Campen auf Fuerteventura – was ist erlaubt, wo ist es erlaubt.

Stellplätze und Regeln.

Immer wieder verwechseln Touristen Spanien mit Italien. In Spanien ist nicht alles egal und jeder macht was er will, wie das so in Italien üblich ist. Vieles ist erstaunlich klar geregelt und so es Regeln gibt, werden diese eisern durchgesetzt. Ermahnungen gibt es keine. Es hagelt sofort eine saftige Strafe. Eine Diskussion mit Ordnungskräften, wie das in Deutschland zum Alltag gehört, führt sofort zum Gegenteil, da sie als Autoritätsverletzung angesehen wird. Und da verstehen Spanier keinen Spass. Andere Dinge wiederum sie verblüffender Weise gar nicht geregelt. Da darf dann jeder machen was er will. Zum Beispiel einfach mit der Cross Maschine auf einen Berg rauffahren, was einem Bundesbürger nie in den Sinn kommen würde. Andere Länder, andere Sitten.

Genau geregelt ist hingegen das Campen auf den kanarischen Inseln. Wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist es verboten. Die jeweiligen Cabildos, die Inselregierungen, zählen auf ihren Websites die Orte taxativ auf. Auf der Website des Cabildo de Fuerteventura findet sich die Liste hier. Mit Campingplätzen im Kontinental Europäischen Sinn haben sie nichts zu tun. Meist gibt es nur eine planierte Fläche, selten wird Wasser und Strom gestellt wie z.B. in Pozo Negro, an ausgewählten Plätzen in Nationalparks finden sich auch einfache WC und Duschanlagen wie z.B. im "Parque Rural del Nublo" auf Gran Canaria. 

Generell gibt es drei "Erlaubnisstufen", ob ein Platz genutzt werden darf oder nicht. Die Erste erfordert keine Genehmigung und ist an offiziell ausgewiesene Stellplätze geknüpft. Jedoch darf maximal 7 Tage ohne Unterbrechung gestanden werden. Danach muss der Stellplatz verlassen werden. Die Zweite Stufe ist jene, in der ein Carnet benötigt wird, das auf der jeweiligen Insel das "Medio Ambiente", das Umweltamt, welches immer in der Hauptstadt angesiedelt ist, kostenlos ausstellt. Es beschränkt die Stelldauer auf drei Tage und wird z.B. für die Isla de Lobos, oder den "Parque Rural del Nublo" auf Gran Canaria ausgegeben. Das Cabildo will damit sicher stellen, dass die Camper nicht anonym bleiben, was die Regelkonformität massiv erhöht. Im "Parque Rural del Nublo" oder an Orten wie dem "Parque Castillo de Lara" bei Betancuria ist auch immer ein Parkranger vor Ort. Die dritte Stufe ist der Dauerstellplatz für den Sommerurlaub, der nur an Residente vergeben wird. Alle Stellgenehmigungen sind kostenlos.

Neben den Genehmigungen, die benötig werden, gibt es strenge Regeln, die überprüft und auch eingehalten werden. Offenes Feuer ist verboten, also grillen im Freien, Musik, das abhalten von Parties, Hunde sind am Strand verboten und vieles mehr ist geregelt. Damit keine ganzen Camping Städte entstehen, ist vieler Orts die Anzahl der Fahrzeuge, die gleichzeitig stehen dürfen, beschränkt. Wer glaubt, das kontrolliert ohnedies niemand, täuscht sich. Zuständig ist das Medio Ambiente und die Policia Local, die in Spanien die Funktion des deutschen Ordnungsamtes wahr nimmt. Verstösse werden ohne Diskussion saftig bestraft. Spanische Ordnungshüter führen ein strenges Regiment, keine Musik heisst eben keine Musik. Wer herum diskutieren will, handelt sich weiteren Ärger ein. Das Ganze ist für den Erholungsuchenden Urlauber ein Segen.


Campen als Tourist.

