Wintersonnwende Montaña de Enmedio – Schatten auf den Montaña Sagrada Tindaya.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Eine Laune der Natur hat es so eingerichtet, dass die Hauptachsen der beiden Bergkegel des Montaña Sagrada Tindaya (400,5 m) und des Montaña de Enmedio (523 m) fast parallel sind. Wie geplant haben Tindaya und Enmedio auch noch in etwa die gleiche Kegelform und damit das Schattenspektakel so richtig gut funktioniert, ist der Gipfel des Montaña de Enmedio gut 100 m höher als jener des Montaña Tindaya. Wichtig auch, beide Gipfels sind nur 2.800 m voneinander entfernt, sonst klappt das mit der Projektion auch nicht. Das alles wäre zwar ganz interessant aber nicht weiter aufregend, käme da nicht noch ein Zufall hinzu. Genau zur Zeit der Wintersonnwende, rund zwei Tage davor und zwei Tage danach, geht die Sonne exakt so im Osten auf, dass der Montaña de Enmedio einen symmetrischen, deckungsgleichen Schatten auf den Montaña Tindaya wirft.

Erhebt sich die Sonne im Osten, wirft der Montaña de Enmedio zuerst einen deckungsgleichen Schatten seines Umrisses und Gipfels auf den Montaña Tindaya. Mit steigender Sonne wandert der Schatten sich symmetrisch verkleinernd den Umriss des Montaña Tindaya hinunter. Der Gipfelschatten wandert dabei in einer lotrechten Linie vom Gipfel des Montaña Tindaya zu dessen Basis hinunter. Obwohl geometrisch leicht zu erklären, trotzdem ein verblüffendes Schauspiel, das einer Laune der Natur da zufällig entsprang. Von diesen "verblüffenden" Schattenwürfen existieren übrigens weltweit einige. "Zufälle" entstehen eben rein statistisch bei enstprechender Menge unweigerlich. Von einem Naturvolk mit Sonnenkult musste diese Laune der Natur natürlich unweigerlich als höheres Zeichen gedeutet werden. Ein derartiges Ereignis an jenen Tagen, in denen die Sonne kehrt macht und wieder nach Norden wandert, das musste höherer Natur sein. Es dürfe kein Problem sein auch heute noch Menschen zu finden, die diesen Zufall der Natur für göttliche Fügung halten.

Ebenso interessant sind auch die Peilsteine der Majorers, westlich vom Tindaya in der Llano de Esquinzo, auf die der Gipfelschatten exakt zur Wintersonnwende fällt.
 

Der Aufstieg.

Bestiegen ist der Montaña de Enmedio schnell. Vom Parkplatz des Mirrador de Vallebron der auf 360 m liegt, sind es kaum 400 m Wegstrecke und 163 Höhenmeter. Es wird weglos die Direttissima über den Südgrat genommen, was unspektakulär ist. Im oberen Drittel geht es ein paar Meter durch ein Felsband, in dem das eine oder andere Mal die Hände benötig werden. 50 m nach Osten ausweichend kann das Stück umgangen werden. Auch wenn aus der Ebene die steile Westflanke des Montaña de Enmedio recht respekteinflössend aussieht, ist der Aufstieg leicht, da entfernt vom Abbruch gegangen wird. Wie meist ist das Absteigend das Heikle. Nicht alpinistisch sondern auf Grund der Bodenbeschaffenheit. So ziemlich alle Bergflanken Fuerteventuras sind mit grobem, kleinem Lavakies überzogen. Gegangen wird wie auf Kugellagern. Daher haben versierte Einheimische den langen Hirtenstab mit Eisenspitze, den Palo de Pastor, dabei, mit dem sie sich beim Abwärtsgehen abstützen. Da kommen bei den "unbewaffneten" neidische Blicke auf.

Die Sonne steigt am 21. Dezember an diesem Ort Fuerteventuras exakt um 7:45 aus dem Horizont empor, sodass das Schatten Spektakel zu einer auch im Urlaub vertretbaren Zeit erlebt werden kann. Wer gegen 7:00 Uhr am Parkplatz des Mirrador de Vallebron (360 m) startet, ist rechtzeitig am Gipfel, um sich einen guten Platz suchen zu können. Warme Kleidung sollte dabei sein. Bis die Sonne da ist, kann es im heftigen Wind lausig kalt werden. Das Wetter​​​​​​​ muss ebenfalls mitspielen. Es sollte sich ein recht wolkenloser Tag ankündigen, sonst fällt das Schauspiel aus. Die Chancen stehen aber gut, dass einer der Tage zwischen dem 19.12. und 23.12. auf Fuerteventura wolkenlos wird. Bei 300 Tage wolkenlosem Himmel pro Jahr stehen die Chancen gut.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Tindaya – Wintersonnwend Montaña en medio

Für wen lohnt der Besuch?

