leuchtturm Faro de Tostón aus und das ist auch gut so. Schöner bzw. idealtypischer kann sich ein Leuchtturm gar nicht vorgestellt werden bzw. sind es ja eigentlich drei. Einer davon kann bestiegen werden. Dort oben wird ein herrlicher Blick auf die Seestrasse zwischen Fuerteventura und Lanzarote, der Bocaina, die einmal im Jahr bei einem super harten Rennen durchschwommen wird, präsentiert. In die Gegenrichtung wird El Cotillo und seine Strände überblickt. Leider wird schon um 17:00 Uhr dicht gemacht, denn am späten Nachmittag ist der Ausblick besonders schön, wenn die tief stehende Sonne über El Cotillo streift und die östlich liegenden Berge anstrahlt und profiliert.

Die meisten Menschen kommen natürlich wegen der herrlichen Strände und den Lagunen, in denen sicher gebadet werden kann. An der Westküste die Ausnahme. Die Anzahl der Strände im Kernbereich von El Cotillo und weiter am North Shore oder Tindaya ist so enorm gross, dass selbst in der Hauptsaison nur einwenig den Strand entlang gegangen werden muss, um einen absolut einsamen Platz zu finden. Es ist auch reizvoll zum einen oder anderen Strand entlang der Küste zu wandern. Die Vorfreude auf das kühlende Nass und den weichen Sand ist dann besonders gross. 

Die Strände Fuerteventuras: Playa del Àguila o Playa de la Escalera.

Für wen lohnt der Besuch?

Touristisch spricht El Cotillo vier Zielgruppen an. Das eine sind die Strand- und Sonnenliebhaber, die das ganze Jahr von Sand und türkisfarbenem Wasser an einsamen Stränden träumen. Sie sind in El Cotillo genau richtig und können sich, da schon am 28. Breitengrad nahe des Äquators, in Rekordzeit eine nahtlos tiefe Bräune zulegen. Da alles in Gehweite der Quartiere bzw. meist vor der Unterkunft zu Fuss mit Handtuch in Badehose direkt vom Frühstückstisch aus. Besser geht es nicht.

Die zweite Zielgruppe sind die Ruhe- und Erholungsuchenden. Obwohl sich El Cotillo seit 2015 atemberaubend, die Residente meinen zu sehr, entwickelt hat, ist der Ort dennoch im Vergleich zu Corralejo erträglich touristisch. Keine Keiler, die einen in ein Restaurant ziehen wollen und auch sonst ist alles sehr unaufdringlich und ruhig. Um Mitternacht liegt der gesamte Ort ohnedies im Bett. Auto fährt dann keines mehr und in den Gassen ist auch niemand mehr zu sehen. Ideale Bedingungen, wenn man seine Ruhe haben will. Fluglärm gibt es auch nur dann, wenn mal wieder ein paar Paragleiter mit Motor über den Ort illegal hinweg fliegen. An den Stränden ist es ruhig. Wer ein Stück geht, ist für sich alleine. Fliegende Händler oder asiatische Wundermasseure sind wie Hunde und Musik am Strand verboten. So herrscht himmlische Ruhe, die sich der hart arbeitende Mensch auch verdient hat.

Die dritte Gruppe sind die Surfer, im Speziellen die Wellenreiter. Meist Anfänger, die in Surfkursen ihre ersten Erfahrungen im Weisswasser suchen. Dafür ist die Gegend von El Cotillo prädestiniert. Keine lange Fahrerei im Van, alles gleich vor der Türe. Kitesurfer höheren Levels finden ebenfalls gute Bedingungen und die Pros des Wellenreitens, BodyboardensWindsurfens, Kitesurfens und SUPen, können sich am North Shore, kaum 5 Km entfernt, die "Kante geben". Auch Kitesurfer und Windsurfer die sich dem Brandungssurfen verschrieben haben, sind am North Shore richtig und können dort auch einen Pionier des Brandungssurfens, Jürgen Höhnscheid aus Lajares, treffen.

