Puerto de la Cruz – ein Hauch von Freiheit.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Nach rund 20 Kilometern holpriger und im Sommer ziemlich staubiger Piste taucht es auf, am südlichsten Zipfel Fuerteventuras: Puerto de la Cruz. Eine Ansiedlung aus Fischerhäusern am Meer mit kleinem Naturhafen. Vor dem Ort ein mächtiger Windgenerator, der nie seinen Dienst aufnahm. Er sollte Strom für die Seewasser Aufbereitungsanlage neben dem Windrad liefern. Gross geplant und von der EU solide gefördert, wurde das nie Realität. Nun läuft rund um die Uhr ein Dieselaggregat, das den Strom produziert.

Ein Kilometer weiter nach Südwesten, liegt der Leuchtturm Faro de Punta de Jandía, der 1864 in Betrieb ging. Im Gegensatz zur Stromerzeugungs- und Seewasser-Osmose-Anlage, verrichtet er seit über 150 Jahren verlässlich seinen Dienst und weisst, zusammen mit dem Leuchtturm Faro de Punta de la Entallada, den Schiffen den direkten Weg nach Puerto de la Luz de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife. Die klassische Seeroute von kontinental Europa führte entlang der afrikanischen Küste und Segelschiffe, die zum richtigen Zeitpunkt nach Westen "abbogen", konnten mit einem Schlag Santa Cruz de Tenerife bei raumen Wind in den Segeln erreichen. Ein wichtiger Faktor in Bezug auf Geschwindigkeit. Von Santa Cruz ging es weiter nach Kuba und Lateinamerika. Die klassische Südroute im atlantischen Dreieckshandel mit Nordost Passat im Rücken und Kanaren Strom unter dem Kiel, der bis nach Mexiko anschiebt. Zurück ging es über die Nordroute den Äquatorial-Wind in die Gegenrichtung nutzend.

Puerto de la Cruz ist ein Ort für Individualisten, in dem 31 Personen gemeldet sind (2018). Bevor 2015 die Inselverwaltung eine neue Pistenmaschine anschaffte, mit der sie die Carretera de Jandía autobahngleich herrichten kann, verirrten sich wenige Touristen in den Ort. Mit Mietwägen, so nicht ausdrücklich vereinbart, dürfen Piste auf Fuerteventura ohnedies nicht befahren werden, auch wenn das jeder macht. Wenige wollten sich vor 2015 das holprige und staubige Vergnügen antun. Das hat sich mittlerweile geändert. War gerade die Pistenmaschine aktiv, fegen viele Mietwagen Hobbyrennfahrer mit 80ig Sachen und mehr über die Piste, obwohl generell 30 Km/h max. auf Fuerteventuras Pisten gilt.

Der Ort Puerto de la Cruz versprüht, obwohl ihn leider immer mehr Touristen heimsuchen, eine Art Anarchie und Freiheit. Nicht nur die eigenartigen leeren Gassen auch die wilde Wohnwagen Siedlung, die mittlerweile auf an die 100 Wägen angewachsen ist, zeigen, hier gelten eigene Regeln. Noch vor zehn Jahren konnte es schon unheimlich werden im Ort Puerto de la Cruz. Bei Dämmerung, ausgestorben, der Wind pfiff um die Ecken und ab und zu wurde der Besucher von einem misstrauisch aus dem Pick-up blickenden Majorero beobachtet. Was der Fremde denn da so treibt interessierte, denn es tat sich ja sonst nichts. Irgendwie hatte der Tourist das Gefühl im Nacken, in einer unsicheren Seeräuber Siedlung gelandet zu sein, in der das Recht eigen ausgelegt wird. Und in der Tat, denn niemand weiss so genau, wem die 100 Wohnwägen gehören. Natürlich stehen alle illegal dort. Viele fanden es eine gute Idee ein zweites Heim zum Fischen in Puerto de la Cruz zu haben. Dazu gesellten sich Aussteiger. Und bis der Tourismusboom nach der Finanzkrise wieder so richtig los brach, interessierte sich das Cabildo der Insel und auch die Guardia Civil nicht dafür, was an abgelegenen Orten so alles getrieben wurde. Es wurde weggeschaut, so lange alles im Rahmen blieb. Bei der Wohnwagen Siedlung in Majanicho ist es nicht anders. Doch die Zeiten sind vorbei. Zu Viele kommen auf die Insel, die gerne ohne Regeln mitmachen wollen. Seit 2018 bemüht sich die Gemeinde Pájara herauszufinden, wem alle diese Wohnwägen gehören und Ordnung in die Sache zu bringen. 2021 arbeitet sie immer noch an dem Projekt.

