Tarajalejo – Designhotel und kanarische Ringer.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Tarajalejo wartet mit 1.296 Einwohner auf (2018). Das ist für Fuerteventura schon das Niveau einer ordentlichen Stadt. Zu sehen ist von den Bewohnern wenig. Wer einen Job hat, arbeitet in Costa Calma, Morro Jable, im Oasis Park, überall dort, wo Touristen sind. In Tarajalejo sind sie nicht. Daher ist es mehr Schlafstadt für Einheimische.

Tarajalejo wurde schon im 16. Jhd. besiedelt. Das ist für einen Küstenort auf den Kanaren sehr früh. Traditionell wurde im Landesinneren gesiedelt. Das hatte seine Gründe. In den Wintermonaten ist es feucht und windig an der Küste und im Sommer schwül. Für Arbeitende ist das nichts. Die Küsten waren zudem durch die Überfälle nordafrikanischer Sklavenjäger unsicher.

Abgesehen von all dem, war Tarajalejo eine gute Ecke, um auf Fuerteventura in früheren Zeiten sein Auslangen zu finden. Die Bucht ist gross und ruhig und auch ihr Untergrund eignet sich hervorragend als Ankerplatz. Fischreich ist die Bucht und ihre Klippen ebenso. Für Fuerteventura ist Tarajalejo auch recht wassereich, liegt es doch genau zwischen zwei Barrancos: Im Norden der Barranco del Valle de Tarajalejo, der seinen Ursprung am Montaña de Cardón (694 m) hat und in El Cardón aus zwei Barrancos hervor geht und im Süden dem Barranco de Tisajorey. Beide sind sehr wasserreich. Im Landesinnere wird an den Barrancos Landwirtschaft betrieben. Staubecken in den Wasserläufen halten das Wasser bei den starken, subtropischen Regengüssen zurück und speichern es. So kann es dosiert in die Gavias geleitet werden.

Am nördlichen Ende des Playa de Tarajalejo liegt der historische Ort. Jahrhunderte alte Häuser, die Hafenmole, die schon 1592 erwähnt wird. Der Kern des Ortes liegt windgeschützt an einen Hügel geschmiegt, der vor dem Nordost Passat schützt. Windstill ist es in dem Teil des Ortes. Der neue Teil von Tarajalejo liegt oberhalb am offenen Feld, wo es ordentlich fegt. Dort wurde eine (einst) schicke Appartementanlage für Gringos gebaut. Der Traum von den vielen reichen Ausländern, platzte wie überall sonst auf der Insel. Nun ist es seelenlose Schlafstätte für extranjeros aller Art und Saisonarbeiter.

Die Bucht von Tarajalejo ist von stattlicher Grösse. Der Strand ebenso. Rund 1,5 Km feiner schwarzer Lavastrand, der immer ausgestorben und leer ist. Wer sich dort in die Sonne legen und in der ruhigen Bucht etwas schwimmen will, der weiss erst gar nicht, wo er sich hinlegen soll. Ein Strand, den der Tourist quasi für sich alleine hat, obwohl an einer kleinen Stadt gelegen.

Tarajalejo ist nicht angesagt, wenige Touristen kommen, der Sand am Strand feinkörnig schön, die Bucht ruhig und genau daher ist es keine schlechte Idee einen entspannten Tag dort zu verbringen. Auch gut geeignet für Familien mit Kindern. Das Wasser fällt flach ab, der Strand ist endlos zum Herumtollen. Niemand stört sich daran. Auch Urlauber aus Costa Calma könnten Tarajalejo einmal besuchen.