Wer als Tourist campen möchte, kann dies an allen genehmigten Stellen, die kein Carnet erfordern, ohne weitere Formalitäten 7 Tage hindurch tun. Wer dies an Plätzen vor hat, die ein Cranet erfordern, wird innerhalb kürzester Zeit von einem Ranger verscheucht werden. Ausnahmen werden nicht gemacht. Mit einem Wohnwagen an einer Strasse zu halten und zu übernachten oder auf einem Parkpatz, führt ebenfalls zu Ärger, denn das ist nicht erlaubt. Ein Stellplatz ist aufzusuchen. Lediglich die Camper und Van Fahren haben es gut, denn sie können am Strassenrand in Spanien stehen. Hier hat das Gesetz eine Lücke. Um beliebte Strandpromenaden von Campern frei zu halten, die da "nur parken", greifen die Gemeinden zu einem Kunstgriff und verhängen üblicher Weise ein Parkverbot für Caravans zwischen 22:00 und 8:00 Uhr oder ein Fahrverbot wie an der Lagune La Concha bei El Cotillo. Mit Vans wie einem VW Bus tun sich die Gemeinden schwer. Da als PKW zugelassen greift bei ihnen nur ein generelles Parkverbot.


Campen als Residente.

Canarios lieben es, den Sommer am Meer in Buchten mit dem Camper zu verbringen. Meist ist es auch die einzige Urlaubsform, die sie sich mit ihrer Familie leisten können. Den gestalten sie aber deutlich fröhlicher und lebenslustiger als so manch ein Mitteleuropäer mit dicker Geldtasche. Mütter und Kinder, Opas und Omas sind teils mehrere Monate im Camper am Strand. Berufstätige stossen nach der Arbeit am Wochenende oder in ihrem Urlaub dazu. Man besucht sich auch gegenseitig wie in einem Feriendomizil, die Verwandtschaft schaut vorbei, es ist ein lockeres Leben. Es wird geangelt, gegessen, geschlafen, geplaudert, natürlich Bola Canaria gespielt, gesurft und gefaulenzt.
Die Stellplätze sind allesamt gratis und werden im Frühling am jeweiligen Gemeindeamt vergeben. First come first serve – wann es los geht, ist auf der Gemeinde Website zu lesen. Jeder, der eine Residencia besitzt, egal wo er her kommt, hat Anspruch auf einen Platz. Er muss eine Woche nach Vergabe bezogen und durchgängig genutzt werden, sonst verfällt er und wird weiter gegeben. Das erklärt auch, warum sich manche Camper eine Art eigenes "Ressort" mit Duschkabine, Wassertanks u.ä. herrichten. Nach der Vergabezeit ist der Platz wieder komplett zu räumen. An manchen Orten stellt die Gemeinde auch Strom und Wasser so z.B. in Pozo Negro. Auch das ist kostenlos wie auch die Müllsammelstelle, die von der Gemeinde errichtet wird.


Saftige Strafen – "Ley de Costas".

Bei den Küstenlinien, also spanischen Grenzen, haben die autonomen Provinzen nichts zu melden. Das regelt alles eine Behörde in Madrid, die "Costa". Sie ist für alles und jedes zuständig, was die Küstenlinien betrifft. Geregelt ist das im "Ley de Costas". Dort ist sogar festgelegt, wer Surfunterricht geben darf und wer nicht. Vollzogen wird das Gesetz im Ortsgebiet von der Policia Local, ausserhalb von der Guardia Civil. Und ab und zu schauen die Beamten der "Costas" sogar persönlich vorbei, machen Schwerpunkt Aktionen, stehen z.B. plötzlich am Strand von Fuerteventura und kontrollieren die "Surflehrer", ob sie überhaupt eine Lizenz haben. Das kann z.B. auch daran liegen, dass gehäuft Beschwerden eintreffen. Denn die Beschwerdemöglichkeiten in Spanien, samt aufgelegten Formularen, sind keine leere Geschichte. Jeder Beschwerdeführer erhält eine eingeschriebene Antwort auch wenn dies dauert. Also wenn es mal Ärger gibt, Formular nutzen. Es wirkt tatsächlich.

