Die Entstehung von Fuerteventura.

In 3 Schritten baut Mutter Natur die Sonneninsel Fuerteventura!

Wie die Kanaren genau entstanden, darüber streiten sich die Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen immer noch. Auch über das genau Alter. Die einen legen ein paar Millionen drauf, die anderen ziehen wieder ab. Nur über zwei Sache herrscht Einigkeit. Die erste, Fuerteventura ist mit Abstand die älteste Insel des Archipels, die zweite Sache, die Kanaren sind Teil der atlantischen Platte und nicht wie früher oft behauptet Teil Afrikas. Das käme Ländern wie Marokko sehr gelegen, denn das Archipel sitzt auf Erdöl-, Gas- und Rohstoffquellen. Die Nasa Karte (s.u.) zeigt auch für den Laien klar ersichtlich, die Kanaren liegen am Rand der atlantischen Platte und diese lies sie auch entstehen. Beim Alter wiederum streitet sich die Wissenschaft und das sind die Richtwerte, die plus-minus jeder Wissenschaftler akzeptiert: Fuerteventura 20 mio., Lanzarote 16 mio., Gran Canaria 14 mio., Teneriffa 12 mio., La Gomera 10 mio., La Palma max. 2 mio. und El Hierro max. 2 mio. Jahre. Fuerteventura und Lanzarote waren bei der Entstehung Lanzarotes ein Teil, durch Hebungen und Senkungen werden sie heute von der Meerenge "La Bocaina" (auch "La Bocayna") getrennt, die im Schnitt 20 m tief ist, an der tiefsten Stelle nur 30 m. Die Isla de Lobos ist Teil Fuerteventuras, besteht sie doch aus der Lava des Vulkanes Bayuyo bei Corralejo und ist nur lächerliche 50 tsd. Jahre alt. Heute trennt die Meerenge "El Río" Fuerteventura und die Isla de Lobos, die kaum 5 Meter Tiefe erreicht und erst vor 5 tsd. Jahren, am Ende der letzten Eiszeit, überschwemmt wurde. Beide Meerengen, also "La Bocaina" und "El Río", können jedes Jahr bei einem Schwimmwettbewerb durchschwommen werden. Die Seestrasse "La Bocaina" wird auf Grund der vielen Untiefen und Strömungen auch heute noch von grossen Schiffen gefürchtet und gemieden. Den sicheren Weg durch die Meerenge leitet nachts ein System aus drei Leuchtfeuern: Faro de Tostón bei El Cotillo, Faro Martiño auf der Isla de Lobos und der Faro de Punta Pechiguera auf Lanzarote.


1. Akt – die Schildvulkane.

Das Fundament, auf dem Fuerteventura gebaut ist, sind drei Schildvulkane, die unter Wasser liegen. Schildvulkane finden sich an Hotspots wie Hawaii oder an Risskanten von Platten. Letzteres ist für Fuerteventura der Fall, denn das kanarische Archipel liegt am äussersten östlichen Rand der Atlantischen Platte, da, wo beim Kontinentaldrift sich die Atlantische von der Afrikanischen Platte löste. Aus Schildvulkanen fliesst extrem heisse, dünnflüssige Lava. Diese baute ein solides Fundament für die Sonneninsel.


2. Akt – Kontinentaldrift + tektonische Hebungen.

Die Sockel der Schildvulkane lagen Millionen Jahre unter der Wasseroberfläche und wurden durch mehrere tektonische Hebungen erhöht. Das Wasser schliff die ausgetreten Lava schön rund, dicke Sedimentschichten aus Sand, Schlick, Muschelkalk und Algen bildeten sich. Das erklärt die "lieblichen" runden und sanften Hügelketten Fuerteventuras. Alles, was also richtig schön rund und weich ist, ist alt, Blocklava Erhebungen jung. Die kamen erst später.