Langzeiturlauber, "Semi-Aussteiger", Sinnsuchende, Lebenskünstler und andere zieht der Ort seit jeher an. Manche bleiben ein halbes Jahr, andere Jahre, ganz wenige für immer. Es hängt davon ab, was der Reisende im "Gepäck" hat. Der eine möchte endlich ein Buch fertig schreiben und sucht das Reduzierte, Einfache, die Ruhe, um fokussiert arbeiten zu können. Andere sind an einer Kreuzung im Leben angekommen und brauchen Zeit sich über den Weg klar zu werden, der Nächste erholt sich von einem Nervenzusammenbruch, andere träumen wiederum davon in El Cotillo "irgendwie ganz gross rauszukommen", über das "irgendwie" sind sie sich noch nicht im Klaren. Andere wollen einfach nur am Strand faul sein und finden es cool, dass in El Cotillo den ganzen Tag legal gekifft werden kann bis ein derartiges Level an Lethargie erreicht wurde, dass der Lebensweg steil nach unten führt.

El Cotillo ist ein Brennpunkt für eigene Menschen. Vor allem ist es sehr friedlich und entspannt und daher gibt es nicht einmal einen Dorfpolizisten. Alle hoffen, dass  dies so bleiben wird.

Messen in der Ermita Nuestra Señora del Buen Viaje:

  • Jeder 3. Samstag im Monat 17:00 Uhr

Infrastruktur.

El Cotillo hat seit 2015 eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Es ist kaum zu fassen, denn 2014 gab es ausser zwei Tante Emma Läden, zwei Eisenwarenhandlungen, einem Supermarkt, zwei Hotels, zwei Touristenshops und den paar alteingesessenen Bars und Restaurants nichts. Vor allem Italiener entdeckten El Cotillo als ihr El Dorado. Jede Woche macht irgendetwas Neues auf, ein Grossteil schliesset schnell wieder. Die Ankömmlinge völlig unerfahren, denn nur weil viele Menschen in El Cotillo herumlaufen, muss die Kaufkraft nicht da sein. Und die ist definitiv nicht vorhanden. All-in Touristen, junge Surfer auf Budget, Selbstversorger, AirBnB Reisende. Eine dicke Brieftasche haben wenige und wenn, zum Shoppen kommen die garantiert nicht nach El Cotillo.

Jede Woche könnte ein Einkaufs- und Lokalführer neu geschrieben werden. Unzählige Tattoo Studios, Friseure, Tiernahrungsgeschäft, T-Shirt Laden, unübersichtliche Gastronomie an jeder Ecke, Mietwagen Unternehmen, nun auch eine Ärztin leider ohne Apotheke, einige Boutiquen und und und selbst ein Messerschleifer hat geöffnet. Der wurde besonders dringend benötigt. Die Geschäftsidee kann gar nicht irre genug sein, um nicht aufgegriffen zu werden. Täglich wird schon erwartet, dass jemand ein Sonnenstudio eröffnet, eine Skihalle projektiert oder einen Sessellift zum Leuchtturm bauen will. Auch die Situation bei den Surfschulen ist mittlerweile kaum noch zu überblicken. Am besten hält man sich an das Alteingesessene, Erfahrenen.

Als der Touristenboom durch den "arabischen Frühling" über Fuerteventura hereinbrach, dachte viele die Bäume wachsen in den Himmel. Doch Ende 2017 begann der Aufmerksame schon das Knirschen im Gebälk zu hören. In 2018 bestätigten die Zahlen für Gran Canaria massive Rückgänge, Fuerteventura mit einer roten Null. 2020 wird alles wieder auf ein vernünftiges Mass geschrumpft sein. Das tut der Insel gut und dem Publikum, das Fuerteventura der Insel, der Landschaft und des Lifestyles wegen besucht und nicht, weil es gerade im Angebot ist. So bleibt Fuerteventura wie es ist, einzigartig puristisch und ehrlich, denn dafür wird es geliebt.

Schnell gefunden.

Von Puerto del Rosario führt die FV-10 "coast to coast" von Ost nach West. Sie endet in El Cotillo. Wer sie nimmt fährt einfach, bis die Strasse zu Ende ist. Dann steht er im Hafen von El Cotillo.

