Tuineje – Schlacht gegen die Briten.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Die kanadische Schriftstellerin Madge Macbeth (* 1925, Canada – † 1960, Canada) bereiste Spanien und das kanarische Archipel und verfasste neben feministischen Schriften auch Reiseberichte. Für damalige Zeiten war es für Frauen selten alleine auf Reisen zu gehen, die nicht nur ins nächste Grand Hotel in die Schweiz führten. Am kanarischen Archipel besuchte Madge Macbeth auch Fuerteventura, flog ein und lies sich fünf Tage mit einem Auto über die Insel fahren. Von Tuineje hatte sie wenig liebenswertes zu berichten, schreibt sie doch "Eine Bombe oder ein Erdbeben hätte nicht mehr Schaden anrichten können ... Es ist eine Erleichterung, diesen Ort zu verlassen." Vor dem Tourismusboom ging es eben recht armselig auf Fuerteventura zu. Es war ein dritte Welt Land in jeglicher Hinsicht. Aber Madge Macbeth hatte auch freundliches zu berichten, zeigte sich verwundert, dass sie Menschen keine Sonnenbrillen tragen, fandt gefallen am Kopfsteinpflaster von Puerto del Rosario und schrieb über den schönen "aztekischen" Kirchenfries in Pájara und wie bunt blühend der Ort doch wäre. Auch der Landschaft der Insel konnte sie viel abgewinnen und meinte "Fuerteventura kann wie eine Wüste aussehen. Aber was für eine Wüste!" Ihre Beschreibungen sind keine der typischen Reiseführer Berichte, die noch das letzte Dorf auf Fuerteventura als überaus sehenswert ausloben. Kritisch und gerade heraus. So gewinnt der Leser ein klares Bild der damaligen Realität.

Mittlerweile würde Macbeth anderes über den Ort Tuineje berichten. Der gut laufende Tourismus in Las Playitas und die florierende Wirtschaft in Gran Tarajal, beide gehören zum Gemeindegebiet von Tuineje, spülen gute Steuereinnahmen in die Gemeindekasse. So konnte der Ort herausgeputzt werden, selbst ein Schwimmbad mit olympischem Becken gibt es. Guter Trainingsort für heranwachsende Schwimmer, die sich das Freiwasserschwimmen ausgesucht haben. Ein beliebter Sport auf Fuerteventura. Anspruchsvolle Schwimmwettbewerbe finden jedes Jahr statt wie die Querung Lanzarote – Fuerteventura oder Isla de Lobos – Fuerteventura. Besonders hübsch wurde natürlich der Kirchplatz "Plaza San Miguel" und die Kirche "Iglesia de San Miguel Arcángel" in Stand gesetzt. In einem kleinen Restaurant kann dort auch schattig am Kirchplatz preiswert gegessen werden. Keine schlechte Idee, so man auf einer Inselrundfahrt und gerade Richtung Norden unterwegs ist, denn hinter Tuineje taucht lange Zeit nicht mehr viel gastronomisches auf, das erfreuen könnte.

Das Umland von Tuineje bis hinunter nach Gran Tarajal ist flaches weites Land, das seit den Urzeiten als Acker- und Weideland genutzt wurde. Das ist auch heute nicht anders. In den Ebenen werden Ziegen gehalten, deren Milch in der grössten Insel-Käserei der Grupo Ganaderos de Fuerteventura zu einem der weltbesten Käse verarbeitet wird. Auch eine Kamelzucht gibt es. Hunderte davon gab es noch im 19. Jhd. davon auf Fuerteventura. Sie waren die LKWs und die Traktoren der Insel. Mit nichts konnten schneller grosse Lasten quer über die Insel transportiert werden. Bis der Tourismusboom einsetzte gab es keine einzige asphaltierte Strasse auf Fuerteventura. Auch jetzt ist noch 70% des Wegenetzes für KFZ Piste. Heute tragen die Kamele im Oasis Park oder am Calderón Hondo Touristen durch die Gegend oder werden bei den unzähligen Hollywood Streifen, die auf Fuerteventura gedreht werden, eingesetzt. In der Zeit als Ridley Scott "Exodus" auf Fuerteventura drehte, wurde absolut jedes verfügbare Kamel der Insel für den Dreh gebucht. Mit Kamelreiten war nichts auf der Insel. Die beiden Kamel Stars des "Exodus" Streifens, zwei schneeweise Kamele, stehen oft im Pferch an der Finca, die an der Calle Eustaquio Gopar liegt und geben ein prächtiges Fotomotiv ab. Streicheltiere sind Kamele keine, als das der verklärte Städter heutzutage gerne jedes Tier sieht. Auch wenn sie normalweise von stoischer Ruhe beseelt sind, geht Kamelen etwas gegen den Strich, können sie extrem gefährlich werden. Dass sie dann ganz gezielt die Ursache ihres Ärgers tot trampeln oder tot beissen kommt gelegentlich vor. Sie scheinen wie Elefanten sehr nachtragend zu sein  und schätzen schlechte Behandlung gar nicht. Nicht umsonst haben Kamele im Oasis Park alle einen Maulkorb. Ihr Gebiss ist extrem Kraftvoll und kann Dornensträucher kauen, um die sogar Ziegen einen Bogen machen.

