Cofete – ein Ort wie Sehnsucht.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Cofete, nach den Casas de Jacomar, wohl die entlegenste Ansiedlung auf Fuerteventura, in der tatsächlich noch Menschen leben. Zwar meist nur am Wochenende oder in den Sommermonaten, aber immerhin. Viele fantastische Geschichten ranken sich um Cofete, die allesamt Unsinn sind. Der gesamte Unfug gipfelt in den lächerlichen Geschichten um die Villa Winter, die manche Menschen sogar besichtigen. Wohlgemerkt einen Rohbau gegen Eintritt besichtigen, in dem es absolut nichts zu sehen gibt. Cofete ist eine Ansiedlung von Fischerhäusern, in denen Menschen versuchten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Blickt man zu den Hängen hinauf, können noch Gavias ausgemacht werden, in denen Landwirtschaft betrieben wurde. Wasser gab es durch die aufgestauten Passatwolken, sie sich am Bergkamm fangen, genug. Auch sind an den Hängen einige kleine Stollen auszumachen. Auch das ist nichts Geheimnisvolles. Kleine Stollen, die in den Berg getrieben wurden, um das Sickerwasser abzuleiten. So, wie an der Ermita el Tanquito oder an der Fuente de Tababaire auch. An den Gehöften zeugt ein alter Kalkofen davon, dass auch Kalk gebrannt wurde. Ziegen wurden auch wie überall gehalten. Heute gibt es in Cofete oberhalb des Playa de Barolvento noch eine einsame Ziegenfarm.

Der Friedhof am Strand, um den so viele Fantasiegeschichten spinnen, ist auch nichts besonderes. Auch in Cofete starben Menschen und da Christenmenschen ihre Toten nur in Form von Seeleuten ins Meer werfen, mussten die Verstorbenen von Cofete logischer Weise irgendwo beerdigt werden. Eine Brandbestattung ist im strengen katholischen Glauben Sünde und verboten, so blieb nur das Eingraben.

Der denkende Mensch sollte sich, so er Cofete besucht, von dem ganzen Unsinn befreien, der ihm in Reiseführern und sensationsgeilen Websites über Cofete erzählt wird und seine Zeit und sein Geld nicht damit verschwenden, einen Rohbau des Don Gustavo Winter zu besichtigen. Wer das tut, verschwendet seine Lebenszeit. Cofete ist grandios, fantastisch, vereinnahmen, aufwühlend. Nicht durch alberne Geschichten, sondern durch die Natur. Es wird kaum ein vergleichbarer Ort weltweit gefunden. Schon die Anfahrt, so mit dem Auto über die Piste kommt und nicht zu Fuss über den historischen Pfad aus La Pared, was auch keine schlechte Idee wäre, ist fantastisch. Am Scheitel der Piste, am Degollada de Agua Oveja (259 m), eröffnet sich mit einem Schlag ein atemberaubender Blick über die Küstenlinie von Cofete. Es stürmt, der Wind trägt das Tosen der Brandung bis hinauf zum Pass. Ist man in Cofete und dann am Strand, wird jedem Besucher eindringlich der eigene Stellenwert des Seins auf dieser Welt vorgeführt. Nach Westen unendlich scheinendes Wasser, das in schweren Wellen anrollt, im Rücken ein massiver Bergkamm, nach Süden blickend 6 Km Sandstrand, der Playa de Cofete, nach Norden blickend 6 Km Sandstrand, der Playa de Barlovento. Klein, steht der Einzelne am Strand. Der geistreiche Mensch stellt sich unweigerlich innerlich die Frage nach der eigenen Bedeutung. Das ist Cofete. Schön und wild und es stellt Fragen.

Im Süden der bizarre Felsen Roque del Moro, ein Lavazinken, der dem Atlantik trotzt, im Norden die einzigartige winzige Felseninsel Islote de Cofete, die, wenn das Meer mal ruhig ist, von türkisfarbenem Wasser umspült wird, das auf feinsten Sand plätschert. Paradiesisch. Einsam ist es, Freiheit weht um die Nase, weit, faszinierend, dieser Ort Cofete und seine Strände. Baden, zu gefährlich, Sonnen ja, wenn man den Wind ab kann, Strandspaziergänge, unbedingt. Einfach herrlich, unvergesslich, Spaziergänge die zu Sehnsuchtsorten werden. Nicht umsonst drehte Ridley Scott in Cofete die Schlüsselszenen des Hollywood Blockbuster "Exodus". Wer in so einem Umfeld noch infantile und sensationslüsterne Nazi U-Boot Geschichten braucht, den kann man nur noch für seine Einfältigkeit bemitleiden. In Cofete gibt die Natur den Ton an, massiv, aufwühlend und einfach mitreissend schön. Was für ein Ort!