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Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Einst war die heute verwaiste Mole von Tarajalejo belebter Landungssteg. Erstmals wurde sie 1592 erwähnt und diente zu dieser Zeit schon als einer der Hauptumschlagplätze für Waren aller Art auf Fuerteventura. Nach Gran Canaria wurden Ziegen und Schafe ausgeschifft, die auf Fuerteventura gezüchtet wurden. Kaum 200 Km war es hinüber zum Hafen Puerto de la Luz oder dem ältesten Hafen von Gran Canaria, Puerto de las Nieves. Dort werden noch historische Aufzeichnungen gefunden, die beschreiben, wie das Vieh "entladen" wurde. Der Kran der Mole wurde dazu nicht genutzt, denn das war zu langwierig. Es wurde in die Bucht von Puerto de las Nieves gesegelt. Dort wurde das Vieh einfach über Bord geworfen. Das schwamm dann an Land. Bis ins 18. Jhd. wuchs die Bedeutung von Tarajalejo als Hafen stetig. An der Mole wurde wie in Corralejo Holz aus Madeira angelandet, Getreide und andere Waren verschifft. Mit dem rasanten Aufstieg von Puerto de Cabras zum zentralen Hafen von Fuerteventura Anfang des 19. Jhd. und der schweren Wirtschaftskrise der Kanaren in der zweiten Hälfte des 19. Jhd., durch die Entstehung der deutschen chemischen Industrie ausgelöst, erlebte der Hafen von Tarajalejo ein abruptes Ende und ist seitdem ungenutzt.

Ausser Caleta de Fuste und El Cotillo, beide vor Puerto de Cabras bedeutende Häfen, waren alle anderen Häfen von Fuerteventura ungeschützt, hatten weder einen Verteidigungsturm noch stationierte Militäreinheiten. So suchten sich die britischen Freibeuter, die im Auftrag der Queen Spanien auf der ganzen Welt drangsalierten, Ecken wie Gran Tarajal und Tarajalejo als Ziel. Dort führte auch die klassische Handelsroute aus Europa nach Gran Canaria und Teneriffa bzw. Lateinamerika vorbei. Bis auf die Schlacht von Tamasite (1740), gingen britische Korsaren nie auf Fuerteventura an Land. Es gab nicht viel zu holen. Man brachte einfach die Schiffe vor der Insel auf, wie beispielsweise am 9. November 1740 das Handelsschiff "San Augustín", das nach Madeira unterwegs war, räumte es leer und verbrannte es in der Bucht von Tarajalejo. Vom Hafen aus musste hilflos zugesehen werden. Das Abfackeln gekaperter Schiffe war kein Akt der Zerstörungswut sondern Auftrag. Jedes spanische oder portugiesische Schiff, das britische Korsaren versenkten, war weniger Frachtvolumen, das gegen die Handelsflotte des Empires antreten konnte. Es ging, wie immer, um Geld, um die Vormachtstellung im Welthandel, Britannien gegen Spanien.

Tarajalejo tauchte Ende des 19. Jhd. in einen Dornröschen Schlaf, aus dem es bis heute nicht erwachte. Wie eh und je fahren kleine Fischerboote aufs Meer hinaus, machen ihren Fang für Restaurants und Geschäfte, mit denen sie Abmachungen haben. Sonst tut sich wirtschaftlich nicht viel. Auch das Design Hotel der mallorquinischen Hotel Gruppe R2, direkt am Strand, konnte den Ort nicht wach küssen und ist kein Renner. Urlauber, die ein Design Hotel buchen, stellen sich einwenig mehr Infrastruktur vor, vielleicht einen schicken Paseo mit angesagten Bars, in denen am Abend noch vorbei geschaut werden kann. Geschäftstüchtige Mallorquinos sollten sowas eigentlich wissen. Es war sicher auch keine gute Idee, das Hotel direkt an den grossen Barranco del Valle de Tarajalejo zu bauen, der im Sommer, wenn er richtig trocken wird, einen ziemlich unangenehmen Geruch verbreitet.