Der Ort Tuineje Fuerteventura.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Tuineje, heute 944 Einwohner (2018), ging aus einer kleinen Ansammlung von Häusern hervor, in denen die Menschen wohnten, welche die fruchtbaren Ebenen um den Ort herum bewirtschafteten. Konnten sie Überschuss erwirtschaften, wurde er von Gran Tarajal aus verschifft. Von dort erreichte die Bewohner auch Material für die Landwirtschaft und anderes. Bewohnt war Gran Tarajal nicht. Erst als der Kuba Heimkehrer Matías López Hernández das fruchtbare Schwemmland oberhalb von Gran Tarajal für den Tomatenanbau entdeckte, entstand Gran Tarajal. Das fruchtbare Schwemmland wurde und wird vom grossen, wasserreichen Barranco de la Florida herangeschwemmt, der unterhalb von Tuineje in der Ebene Llano Florido am Montaña de Tamacite (353 m) seinen Ursprung hat.

Der Ort Tuineje wird von der Kirche, die dem Erzengel Michael gewidmet ist, geprägt. Die "Iglesia de San Miguel Arcángel" geht auf eine Ermita aus dem Jahre 1702 zurück. Kirchgang am Sonntag war für den gläubigen Spanier absolute Pflicht, um dem reinigenden aber ungemütlichen Fegefeuer zu entgehen und da Tuineje keine Kirche besass, musste man sich jeden Sonntag zur Kirche nach Pájara oder Agua de Bueyes aufmachen. Das war zur damaligen Zeit eine Tagesprojekt. Die Bewohner von Tuineje brauchten einen Ausweg ihrer christlichen Pflicht nachzukommen ohne den ganzen Sonntag unterwegs zu sein. So wurde ein Gesuch an das katholische Oberhaupt in Betancuria gerichtet, eine Kapelle bauen zu dürfen. Dies sollte auf eigene Kosten geschehen und auch um einen Geistlichen, der die Messe hielt, wollte man sich selber bemühen. So glühendem Glauben konnte sich Bischof Bernardo de Vicuña y Zuazo in Betancuria nicht verschliessen und genehmigte mit kirchlichem Dekret vom 28. Juli 1696 den Bau der Ermita, die San Miguel Arcángel gewidmet werden sollte, wie sich das die Einwohner gewünscht hatten. Schon im Jahre 1702 wurde der erste Gottesdienst abgehalten. Wahrlich eine Rekordbauzeit für die Insel. Der Glaube muss intensiv gewesen sein. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer weiter ausgebaut und die Ermita wuchs zu einer stattlichen Kirche heran. Auch im Inneren wurde es immer schöner. Die Iglesia San Miguel Arcángel ist zwar an sich schlicht, wird jedoch von einigen sehr prunkvollen Elementen bestimmten. Heraus sticht der prachtvolle Altar, den sich die Bewohner Tuinejes leisteten und vom kanarischen Meister Juan Bautista Bolaños um 1780 angefertigt wurde. Ein prachtvoller Rokoko Altar als kunstvolle Schnitzerei, vergoldet mit Gemälden komplettiert, prägt imposant das Kirchenschiff. Als besonders praxisnah erwies sich der unbekannte Schöpfer des Christus am Kreuz. Er ist nämlich völlig modular und flexibel aufgebaut. Er kann vom Kreuz genommen werden und durch die beweglichen Arme auch als liegender Christus eingesetzt werden. Man kann also zwei Szenen nachbauen: Am Kreuz und liegend nach der Abnahme vom Kreuz. Das Geld sass nie locker auf der armen Insel. Man musste eben sehen wo man sparen konnte.