Die Strände Fuerteventuras: Playa los Pozos (Playa los Hornos – Playa de Chica)

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Wenig ist über die Häuser von Cofete bekannt, wann sie entstanden, wer sie baute. Fischerhäuser, wie oft geschrieben, waren und sind sie keinesfalls, denn der seichte Sandstrand ist wohl einer der schlechtesten Fischgründe der Insel überhaupt. Selbst die Grundbesitz Verhältnisse sind bis heute umstritten und so klagt aktuell ein Nachfahre des Gustav Winter um das Land rund um die Villa Winter und das Gebäude selber. Ernst zu nehmend wird diskutiert, Cofete sei die erste Ansiedlung auf der Halbinsel Jandía gewesen, denn es ist enorm wasserreich. Das ganze Jahr, jeden Tag stauen sich an den Berghängen die Passatwolken und bringen Feuchtigkeit. So hat Cofete die wenigsten Sonnenstunden auf Fuerteventura. Wenig für die Verhältnisse der Sonneninsel. 2.500 Stunden sind es im Jahr immer noch. Auch die Majoreros hatten schon eine Siedlung über den Stränden von Cofete, nahe des Mirador de los Canarios im nördlichen Nachbar Barranco an einer Quelle. Der Wanderweg GR-131, der Nord- und Südspitze von Fuerteventura verbindet, führt an der Ureinwohner Siedlung vorbei, wenn vom Playa de mal Nombre aufgestiegen wird. Erst später sollen die ersten Siedler auf Jandía von Cofete nach Morro Jable übersiedelt sein.

Das erste Mal dokumentiert tritt Cofete im "Diccionario Geográfico-Estadístico" von Madoz 1845 und später in jenem von Pedro de Olive 1860 in Erscheinung, jedoch "Cojete" geschrieben. Es wird von "... 7 edificios de un piso y 24 chozas y habitados por 19 v., 67 almas y 9 inhabitados .." berichtet, also 7 eingeschössigen Häusern, 24 Bruchbuden von denen 19 von 67 Seelen bewohnt seien und 9 leer ständen. Also eine ziemliche Ansiedelung. Es wird auch berichtet, dass man dort von der Orchilla Färberflechte leben würde und von der Rinderzucht und da Cofete auch so entfernt und unkontrolliert sei, keine Steuern an den Lehnsherren Saavedra in Lanzarote entrichtet würden. Bis Gustav Winter in Cofete aktiv wurde, dürfte der beschriebene Zustand angehalten haben. Einige Quellen berichten das Winter, der neue Pächter, die Einwohner Cofetes mit recht rigorosen Auflagen belegte, was immer das gewesen sein mag, sodass sie Cofete verliessen. Ein angenehmer Zeitgenosse war er wohl nicht, denn die Bewohner hatten wohl kaum eine grosse Alternative anderswo ihr Glück zu suchen. Näheres ist nicht dokumentiert, da wohl kaum jemand der Betroffenen schreiben konnte. Wie kirchliche Quellen berichten, machte der Geistliche, der in Morro Jable sich um das Seelenheil der Bewohner kümmerte, anstanden, den Menschen das Lesen und Schreiben beizubringen. Als diese dem Bischof von Las Palmas zu Ohren kam, verbot er in einem Dekret höchst persönlich, dem gemeinen Volke auf Fuerteventura lesen und schreiben beizubringen. Die katholische Kirche war sehr darauf bedacht, die Menschen dumm zu halten. Auf Fuerteventura waren sie ohnedies Leibeigene des Lehnsherren von Lanzarote, La Gomera, El Hierro und Fuerteventura und sollten einfach nur auf den Feldern schuften.

Der erste angelegte Weg nach Jandía wurde erst 1946 bis 1948 als Weg "Camino de los presos" ("Weg der Strafgefangenen") angelegt. Strafgefangene der spanischen Militärdiktatur mussten ihn errichten. Bis zu diesem Zeitpunkt zogen Maultier- und Kamelkarawanen über die Insel. Man mag es nicht glauben, aber es war tatsächlich so. Wenige Fotos dokumentieren das. Bestätigt ist es nicht, aber angeblich wurde der Weg auf bitten des Don Gustavo Winter von den politisch Gefangenen angelegt. Winter pflegte eine nachweisbar gute Beziehung zum Militärregime und kehrte genau im Jahre 1946, nach dem WK II, auf die Insel zurück. Niemand ausser ihm hätte den Weg in die Wildniss benötigt. Der "Camino de los presos" der auch "Camino de Cal" genannt wird, da er in sandigen Passagen mit Kalkplatten gepflastert wurde, ist wohl recht wahrscheinlich Winter zuzuschreiben.