In Puerto de la Cruz gibt es zwar nichts zu sehen, aber es hat was durch die paar Gassen zu schlendern, zum kleinen Hafen, wo am Wochenende Majoreros sitzen, den Fang begutachten, ihre Boote herrichten. Kinder schwimmen an der Mole, darüber hängt die Mama gerade Wäsche auf. Am kleinen Sandstrand macht es sich eine Señora in der Sonne gemütlich, Einheimische aus Morro Jable kommen, um die angeblich beste Fischsuppe der Insel im Restaurante Punta de Jandía zu essen. Auch wenn alles etwas ärmlich ist, aufgeräumt ist es und die Welt scheint noch in Ordnung zu sein. Es riecht einwenig nach Freiheit und Sorglosigkeit in Puerto de la Cruz. Es muss einfach gespürt, beschrieben werden kann das nur schwer. Für Puerto de la Cruz braucht der Besucher vor allem eines: Einen passenden Zugang zum Leben und viel Zeit.

Das Auto im Ort Puerto de la Cruz stehen zu lassen und zum Leuchtturm Faro de Punta de Jandía zu spazieren, ist keine schlechte Idee. Es geht vorbei an der grossen, massiven und recht versteckt gelegenen Leuchtturm Mole, die wegen der vielen Untiefen recht weit vom Leuchtturm entfernt angelegt werden musste. Trotzdem war das Ansteuern durch die Klippen schwierig und wurde z.B. dem Leuchtturm Versorgungsschiff "Bartolo" in der Morgendämmerung des 7. Septembers 1973 zum Verhängnis. Es lief nahe der Mole auf ein Riff, schlug leck und begann zu sinken. Der Leuchtturmwärter Ricardo Gutiérrez war mit an Bord. Er kehrte aus dem Urlaub zurück und hatte ein neues Motorrad als Fracht dabei, um aus der Einöde auch einmal nach Morro Jable fahren zu können. Er weigerte sich das sinkende Schiff zu verlassen und rief stur den überlieferten Satz: "¡No sin mi moto!". Angetrieben von soviel Stursinn wurde es unter Lebensgefahr aus dem Frachtraum geborgen und zumsammen mit dem "el farero Ricardo Gutiérrez" zur Mole hinüber gerudert. Ausser Motorräder brachten die Versorgungsschiffe auch Proviant für die Leuchtturmwärter und lange Zeit viel Olivenöl, mit dem das Leuchtfeuer betrieben wurde. Am Wochenende ist heute die Leuchtturm Mole beliebte Ecke der Majoreros, um von der Mole aus zu angeln.

Der Sohn eines der ersten Leuchtturmwärter des Sñ Jose Hierro Garrido aus Huelva, Don Manolo Hierro geboren 1893 am Punta de Jandía, wurde ein umtriebiger Mann der Insel. Er erbaute eine der vier Windmühlen von Corralejo, war Bürgermeister von Corralejo und "Telefonwart" des ersten Fernsprechers, welches das Militär in Corralejo 1943 installierte, um Beobachtungen in die Kaserne in "El Charco" in Puerto del Rosario melden zu können. Viel war nicht durchzugeben.

Die Strände Fuerteventuras: Playa los Pozos (Playa los Hornos – Playa de Chica)

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Wann die ersten Fischerhütten gegenüber des Leuchtturms Faro de Punta de Jandía, der 1864 seinen Dienst aufnahm, errichtet wurden, ist nicht bekannt. Auch nicht, wie sie zum Namen Puerto de la Cruz kamen. Die Einheimischen sagen überhaupt nur "Puertito" oder maximal "Puertito de la Cruz" zu der Häuseransammlung. "Puertito", die Verkleinerungsform des Begriffs "Puerto". Auch Puerto de la Cruz blieb nicht von den Ideen des "Don Gustavo" Gustav Winter, Pächter oder Eigentümer, so genau ist das nie klar gewesen, von Jandía verschont. Erst liess Don Gustavo ein Flugfeld neben Puerto de la Curz Anfang der 1940iger anlegen, auf dem aber nie eine Maschine landete oder abhob, da die Militärverwaltung der Kanaren in Zeiten der Militärdiktatur den Betrieb untersagte. Auch die Idee von Gustav Winter aus Puerto de la Cruz einen Sporthafen zu machen, blieb ein völlig absurder Plan. Wird Don Gustavo näher unter die Lupe genommen, bleibt von der Legenden umrankten Person vor allem eines: Ideen und Pläne ohne Ende, umgesetzt von all dem nichts. Den Tourismus erschlossen die Stuttgarter Raul Bükle, Gustav Schütte und Manfred Heneken in Morro Jable für Gustav Winter. Bis auf ein Stück Land und einen Ziegenstall steuerte er nichts bei.