Meist ist Tuineje recht verschlafen doch einmal im Jahr erwacht es so richtig zum Leben und ist Mittelpunkt von Fuerteventura. Zur Fiesta San Miguel Arcángel wird die "La Batalla de Tamasite" gefeiert, die Schlacht, als britische Korsaren 1740 vor Tuineje vernichtend geschlagen wurden. Ein ungeübtes und waffentechnisch völlig unterlegenes bunt zusammengewürfeltes "Bauernheer" aus Majoreros stellte sich den Briten entgegen und beförderte 33 der 53 Freibeuter ins Jenseits. Der Rest der Briten flüchtete. Nur 3 Majoreros bezahlten mit ihrem Leben. Die Schlacht von Tamasite fand in der Ebene Llano Florido statt, eine Ebene unterhalb Tuinejes und vor dem Montaña de Tamacite (353 m). Daher trägt sie den Namen "La Batalla de Tamasite", die moderne Schreibweise, auch wenn "Tamacite" ganz korrekt wäre. Den Briten hob man ein Loch aus und warf sie hinein. Gekennzeichnet wurde das Grab nie. Seit 2018 haben sich Archäologen mit der Universität Las Palmas ans Werk gemacht, das Massengrab zu finden. Dann wird man auch wissen wieviele Freibeuter wirklich die Insel nicht mehr lebendig verliessen. Viele Zeitungsartikel sprechen heute von 55 Toten, die Hälfte der Angreifer. Das scheint aber kaum plausibel. Die Schiffe der Korsaren waren schnell und wendig aber klein und 100 Mann Besatzung wären völlig unmöglich gewesen. In voller Mannschaftsstärke lag man bei nicht mehr als um die 50 Männer. Berichtet wird nur von einem angreifenden Schiff. So scheinen eher 53 Angreifer von denen 33 umkamen plausibel. Die 3 Majoreros, die ihr Leben liessen, sind namentlich bekannt und scheinen fundiert. Wie auch immer, es war eine Meisterleistung kampferprobten Korsaren zu besiegen.

Die Fiesta ist ein Historienspektakel. Jegliche Inselprominenz ist samt Familie anwesend, der Präsident des Cabildos, Kirchenvertreter der Nachbarinsel und absolut jeder Presseverterter der Insel. Das Majorero Heer marschiert mit Kamelen auf, als Briten verkleidete "Rotröcke" marschieren. Schon am Vortag wird am Strand von Gran Tarajal der Landgang nachgestellt. Es wird in die Kirche eingezogen, eine Messe abgehalten. Dann wird die Statue des Erzengel Michael, dem man das Wunder des Sieges zugeschrieben wird, in einer Prozession in die Llano Florido getragen und zurück in die Kirche. Danach beginnt die Fiesta mit Musik und Tanz und vielen Imbissbuden am Plaza San Miguel bis in die frühen Morgenstunden. Eine besondere Ehre ist es der Musikkapelle von Tuineje anzugehören, die in britischen Rotröcken gekleidet sind und als Spielmusik mit viel Trommeln, die traditionell die Truppen in die Schlacht führten, auftreten. Sie führen den Historien Umzug an. Auch Kreuzfahrer haben sie schon öfter zu sehen bekommen. Legen besonders "dicke Schiffe" in Puerto del Rosario an wie z.B. im April 2017 der TUI Kreuzfahrer "Mein Schiff", dann begrüsst die Spielmusik auch schon mal am Kreuzfahrer Pier die Touristen, die zum Landgang aufbrechen. Diese sind meist vom fulminanten Empfang nicht nur völlig überrascht sondern auch restlos begeistert. Neben der Stimmung begehrtes Fotomotiv für das Urlaubsalbum.

Der Ort Tuineje Fuerteventura.

Für wen lohnt der Besuch?