3. Akt – Hot Spots + Vulkane.

Durch mehrere Hebungen durch den Kontinentaldrift, kamen die ersten Teile Fuerteventuras langsam aus dem Wasser heraus. Dann setzte der letzte Bauabschnitt von Fuerteventura vor rund 5 mio. Jahren ein, der bis heute andauert. Die "Hotspot" Theorie geht davon aus, dass sich durch die Hebungen Risse und dünne Stellen in der Erdplatte bildeten, durch die Lava "durchbrannte". Es kam zu Vulkanausbrüchen, wobei die meisten auf Fuerteventura non eruptiv waren. Sogenannte "ʻAʻā-Lava", der Name stammt aus der hawaiischen Sprache, im Deutschen auch Brockenlava oder Blocklave, entstand. Das ist langsam und zäh fliessende Lava, die durch den langsamen Fluss eine Kruste bildet, die immer wieder zerbricht. Es bleiben unregelmässig geformte, scharfkantige, zackige Brocken und Schollen zurück, wie man sie überall an der Westküste von Fuerteventura sehen kann.
Der Prozess des Vulkanismus dauert an. Die letzten Vulkanausbrüche auf Fuerteventura fanden vor 50 tsd. Jahren statt und zwar im Norden der Insel und vergrösserten sie um 110 Km2. Die Vulkankette zwischen Lajares und Corralejo brach aus, der Montaña Colorado und Calderón Hondo sogar für Fuerteventura untypisch eruptiv. Der Vulkan Bayuyo ergoss sich ins Meer und formte die Isla de Lobos. Die beiden Vulkane Montaña de los Saltos bei Villaverde und Montaña de la Arena bei La Oliva brachen ebenfalls aus. Besonders ergiebig der Montaña de la Arena. Er formte das grosse Lavafeld Malpais de la Arena, dass sich bei El Cotillo ins Meer ergoss. Die Lavaklippen an der Lagune La Concha oder jene im Ort von El Cotillo stammen von diesem Ausbruch, der vor 50 tsd. Jahren stattfand. In Geologen Zeitrechnung also gerade eben in diesem Moment.


Diese drei Bauphasen von Fuerteventura formten ein System aus Lava und Sediment Lagen. Am schönsten kann man es an den Klippen von Ajuy besichtigen, wo die Einzeilen Lagen auch mit Schautafeln erklärt sind. Aus dem Muschelkalk der dicken Sedimentlage wurde bis in die Mitte des 20. Jhd. Kalk gebrannt. Die Klippen von Ajuy gelten als der geologisch älteste Teil des kanarischen Archipels, das über Wasser liegt. Wer mehr über die Geologie von Fuerteventura erfahren will, der kann das tatsächlich im Käsemuseum Museo del Queso Majorero in Antigua oder am Morro Velosa nahe Betancuria. Auch ein Blick zu den Buchtipps lohnt.

Von Wasser geschliffene Sedimentschichten am Roque del Moro.

Der Vulkanismus der Kanaren – es brodelt immer noch.

Die Nachbarinsel Lanzarote ist vulkanisch noch recht aktiv. Normalerweise besuchen Touristen den sehenswerten Timanfaya Nationalpark mit den Montañas del Fuego. Als Touristenattraktion wird in Lavalöcher Wasser geschüttet, der kurz danach als heisse Fontäne wieder ausgespien wird. Das zeigt, wie frisch der Vulkanismus auf Lanzarote ist. Das Lavafeld bildete sich erst bei Eruptionen zwischen 1730 und 1736. Vielen Bewohner flüchteten nach Fuerteventura, jene die blieben, stellten der anrollenden Lava ihre Marienstatue entgegen. Die Lava stoppte vor der Statue und den beiden Orten Tajaste und Tinajo und verschonte sie. An jener Stelle wurde eine Kapelle zu Ehren der "Virgen de los Volcanes" errichtet, wie sie ab dann genannt wurde. 1824 meldeten sich die Vulkane noch einmal, Lava rollte wieder an und stoppte kurz vor der Kapelle. Die Bewohner glauben auch heute noch fest an eine göttliche Gnade. In der Vulkangegend trainiert übrigens recht öffentlichkeitsscheu die NASA für die anstehende Mars Mission. Die topografischen Verhältnisse sind jenen des Mars angeblich sehr ähnlich.

Aber auch auf anderen Insel meldeten und melden sich immer wieder Vulkane zurück. 1909 brach der Chinyero im Teide Nationalpark auf Teneriffa aus und hinterliess ein mächtiges Lavafeld. Ein Wanderpfad führt durch die Blocklava. Es kann wunderbar beobachtet werden, wie sich nach und nach die Natur wieder auf der so tot wirkenden Lava breit macht. Kanarische Kiefer besiedelt das Gebiet schon wieder mit kleinen Wäldchen, tiefrote Natternköpfe (Echium wildpretii) ragen fotogen gegen den tiefblauen Himmel. Ganz ohne menschliches Zutun. 1971 brodelte es auf La Palma. Der Vulkan Teneguia wurde aktiv und ergoss drei Wochen lang einen Lavastrom in den Atlantik.