Das Weidegebiet auf Jandía ist eine Allmende, so wie es sie in Bayern, Österreich oder der Schweiz auch noch existiert. Land, das von der Allgemeinheit bewirtschaftet wird. Es gehört niemanden aber allen. Angeblich war Jandía schon zu den Majorero Zeiten eine Allmende auf die man von allen Ecken der Insel das Vieh trieb, wenn es nichts mehr zu fressen gab. Das hat sich bis heute so gehalten und wird auch noch derart praktiziert. Der Sommertourist kann sich das kaum vorstellen, aber wer nach der Regenzeit Jandía besucht, wird verblüfft eine grüne Halbinsel vorfinden. Jedes Jahr Mitte Juli, der genau Termin wird in den lokalen Medien angekündigt, findet festlich die "La Apañada de Cofete" statt. Der "Viehauftrieb", an dem die halbwilden Ziegen zusammen getrieben werden, ihren Besitzer übergeben werden, Nachwuchs aufgeteilt und gebrandmarkt wird. Ein grosses Ereignis für die Ziegenbauern. Derzeit lebt nur noch ein Ziegenbauer fix auf Jandía und das nahe Cofete. Spaziert man einen Kilometer den Strand von Cofete nach Norden, oder nimmt die sandige Piste, für die ein Offroader benötigt wird, dann wird auf ein wild zusammengehämmertes Gehöft aus Treibgut und sonstigem Material gestossen. Dort wohnt der Ziegenfarmer von Cofete sein einsames Leben. Jeden Abend sieht man ihn in seinem Toyota Pick-up mit dem Hirtenhund auf der Ladefläche, wie er die Piste entlang des Bergmassivs entlang fährt, um verloren gegangene Ziegen zu suchen und einzufangen. Ein knorriger Mann, der aber einen freundlichen Gruss ebenso erwidert.

Nicht nur Ziegen leben am Playa de Cofete und Playa de Barlovento. Auch die fast ausgestorbene unechte Karrettschildkröte hat ihr zu Hause an den Stränden von Cofete. Sie kommt dort an Land und legt ihre Eier. Bis Ende des 19. Jhd. sammelte man die Eier ein, um sie zu essen. Konnte man eine der Schildkröten schnappen, immerhin bis zu 1,2 m lang und bis zu 110 Kg schwer, landeten sie im Suppentopf. Was man nicht selber aufass, liess sich in der Zeit, bevor die chemische Industrie begann alles synthetisch herzustellen, gut an die Kosmetik- und Pharmaindustrie verkaufen. Vieles der Karrettschildkröte wurde als Heilmittel gedeutet, ihr Fett wurde gerne für Cremen und Salben verwendet. Alles war verwertbar. Der Panzer, das Schildpatt, wurde für Schmuck und alle möglichen anderen Utensilien wie Kämme verwendet. Eine wahre Schande. Derzeit werden intensive Anstrengungen unternommen, die unechte Karrettschildkröte wieder anzusiedeln. Eier werden von den Kapverdischen Inseln nach Cofete gebracht und dort im Sand vergraben, bis die Jungtiere schlüpfen. Die Zonen werden abgesperrt und bewacht. Nach dem Schlüpfen werden die jungen Schildkröten im Hafen von Morro Jable in einfachen Tanks aufgepäppelt und dann in Cofete am Strand in die Freiheit entlassen. Der Hintergrund: Karrettschildkröte merken sich den Strand, an dem sie das Licht der Welt erblickten und kehren zum Eier legen an diesen zurück. Die Aufzuchtstation kann in Morro Jable besichtig werden. Zu sehen gibt es nichts, einfache Tanks, man hat kein Geld. Es ist kein Zoo. Wer vorbei kommt und ein paar Euro spendet, tut Gutes. Sich auf Google Maps über die dürftige Darbietung auszulassen, hilft den ehrenamtlichen Helfern nicht, dem Bestand der Karrettschildkröte schon gar nicht. Wer das tut bezeugt damit nur eines, ein dummer Idiot zu sein.