Unter dem Jahr mag der Besuch der Kirche Iglesia San Miguel Arcángel Interesse wecken. Wer auf der Durchreise ist, kann vor der Kirche in einem kleinen Restaurant gut windgeschützt im Schatten sitzen und sich stärken. Für eine Pause eine gute Idee. Wer das Glück hat zum Historien Spektakel "La Batalla de Tamasite" auf Fuerteventura zu sein, sollte es sich samt Fiesta in Tuineje nicht entgehen lassen. Die Schaustellung am Strand von Gran Tarajal am Vortag ist eher eine Sache die seit 2012 für Touristen organisiert wird und kann ausgelassen werden. Die eigentliche Fiesta, die Fiesta San Miguel, sollte aber keinesfalls verpasst werden. Hier ist nichts touristisch, das ist echt und gewachsen und erstaunlicher Weise werden nur sehr wenige Touristen angetroffen.

Messen in der Iglesia San Miguel:

  • Jeden Do + So 19:00 Uhr

Infrastruktur.

Die Infrastruktur von Tuineje ist auf Einheimische abgestimmt. Als Gemeindeverwaltung bietet es die üblichen Strukturen, die in Spanien gebräuchlich sind wie ein Gesundheitszentrum, Gerichtsbarkeit und ähnliches. Das städtische Schwimmbad, ein durch hohe Mauern vom Wind geschütztes Freibad mit olympisches Becken, mehr zum Trainieren als zum Relaxen, sticht in Fuerteventura als Luxus hervor. Eine Tankstelle bietet der Ort, in der Ebene Llano Florido unterhalb von Tuineje ein Bäckerei. Gegenüber der Iglesia San Miguel Arcángel an der FV-30 eine Bar und Café und am ruhigen  Kirchplatz Plaza San Miguel ein kleines Restaurant, vor dem schattig gesessen werden kann. Mit drei Buslinien, die Tuineje ansteuern, ist der Ort gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden.

Schnell gefunden.

Tuineje ist unschwer zu finden. Es liegt an der modern ausgebauten FV-30 zwischen Gran Tarajal und Tiscamanita. Mit dem Bus ist es mit der Linie 1 gut von Puerto del Rosario oder Morro Jable zu erreichen. Aus Gran Tarajal bietet sich neben der Linie 1 auch die Linie 18 Gran Tarajal – Pájara an oder die Linie 18 Gran TarajalPuerto del Rosario.


Der schönste Leuchtturm der Insel – Faro de la Entallada.

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Der schönste Leuchtturm der Insel – Faro de la Entallada.

Der Faro de la Entallada gehört zum Gemeindegebiet von Tuineje. Er liegt imposant auf einer Klippe. An klaren Tagen kann das  92 Km entfernt gelegene Kap Juby in Marokko gesehen werden. Neben der Schönheit der Steilküste ist auch seine nautische Bedeutung hoch interessant. Ein herrliches Fotomotiv ist er obendrein.

Schon die Anfahrt zum Faro de la Entallada durch den engen Barranco auf der kleinen Strasse ist schön, auf der Klippe angekommen überwältigt der An- und Ausblick. Erstaunlich einsam ist es am Leuchtturm. Zum Sonnenuntergang trifft man nur in der Hauptsaison dort oben Menschen. Die Szenerie bei Sonnenuntergang ist atemberaubend und mit einwenig Glück kann einer der seltenen Seeadler über den Klippen kreisen gesehen werden. Ist die Nacht hereingebrochen, ist von Tuineje ein eigenartiger Schein hoch am Himmel zu sehen. Das ist das Leuchtfeuer, das nur 15 Km Luftlinie vom Ort entfernt liegt.

Insider Tipp

Ziegenkäse – einkaufen bei der Grupo Ganaderos de Fuerteventura.

Unweit von Tuineje liegt die Käserei Grupo Ganaderos de Fuerteventura. Sie reift "Uno de los quesos más premiados del Mundo", einen der meist prämierten Käse der Welt. Das ist kein Werbespruch sondern Fakt. 2016 wurde der Käse "Selecion" unter 3.000 Käsesorten zum weltbesten Käse des Jahres 2016 prämiert. Das kann sich sehen lassen und gesellt sich zu den weit über 100 internationalen Auszeichnungen. Wer einen der weltbesten Käse kaufen will, vor allem Ziegenkäse, der sollte die Grupo Ganaderos de Fuerteventura besuchen. Käseliebhaber werden begeistert sein.

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