Im "Art. 33.5. Ley de Costas, Artículo 68.1.3 del Reglamento de Costas" ist festgelegt, was einem Caravan Fahrer droht, wenn er sich nicht an die Regeln hält. Wer sich denkt er fährt am einsamen Strand trotz Verbotsschild auf den Sand und verbringt dort einen netten Nachmittag, zahlt so erwischt aktuell 50,- bis 150,- Euro. Das ist für spanische Verhältnisse ein Sozialtarif. Anders sieht es aus, wenn verboten übernachtet wird. Dann wird es teuer. Die Formel lautet Strafe = verstellte Quadratmeter x Tage mal min. 40,- Euro. Heisst ein Tag mit einem Van der 6 x 2,5 m misst mindestens 6 x 2,5 x 40 = 600 Euro Strafe. Mindestens, die gibt es sicher, wer motzt bekommt statt 40 auch 60 in die Formel gesetzt. Steht man einige Tage illegal und wurde dabei beobachtet und hat gar noch ein Vorzelt aufgestellt, dann wird es atemberaubend teuer. Wer meint, er kassiert den Zettel und macht sich von dannen, irrt. Solange die Strafe nicht beglichen wird, geht es mit keiner Fähre von der Insel. Da kennt die spanische Polizei kein Pardon.

Der Tipp: Eisern an die Regeln halten und die Insel geniessen. Abgesehen davon haben Camper am Sandstrand einfach nichts zu suchen. Es gibt unzählige legale Optionen, die bereit gestellt werden. Auch direkt am Strand aber eben nicht auf ihm.

Campen auf Fuerteventura – was ist erlaubt, wo ist es erlaubt.

Camper Image.

Vanlife ist in und alles was in grösseren Horden auftritt, führt schnell einmal zur Verärgerung der Ortsansässigen. Vor allem durch schwarze Schafe, die Müll zurücklassen, Chemietoiletten in die Landschaft kippen, einwenig für die nächste Tankfüllung klauen oder wilde Parties feiern. Generell hat man auf den Kanaren aber kein Image Problem mit dem Camper oder Van, denn es ist die Urlaubsform der Canarios. Sobald der Sommer naht machen sich zehntausende kreuz und quer über die Insel auf den Weg, um in der heissen Zeit des Jahres die herrlichen Strände der Kanaren und den erfrischenden Atlantik zu geniessen.

Kriminalität.

Die Kriminalität war auf Fuerteventura bisher so minimal, dass sie kaum erwähnenswert war. Durch den Tourismusboom kamen viele Glücksritter, den Meisten ging schnell das Geld aus. Zugleich schwappen immer wieder, trotz dichtem Netz der Guardia Civil, Drogen aus Marokko hinüber. Beides führt leider zu einer Kriminalität, die sich in Autoeinbrüchen wieder finden. Heimgesucht werden Parkplätze, an denen länger Autos​​​ unbeobachtet stehen, so z.B. am Wanderparkplatz des Gran Valle auf Jandía. Oder an Parkplätzen an Stränden, zu denen abgestiegen werden muss wie dem Playa de la Escalera, also die Langfinger gut flüchten können. In der Regel wird mit einem Stein die Scheibe eingeschlagen und alles zusammen gerafft was zu finden ist. Werkzeug haben die Kriminellen keine. Was also mit einem Stein nicht zu knacken ist, wie ein eingebauter Safe, ist sicher.

Wo es gefährlich ist, kann jeder leicht prüfen. Liegen am Boden zersplitterte Scheibenreste, sollte der Ort gemieden werden. Da die Kriminalität ansonsten minimalst ist, hat die Polizei auf Fuerteventura Zeit, sich auch solchen Themen zu widmen und legt sich immer wieder auf die Lauer. Irgendwann wird jeder auf der Insel geschnappt. Da die Langfinger mit Quads ins Gelände türmen, hat die Polizei aufgerüstet und ist mit schnellen Quads im Einsatz. Von der Guardia Civil verhaftet zu werden, ist übrigens kein Spass. In der Regel meiden die Kriminellen auch die Standplätze der Majoreros. Irgendwer ist da immer in irgendeinem Wagen.

Wohin mit der Chemie?

Entsorgungsstationen werden auf den Kanaren mit dem üblichen internationalen Zeichen markiert. Allerdings wird der Camper diese kaum einmal zu sehen bekommen. Tankstellen gibt es auf dem dünn besiedelten Fuerteventura ohnedies wenige und noch weniger von diesen haben eine Entsorgungsanlage wie z.B. die DISA Tankstelle, die im Gewerbegebiet Costa Antigua liegt. Sie findet sich an der FV-2 zwischen El Matorral und Caleta de Fuste.