Kulturell verdingt sich der Künstler Klaus Berends in seiner "Galerie d7". Dort können Kunstkurse belegt werden, um das Füllen einer Leinwand zu üben. Auf der Insel tat sich der Künstler seinerzeit, als das Wrack der American Star noch nich gänzlich gesunken war, am Playa de Garcey hervor. Er enterte den Schrotthaufen, in der Tat eine lebensgefährliche Sache, nicht wenige brachen durch die verrosteten Decks und ertranken halb tot mit gebrochen Knochen im Inneren qualvoll, schaffte Lichtequipment und Generatoren auf das Schiff und illuminierte es des nachts. Alles, was einwenig nach Baustelle und Baustellenarbeit aussieht, wird bekanntlich als Installation im Kunstgeschäft bezeichnet und so handelte es sich bei der American Star nicht um eine Beleuchtung für Abwrackarbeiter, sondern um leuchtende Kunst. Die Botschaft, die der Künstler damit in die Welt senden wollte, blieb im Dunkeln. Wer Selbstinszenierung ortet, scheint am richtigen Weg zu sein. Gewirkt hat es nicht. Berühmt ist er bis heute nicht wirklich. Wer mehr dem handfesten und bodenständigen Kulturgut zugetan ist, sollte in die Ringkampfarena von Tarajalejo gehen und sich eine echten "lucha canaria" ansehen. Eine ehrliche Sache mit Tradition.

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Für wen lohnt der Besuch?

Tarajalejo ist ruhig und verschlafen. Touristisch wird es wohl nie in die Gänge kommen. Dabei hat es einen mehr als 1 Km langen Sandstrand aus feinstem, schwarzem Lavasand zu bieten. Der Tourist stellt sich eben goldgelb oder weiss vor. Das macht sich auch auf facebook besser. Dabei liegt es sich, wenn nicht gerade Hochsommer ist, auf schwarzem Sand viel besser. Auch wenn der Tag mal kühl ist, der schwarze Sand saugt die Sonnenstrahlen auf und ist wie eine Wärmedecke. Auch die Bucht ist riesig. Keine starke Brandung, keine gefährlichen Strömungen, ganz in Ruhe können Längen geschwommen werden. Richtig windig ist es auch selten und einwenig Wassersport wird auch geboten. Selbst ein rasanter Jetski Ausflug kann vom Playa de Tarajalejo unternommen werden. Das R2 Design Hotel ist nicht zu verachten, auch wenn es in der Umgebung etwas deplaziert wirkt. Eigentlich ist es gut so, dass sich der Tourismus auf Fuerteventura im wesentlichen auf Corralejo, Costa Calma und Morro Jable konzentriert. So bleibt der Grossteil der Insel ruhig und wenig berührt. Tarajalejo ist ein guter Urlaubsort für Individualisten, Ruhe Suchende, eben jene, die keinen Trubel wollen.

Infrastruktur.

Die Infrastruktur in Tarajalejo ist sehr übersichtlich. Ausser einem alt eingesessenen Restaurant, das sehr bemüht ist und einer Bar für Einheimische im hintersten Eck des Dorfes, gibt es nichts Beständiges. Die zwei oder manchmal auch drei anderen Gastronomiebetriebe wechseln jährlich durch. Unerfahrene Glücksritter bringen ihr Erspartes durch. Die deutsche Kneipe am Ende der Calle Isidro Díaz, wurde beispielsweise 2018 zu einem Irish Pub und ist nun 2021 ein Hanf Shop. 2022 wird dort garantiert wieder etwas anderes zu finden sein. Die Location ist und bleibt ein totes Eck in einer wenig touristischen Gegend.

Urlauber, die ein Appartement z.B. über AirBnB in Tarajalejo gemietet haben und Selbstversorger sind, werden sich über den ordentlichen Supermarkt von Tarajalejo freuen. Er bietet alles für das tägliche Leben, auch Haushaltswaren und da dort Einheimische einkaufen, sehr viel Frisches, wie beispielsweise eine grosse Fischtheke. Anspruchsvollere mieten sich in das R2 Design Hotel ein, das unter anderem mit einem Fitness Center mit Panoramafenster, welches einen herrlichen Blick auf Bucht und Meer frei gibt, punktet.