Mit dem Bus wird El Cotillo aus Corralejo mit der Linie 8 erreicht, aus Puerto del Rosario mit der Linie 7. Die Busse starten pünktlich auf die Minute, sind modern und bequem. Die "chófer" fahren gemütlich aber zügig über die Insel. Im Gegensatz zu der heissblütigen, teils an Wahnsinn grenzenden Fahrweise der Buslenker in Sizilien oder Mexiko, die den mitteleuropäischen Fahrgast als nervliches Wrack am Zielort zittrig aussteigen lassen, ist Fuerteventura eine entspannte Sache. Klimatisiert kann durch getönte Scheiben Landschaft und Strände genossen werden. Niemand hat es eilig. Einen Busunfall gab es schon Jahre nicht mehr.

Torre de El Tostón

Öffnungszeiten:

  • Mo–Fr 9:00–12:45

  • Sa+So 9:00–14:45

  • Feiertags geschlossen

Eintritt:

  • Touristen / Residente: 1,50 Euro / 1,00 Euro

  • Kinder bis 12 Jahre kostenlos

  • ACHTUNG: Zahlung nur mit Kreditkarte, kein Bargeld!


Wandern zum Faro de Tostón Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Zum Faro de Tostón – zu Fuss oder mit dem Segway.

Der Leuchtturm Faro de Tostón könnte das Motiv für ein Bilderbuch sein. Er gehört wohl zu den meist fotografierten Sehenswürdigkeiten der Insel. Er ist genau so, wie ein idealer Leuchtturm zu sein hat: Hübsch bunt gestreift, fast immer gegen stahlblauen Himmel, an einem Kap stehend, aber links und rechts schöne Sandstrände. Dabei wird zu oft das sehr interessante Fischereimuseum im Leuchtturm übersehen oder vergessen auf den mittleren der insgesamt drei Leuchttürme zu steigen, von dem aus ein phänomenaler Ausblick zu geniessen ist.

Am schönsten ist es über den Küstenpfad von El Cotillo, entlang sandiger kleiner Buchten und türkisfarbenem Wasser, zum Leuchtturm Faro de Tostón zu wandern. Das sind 4,5 Km eine Richtung und sollte jeder, der sich halbwegs fit gehalten hat bis 80 schaffen. Alternativ kann mit dem Segway mit immer freundlichem Guide zum Faro de Tostón geschnurrt werden. Aber bitte nicht mit irgendwelchen Touroperatoren, die martialisch auf Show in Geländewagen Convois vorfahren auf Strassen, die ein tiefer gelegter Sportwagen nimmt. Sie verpesten und verlärmen die Landschaft und sind abartig teuer. Ein Mietwagen kostet weniger.

Insider Tipp

Der goldene Herbst – die beste Zeit in El Cotillo.

Die Werbung tönt: "Insel des ewigen Frühling". Das ist Unfug, denn auch Fuerteventura hat vier Jahreszeiten, obwohl es in den Subtropen liegt. Sie sind nur nicht so ausgeprägt. Wenn eine grosse, eisige Polarluft Zelle im Winter über der Arktis hängt, kann der Nordost Passat zu Weihnachten eisiges Wetter auf die Insel schaufeln. Am Teide Teneriffa liegt dann meterhoch Schnee. Es kann aber auch von Calima drückend heiss sein und weit über 35 Grad gehen, am Heiligen Abend. Alles ist möglich im Winter.

Die schönste und wettertechnisch sicherste Zeit ist der goldene Herbst. Dann ist es paradiesisch in El Cotillo. Schlagartig sind alle kanarischen Touristen, die den Ort im August dicht bevölkern, am 1. September weg. Die meisten deutschen Touristen finden sich wieder daheim am Schreibtisch ein, die oft drückende Augusthitze ist vorbei wie auch die Starkwind Zeit des Juli und August. Der Atlantik erreicht seine höchsten Temperaturen, das Wetter ist stabil mit tiefblauem Himmel, ein leichtes Lüftchen weht, die Strände sind leer so auch die Quartiere. Die Preise fallen. Wer es sich aussuchen kann: Mitte September bis mitte Oktober ist die schönste Zeit! Danach beginnt langsam die Regenzeit, an der es immer wieder starke aber kurze Regengüsse gibt. Danach tut sich sofort wieder der blaue Himmel auf.

El Muellito de los Pescadores.

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Casco de El Cotillo.

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Puerto de El Cotillo.

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Torre de El Tostón + Hornos de Cal.

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Ermita Virgen del Buen Viaje.

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Playas de El Cotillo.

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