Bis ins Jahr 1994 gab es weder Strom noch Süsswasser in Puerto de la Cruz. Dann machte sich die "El CIEMAT" (Centro de Investigaciones Energéticas, Medioambientales y Tecnológicas), eine Art öffentlich rechtliche Energie, Umwelt und Technologie Zukunftsschmiede der Kanaren, ans Werk und plante, vor allem für die damalige Zeit, ein grossartiges Umweltprojekt: Eine Seewasser-Osmose-Anlage zur Trinkwasser Produktion versorgt vom Strom einer Windkrafteinheit, die auch noch Energie für den gesamten kleinen Ort liefern sollte, samt "depuradora", also Kläranlage. Das erste völlig energie-, wasser- und abwasserautarke Dorf auf den Kanaren sollte Puerto de la Cruz werden. Fantastisch! Die Idee ist gut eine jener von Don Gustavo gewesen zu sein und genau so endete sie auch: Grosse Pläne, keine Umsetzung. Wenigstens wurde die Anlage gebaut, ging aber nie wie geplant in Betrieb. Solide angelegt wurde sie, denn nach über 27 Jahren in dem anspruchsvollen Klima sieht sie immer noch gut aus. Der Windgenerator macht aber keine einzige Umdrehung im heftigen Passatwind. Die Wasseraufbereitungs- und Kläranlage wird jedenfalls genutzt. Der Strom dafür und den kleinen Ort, kommt jedoch ausschliesslich von einem grossen Schiffsdiesel, der in Kombination mit dem Windgenertor arbeiten sollte. Wasser und Strom, samt Fäkalien Entsorgung, stellt die Gemeinde Pájara dem Ort völlig kostenlos, warum auch immer.

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Für wen lohnt der Besuch?

Zu sehen gibt es in Puerto de la Cruz nichts. Also so das Übliche, das Touristen gerne abarbeiten, wie Kirche, Museum, Rathaus und so weiter. In Puerto de la Cruz wird mehr ein Lebensgefühl und eine Lebensart "besichtig", die einem sich treiben lassen im Passat Wind nahe kommt. Das Leben nimmt seinen Lauf, gross ändern kann man ohnedies nichts, es wird das Beste daraus gemacht und das ist gar nicht so schlecht. So könnte das Lebensgefühl vieler Majoreros beschrieben werden.

Der Majorero, eine Mischung aus spanischem "mañana" und dem "ojalá", dem "Morgen" und "hoffentlich", das ist er. In über der Hälfte der Majorero Frauen ist genetisch noch der Ureinwohner nachzuweisen, der Berber aus Nordafrika vom Atlasgebirge. "Ojalá" ist ein Relikt aus dem arabischen, das "inshallah", "wenn Gott will", ins Spanische gebracht.

Besonders am Wochenende, wenn es sich Einheimische am feinen Sandstrand bequem machen, der zwar überaus schmal dafür aber sehr lang ist, wird es besonder interessant in Puerto de la Cruz. Das Leben im kleinen Hafen zu sehen, wenn Boote in Stand gesetzt werden, dazwischen Kinder im Wasser plantschen, das ist eine eigene Welt. Es ist wie Anno dazumal, wie Leben früher, als alles noch irgendwie langsamer und überschaubarer war. Das macht den unscheinbaren Ort Puerto de la Cruz, der nichts zu bieten hat ausser Gefühle und Stimmung, so interessant. Die Majoreros mögen ihn auch und halten ihre kleinen Häuschen adrett in Schuss.

Wer ausprobieren will, ob das Restaurante Punta de Jandía wirklich die beste Fischsuppe von Fuerteventura zubereitet, der sollte natürlich Puerto de la Cruz auch nicht verpassen.

Infrastruktur.