Jeder der halbwegs zu Fuss ist, zur Wintersonnwende auf Fuerteventura ist und es schafft, früh aus den Federn zu kommen, sollte das Spektakel vor dem Montaña Sagrada Tindaya geniessen. Über die rund vier Tage, in denen der Schattenwurf zu sehen ist, versammelt sich allmorgendlich eine kleine Runde Menschen am Berg. Ziegenfarmer, Bewohner der umliegenden Dörfer, der eine oder andere Tourist, der von jemandem mitgenommen wurde. Mehr als 20 Personen finden sich nicht ein.

Naturliebhaber, Hobbyfotografen, Geniesser sind am Montaña de Enmedio richtig. Auch wer nicht mehr taufrisch und nicht mehr ganz so gut zu Fuss unterwegs ist, sollte sich das Schauspiel nicht entgehen lassen. Es sind immer wieder ältere Einheimische zu treffen, die beim kleinen Aufstieg Pausen einlegen. Es findet kein Wettrennen statt. Auch sie erreichen den Gipfel.

Infrastruktur.

Wer das Wintersonnwend Spektakel am Montaña en medio (523 m) erlebt hat, wird Lust auf einen Café, ein Frühstück oder Deftigeres haben. Dazu bieten sich der Ort Tindaya mit der Bar Gonzalez, die fixer Treffpunkt der Bewohner Tindayas vor der Arbeit ist, an. Guter, starker Café wird dort serviert, deftiges für jene, die später kräftig anpacken müssen. In de Bar wird man auch den einen oder anderen Einheimischen wieder treffen, der sich das Erlebnis am Montaña de Enmedio ebenfalls nicht entgehen liess.

Schnell gefunden.

Zum Montaña de Enmedio (532 m) geht es von La Oliva aus dem Norden, von Puerto del Rosario aus dem Osten, über die FV-10. Ca. dort, wo der Abzweig auf der FV-10 Richtung Westen nach Tindaya ist, zweigt ostwärts die FV-103 ab, die sich in drei Kehren steil aufwärts zum Mirrador de Vallebron schraubt.

Dort wird am grossen Parkplatz das Auto abgestellt. Nach Norden blickend liegt der Montaña de Enmedio und der Westgrat. Über diesen wird weglos aber einfach in 20 Minuten zum Gipfel aufgestiegen.


Montaña Cardón Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Montaña Cardón – kaum beachtet, der heilige Berg im Süden.

Was der Montaña Tindaya (400,5 m) für die Majoreros im Norden der Insel war, war der Montaña Cardón (694 m) für die Majoreros im Süden Fuerteventuras. Eine interessante Felsformation in deren Gipfelbereich Höhlen liegen, die wohl von den Majoreros als Grabstätten, später von Hirten genutzt wurden. Mumien wurden keine gefunden. Das will nichts heissen. Hirten verwendeten sie gerne zum Heizen und Kochen, das sie brannten wie Zunder.

Irgendwo dort soll der Legende nach auch das Grab des Riesen Mahan liegen, ein 2 m Hühne, der den Eroberern heftig Widerstand geleistet haben soll. Da männliche Majoreros nicht grösser als 1,6 m waren, könnte das mit dem Riesen schon durchgehen. Ein Grab wurde nie gefunden. Einwenig Legende, einwenig Wahrheit wird es wohl sein. Das sich rund 1,7 tsd. Majoreros von in Windeseile von einer kleinen Truppe Conquistadoren besiegen liessen, spricht nicht unbedingt für heldenhaften Widerstand. Da ging es auf Gran Canaria, vor allem aber auf Teneriffa, anders zur Sache.

Insider Tipp

Das Spektakel filmen – Zeitraffer Aufnahmen!

Wer eine Kamera mit Zeitraffer Funktion besitzt, sollte nicht vergessen sie mitzubringen. Das Naturschauspiel lässt sich damit schön festhalten. GoPros sind nicht sonderlich geeignet, da das Weitwinkel so extrem ist, dass der Montaña Tindaya kaum noch gut sichtbar in weiter Ferne liegt. Die Aufnahmen werden nichts.

Es sollte an der westlichen Gipfelflanke ein Platz gesichert werden, damit niemand durch das Bild läuft. Zu bedenken ist auch, dass es am Montaña de Enmedio ziemlich stürmisch sein kann. Damit die Aufnahme gelingt, wird ein massives Stativ benötigt, das möglichts noch beschwert werden sollte. Mit einem Reise-Leichstativ wird die Aufnahme nicht gelingen.

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