Schnell gefunden.

Der Ort Tarajalejo liegt direkt an der FV-2 und ist vom Airport kommend mit dem Auto nicht zu übersehen.

Mit dem Bus wird Tarajalejo mit der Linie 01 oder Linie 01 directo von Puerto del Rosario, vom Airport mit der Linie 1 directo, erreicht. Allerdings liegt die Bushaltestelle am Kreisverkehr der FV-2. In den Ort hinunter fährt der Bus nicht. Wer also im R2 Hotel einchecken will und mit dem Bus anreist, hat noch rund 500 m Fussmarsch bis zur Rezeption vor sich. Da es nur bergab geht, sollte das mit einem Koffer, an dem ordentliche Rollen arbeiten, zu schaffen sein. Bei der Abreise sollte die Steigung erholt und mit neuer Fitness locker geschafft werden. Es muss kein teures Taxi vom Airport sein. Im Bus nicht vergessen rechtzeitig die "STOP" Taste drücken, sonst rauscht der Bus an der Haltestelle vorbei.

Wer die 500 m absolut nicht gehen will, muss in Gran Tarajal in die Buslinie11 umsteigen, die zwischen Tuineje und Gran Tarajal verkehrt. Die fährt bis in den Ort hinein wie auch die Buslinie 25, die zwischen Morro Jable und La Lajita verkehrt.


Puerto Rico – eine gute Idee für Van Reisende.

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Puerto Rico – eine gute Idee für Van Reisende.

Der Playa de Puerto Rico war einst Hafen: Eine ruhige, durch zwei grosse Klippen windgeschützte, Bucht mit tiefem Wasser. Sie profitiert vom Oasis Park, der über ihr liegt und dort Palmen pflanzt und bewässert. So entsteht langsam eine Oase, die vor allem im Hochsommer ein angenehmes Klima bietet. Taucher lieben die Bucht. An der nördlichen Klippe öffnet sich eine fantastische Unterwasserlandschaft aus Höhlen.

Van Reisende werden den Playa de Puerto Rico und seine Bucht schätzen, denn dort kann nicht nur wunderbar sondern auch legal campiert werden. Im August wird jedoch der Strand von Canarios mit Wohnmobilen gestürmt, in der Nebensaison ist er menschenleer. Für digitale Nomaden dann ein guter Ort. Die Stellplätze sind gratis, es sind jedoch einige Regeln in Bezug auf die Stelldauer etc. zu beachten. Die Website des Cabildo und die Seite Campen informieren.

Insider Tipp

Zum "lucha canaria" – in die Ringkampfarena von Tarajalejo.

Urlauber, die der bodenständigen Kultur, dem echten Leben, zugewandt sind, finden in Tarajalejo eine Ringkampfarena, in welcher der traditionelle "lucha canaria", der kanarische Ringkampf, ausgeübt wird. In der Arena ist eine erfolgreiche Liga Mannschaft aktiv und das ist was, auf den Kanaren. Gute Ringer haben den Stellenwert eines Fussballstars. Lucha canaria ist Kulturgut! Der Interessierte sollte unbedingt die Arena in der Einfallsstrasse aufsuchen und den Anschlag ansehen, wann der nächste Ringkampf stattfindet. Ihn zu besuchen ist ein Erlebnis. Die halbe Gemeinde rückt an: Junge, alte mit Rollator, dem "tacataca", junge Mütter mit Kinderwagen, dem "cochecito", obwohl es spät abends los geht, der Bürgermeister, keine Touristen. Es wird mitgefiebert, die Regeln sind sehr speziell. Macht ein Ringer einen besonders guten Wurf oder Griff, geht er durch die Reihen und kassiert von jenen, denen das gefallen hat, ein paar Cent für die Vereinskasse. Lucha canaria – muss man gesehen haben!

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