Zwei recht unterschiedliche Gastronomiebetriebe bieten ihre Dienste in Puerto de la Cruz an. Obwohl der Ort doch recht "abgefahren" ist, können beide Betriebe sorglos besucht werden. Urlauber, die das Gefühl haben, der knorrige Wirt im "El Caletón" hege Antipathien gegen seinen Gast, der täuscht sich. Ein sonnengegerbter Fischer, schweigsam und älteren Datums, nicht gewohnt Konversation, vor allem nicht mit Fremden, zu führen, der das erledigt, was ihm der Gast auftrug und nur Dinge bespricht, die unabdingbar sind. Sonst schweigt er. Sein Spanisch zu deuten ist selbst für Kastilier von der Peninsular eine anspruchsvolle Angelegenheit. Darunter litt schon der französischer Mathematiker und Seemann Jean-Charles de Borda in den 1770igern, als er das erste exakte Kartenwerk der kanarischen Insel erstellte und die Majoreros einfach nicht verstand. So kamen viele Orte der Insel kartographisch zu eigenartigen Namen, zum Beispiel der Punta de Pesebre gleich um die Ecke.

Schnell gefunden.

Puerto de la Cruz kann nicht verpasst werden. Oberhalb des Fährhafens von Morro Jable wird auf die Carretera de Jandía abgebogen. Kurz einwenig Asphalt bis zum Friedhof von Morro Jable, dann staubige Piste bis zum Ort. 20 Km sind es. Es sollte nicht zu sehr aufs Gas gedrückt werden, denn die Hobby Rallye Fahrer hat die Guardia Civil zu Recht seit Neuestem im Visier und kann im Nirgendwo mit einer Laserpistole lauern. Auf Pisten gilt "en general" 30 km/h. Die Strafen sind mehr als empfindlich. Alternativ kann Puerto de la Cruz auch mit dem Mountainbike über eine holprige Piste oder als Küstenwanderung in Angriff genommen werden.

Seit 2015 wird Puerto de la Cruz tatsächlich mit einem Linienbus von Thiade Nummer 111 aus Morro Jable bedient. Er fährt den gesamten Ort mit mehreren Haltestellen Nord Süd ab, um dann Richtung Faro de Punta de Jandía und Cofete abzubiegen. Kaum zu glauben ein Bus nach Fahrplan auf staubiger Piste und der ist sogar absolut pünktlich. Der "Chófer" pilotiert den Mercedes Unimog Bus mit kanarischer Gelassenheit. Für Touristen ist der Bus mit 8,75 Euro eine Richtung nicht billig. Residente zahlen 2,50 Euro, der Sozialtarif ist 1,00 Euro.


Punta de Pesebre – Einsame, windige Sonnenuntergänge.

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Punta de Pesebre – einsame, windige Sonnenuntergänge.

Über den Punta de Pesebre wird gerne berichtet, er wäre der kleinste Leuchtturm Europas. Schönheitsfehler, der Punta de Pesebre ist gar kein Leuchtturm sonder ein Hilfsfeuer gleich einem Hafenfeuer. Hingegen können interessante wahre Geschichten über die Klippe und den Ursprung des doch sehr eigenartigen Namens erzählt werden. Das alles und mehr ist unter Punta de Pesebre nachzulesen.

Erfundene Geschichten bräuchte dieser grandiose Ort Fuerteventuras ohnedies nicht. Die Natur erzählt dort jeden Tag einzigartige, immer andere, mal romantisch schöne, mal wild und bedrohliche Geschichten. Urlauber, die dramatische Sonnenuntergänge erleben wollen, einsam und sehr windig samt heftiger Brandung, sollten mindestens einen Sonnenuntergang am Punta de Pesebre erlebt haben. Absolut unvergesslich, garantiert!

Insider Tipp

Einzigartige Wanderung mit ebensolchen Ausblicken – de Punta de Pesebre al Roque del Morro.

Vom Punta de Pesebre kann eine spektakuläre Wanderung über einen alte Hirtensteig zum Strand Playa de Cofete unternommen werden. Vom weissen Messpunkt an der Caleta de la Madera führt eine gut auszumachende Pfadspur entlang der Klippen hinüber bis zum Roque del Morro und dort hinunter an den Playa de Cofete. Über den Strand wird der Ort Cofete erreicht. Die Tour ist als Streckenwanderung mit dem Bus machbar. Die Buslinie 111 von Morro Jable nach Puerto de la Cruz nehmen. Von dort sind dann noch zusätzlich 4 Km bis zum Punta de Pesebre per Pedes zu bewältigen. Zurück geht es von Cofete wieder mit der Buslinie 111 nach Morro Jable. An den Klippen der Caleta de la Madera ist höchste Vorsicht geboten, um nicht abzustürzen. Auch Bergerfahrenen mit sicherem Tritt, kann eine der starken Windböen zum Verhängnis werden und dass kommt nicht allzu selten vor. Von der Klippe in die Bucht hinunter sind es dann 80 m im freien Fall. Damit wären dann ggf. alle weltlichen Probleme erledigt.

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