Das jüngste vulkanische Ereignis fand 2011 vor dem Fischerdorf La Restinga auf El Hierro am Tagoro statt. Der Vulkankrater "Volcán Tagoro" liegt unter Wasser. Sein Fuss in einer Meerestiefe von 400 m, darüber baut sich der Vulkan 312 m auf, liegt also 88 m unter der Meeresoberfläche. Der Vulkan blähte sich auf, Warnstufe Gelb wurde gegeben, da eine Eruption befürchtet wurde. Die Bewohner von La Restinga mussten mehrmals evakuiert werden. Von Oktober 2011 bis März 2012 floss Lava aus dem Vulkankegel. Optisch ein schönes Spektakel, fotogen auch noch, das Wasser an der Meeresoberfläche erhitzte sich auf 39 Grad. Ein deutsches Spezial U-Boot hatte unter Wasser alles im Blick. In der Luft kreisten immer wieder Hubschrauber der Guardia Civil über dem Tagoro. Einige Videoaufnahmen fanden den Weg zu YouTube. Die ersten Aufzeichnungen, dass sich der Tagoro mit Lava wieder zu Wort melden wird, stammen aus dem Jahr 1802 und 1803.

Wenigen Touristen ist der aktive Vulkanismus, der auf den Kanaren herrscht, wirklich bewusst, wenn sie das Archipel besuchen. Erfahren sie davon, sind einige etwas erschrocken und fragen Einheimische, ob sie keine Angst hätten. Und obwohl fast täglich irgendwo auf dem kanarischen Archipel die Erde bebt, sind Vulkanausbrüche und Erdbeben gar nicht am Radar der Insulaner. Es interessiert einfach nicht. Jahrhunderte von der lateinamerikanischen Lebensweise "infiziert", nimmt man es wie es ist. Warum sich den Tag mit Dingen verderben, die man ohnedies nicht beeinflussen kann und sich das Leben auf dem traumhaft schönen Archipel verderben lassen. "¡EL hombre anda, los dios manda!", wie man in Lateinamerika sagt, was sinngemäss bedeutet "Der Mensch denkt und Gott lenkt!".

Ein Verzeichnis der 24 Vulkane von Fuerteventura samt GPS Position kann hier geladen werde.

Blick vom Vulkan Calderón Hondo Richtung Isla de Lobos.

Roque del Moro – ein Paradies für Geologen.

Roque del Moro – ein Paradies für Geologen.

Das ganze Programm  – Sedimente und Lava.

Zum Roque del Moro im Südwesten von Fuerteventura zu wandern ist ein vereinnahmendes Erlebnis. Der Kilometerlange, einsame Sandstrand von Cofete, die massive Atlantik Brandung, die Wildheit der Natur sind Balsam für die Seele und motivieren zur inneren Einkehr. Ein Naturerlebnis der besonderen Art.

Für Geologen oder solche die Interesse am Ursprung von Fuerteventura haben, ist es überdies ein schönes Erkundungsgebiet, denn die Ecke zieht alle Register. An den Klippen sind Sedimentschichten zu finden, teils wie ein Kunstwerk als farbige Schichten vom Wasser blank poliert, versteinerter Sand mit bizarren Formen, dann wieder Lavaschichten. Manche mit intensiv roten Adern, Eisen, das oxidiert, andere mit grünen, eingelagerte Olivin Strängen. Am Ziel erwartet den Wanderer der Roque del Moro. Als tiefschwarzer Zacken ragt er aus dem Meer heraus. Bei Ebbe, Niedrigwasser und sanfter Brandung, kann bis an seinen Fuss gegangen werden. Läuft Flut oder Brandung auf, wird es lebensgefährlich. Die Brandung tobt an ihm.

Insider Tipp

"Klangsteine" – Musik machen wie die Majoreros.

Unbewiesen wird teils behauptet, die Ureinwohner hätten Musik mit "Klangsteinen" gemacht. Von Musik zu sprechen ist vielleicht übertrieben, mehr Töne erzeugt so denn. Das könnte gut sein, denn der Phonolith (griech. Klangstein) ist auf den Kanaren zu finden, teils in grossen Mengen. Zum Beispiel ist der bizarre Felsturm "Roque de Agando" auf La Gomera vollständig aus Phonolith gebildet. An ihm wurde auch eine Kultstätte der Gomeros gefunden.
Phonolith ist ein vulkanisches Gestein von grünlicher bis grauer Farbe. Auf den Kanaren ist es grau gefärbt. Schlägt man zwei Phonolith Steine aneinander, entsteht überraschend ein heller, metallischer Klang. Das rührt daher, das Phonolith mehr oder weniger "Gesteinsglas" enthält, also Verglasungen, die nur bei extrem hoher Hitze entstehen. Auch am Roque del Moro auf Fuerteventura ist Phonolith zu finden. In Deutschland kommt er ebenfalls vor z.B. in der Röhn, Eifel, Kaiserstuhl oder im Erzgebirge.

Digital Tectonic Activity Map of the Earth by NASA.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie und Entstehung Fuerteventuras.Geologie Fuerteventura – vulkanische "Klangsteine" die angeblich von den Ureinwohnern genutzt wurden.