Campen mit dem Wohnmobil ist die beliebteste Urlaubsart der Canarios und so hat das Cabildo das Thema anders gelöst, damit die Chemie nicht im Meer landet. Überall wo gecamped wird, finden sich grosse blaue Tanks, die zur Entleerung dienen. Teils auch direkt in Orten wie beispielsweise in Corralejo am Hafen am grossen Parkplatz des "Pabellón Municipal de Deportes José Perdomo Umpierrez". Anderen Orts sind sie schwer zu finden und nur Ortskundigen bekannt. Die Tanks werden im Boden vergraben und nur der Öffnungsdeckel ragt blau hervor. Da das ganze Thema nicht das Schönste ist, werden sie an Buchten an versteckten Ecken vergraben wie z.B. am Felsentor Arco del Jurado und sind kaum zu finden. Oder sie liegen neben einer Piste wie z.B. jene Entsorgungsstation am Northshore, die zwischen Playa Blanca und Majanicho zu finden oder besser suchen ist.

Um nicht lange suchen zu müssen, fragt man am besten einheimische Camper nach der nächsten Entsorgungsstation. Die üblichen Begriffe sind dafür: "depositos de aguas grises", "depositos de aguas negras" oder "area servicios para autocaravanas". Alle drei Wendungen funktionieren. Eine einheitliche Bezeichnung dafür gibt es nicht. Auf Spanisch würde so eine Frage z.B. lauten: "¿Donde está un deposito de aguas grises mas cerca, por favor?"


Punta Las Salinas – ein Spot so echt wie ein Bully.

Van + Welle – wie in den Pionierzeiten!

Punta Las Salinas – ein Spot so echt wie ein Bully.

Der Traum eines jeden Surfers: Ein einsamer Spot mit einem 1a Break, den er ganz für sich und seine Buddies alleine hat. Frühmorgens aus dem Fenster schielen und wenn die Welle läuft direkt ab ins Wasser. Dass kann der Surfer auf Fuerteventura haben und an einigen dieser ist auch das Campen legal.

So ein Klasse Spot ist der Punta Salinas neben dem herrlichen Kap und dem Leuchtturm Faro de Punta de Jandía. Direkt an der Welle dürfen Camper stehen. Viele sind es nicht. Unter der Woche ist es leer und ist nicht Hochsaison ist man oft der einzige am Spot. Das ändert sich am Wochenende. Dann kommen die Locals mit ihren Vans – sowas muss der Surfer auf Fuerteventura einfach haben. Mehr als fünf sechs Vans, die über Nacht bleiben, werden es aber kaum. Die Stimmung ist cool. Dort lebt der alte Surfspirit.

Insider Tipp

Für Langzeiturlauber – die Sache mit dem Kennzeichen.

Mit einem Problem muss sich jeder rumschlagen, der mehrere Monate auf den Kanaren mit dem Wohnmobil, Van oder Auto unterwegs sein will und ein nicht kanarisches Kennzeichen besitzt, also z.B. auch eines aus Adalusien oder Galicien. Denn die Kanaren sind ZEC (Zone Especial Canaria), eine EU Sonderwirtschaftszone mit enorm geringen Steuern und anderen Vergünstigungen. Daher darf mit einem nicht kanarischen Kennzeichen nur einen Monat auf den Inseln gefahren werden. Wer noch 3 Monate dran hängen möchte muss sich am Verkehrsamt ein grünes Kennzeichen besorgen samt Versicherung. Danach ist Schluss und das Fahrzeug muss die Kanaren verlassen oder importiert werden. Verkehrskontrollen sind allgegenwärtig. Von der Policia Local hat man nichts zu befürchten, denen ist das egal. Die Gefahr lauert Überland in Form der Guardia Civil Tráfico. Die fühlt dem Fahrer auf den Zahn. Mit einer Fährbuchung ist man nicht zufrieden, denn die kann umgebucht werden. Man möchte eine "tarjeta de embarque" sehen. Die Guardia Civil Tráfico hat überraschender Weise damit begonnen, diesbezüglich mit Touristen einwenig nachsichtiger umzugehen, da der Sachverhalt den wenigsten bewusst ist. Auf die frühere Praxis beim Verlassen der Fähre eine satte Kaution einzuheben, wird auch seit geraumer Zeit von der Guardia Civil verzichtet. Das ist aber Kulanz dem Tourismusboom zuliebe.

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