Höhepunkt des kulturellen Lebens in Cofete ist die Noche des San Juan. Wer am 24. Juni auf Fuerteventura ist und eine ungemein stimmungsvolle Johannisnacht erleben will, die im garantiert als Erlebnis lange im Gedächtnis bleiben wird, sollte die Prozession, die Musik, den Tanz und das Feuer am Playa de Cofete erleben. Touristen verirren sich wenige in diese Einsamkeit.

Die Strände Fuerteventuras: Playa los Pozos (Playa los Hornos – Playa de Chica)

Für wen lohnt der Besuch?

Cofete ist atemberaubend, einzigartig. Die gesamte Szenerie aus 12 Km langem Strand, massiver Bergkette, davor der tosende Atlantik ist so vereinnahmend, dass sich niemand der Faszination dieses Ortes entziehen kann. Selbst die emotionslosesten Menschen merken, das hier ist etwas besonderes. Spirituelle Menschen bezeichnen Cofete als "Kraftort", was immer das auch sein mag. Der rationale, aufgeklärte Mensch erlebt dort die Naturgewalten, erlebt Physik live am Objekt. Wassermassen, oft meterhohe Wellen, die an den Strand schlagen, dazu immer ein scharfer Nordost Passat, Wolken die rasant über die Himmel treiben und sich an den Bergketten verfangen und öfter aus "heiterem Himmel" abregnen. Das ist Energie pur, die in Cofete tobt, zusammen kommt. Überall entlädt sich kinetische Energie. Wer will, sagt dann auch einfach "Kraftort" dazu.

Infrastruktur.

Cofete ist Natur pur. Das es seit Sommer 2015 mit einem Linienbus erschlossen wird, ist fast schon des Luxus zuviel. Ein Restaurant bietet sich auch an. Muss nicht sein.

Schnell gefunden.

Mit dem Auto siehe Playas de Cofete.

Seit Sommer 2015 wird Jandía mit einem Mercedes Unimog Bus erschlossen, der auch bei schlimmsten Unwetter noch sicher über die Piste nach Cofete kommen würde, ja ganz Afrika durchqueren könnte. Er vermittelt jedenfalls Abenteuer Feeling. Einfach weg sehen, wenn der Busreisende auf der Piste von einem Fiat Panda zügig überholt wird. So bleibt einem das Flair, etwas richtig Wildes zu unternehmen. Der Bus ist ziemlich kostspielig. Verwendet man ihn nicht als Transportmittel, um die schöne Wanderung durch das Gran Valle nach Cofete als Streckenwanderung zu unternehmen und dann mit dem Bus zum Auto zurück zu kehren, ist ein Mietwagen preiswerter. Der Einheitstarif beträgt satte 8,75 Euro eine Richtung, Residente zahlen 2,50 Euro, der Sozialtarif 1,00 Euro. Der Bus startet an der Bushaltestelle in Morro Jable, die recht schwer auszumachen ist. Sie liegt nahe des ersten nördlichen Kreisverkehrs von Morro Jable. Dann geht es zum Busterminal und als nächstes wird für die Wanderer am Gran Valle angehalten. Weiter nach Cofete und bis zum Faro de Punta de Jandía. Wer ihn nicht als Wanderbus nutzt, sollte ihn als preisgünstig geführte Tour über die einsame Halbinsel sehen, bei der entspannt aus dem Fenster geblickt werden kann. Er ist auch eine Alternative für Flachländer, welche sich immer wieder vor der ausgesetzten, kurvigen und engen Piste, die nach Cofete über den Degollada de Agua Oveja (259 m) führt, fürchten.


Cofete im Überblick – zum Mirador de los Canarios.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Cofete im Überblick – zum Mirador de los Canarios.

Zwar bietet der Degollada de Agua Oveja (259 m), der bei der Fahrt nach Cofete unweigerlich passiert wird, einen grandiosen Ausblick, aber kaum zu glauben, es geht noch eine Nummer besser. Wer mit dem Auto vom schönen Strand Playa de mal Nombre die Piste hinauf zum Mirador de los Canarios (340 m) nimmt, bekommt ganz grosses Kino geboten! Breitwand in echt.

Der Mirador liegt fast direkt über der Islote de Cofete, der Trennung zwischen Playa de Cofete und Playa de Barlovento. So werden beide Strandteile voll eingesehen und erst dort oben erschliesst sich einem die enorme Dimension des 12 Km langen Sandstrandes. Der Nordost Passat fegt durch das Nadelöhr am Aussichtspunkt, sodass auch im Hochsommer eine Windjacke angesagt ist. Wer "trittsicher ist", findet einen alten Hirtensteig, über den die 260 Höhenmeter zum Strand abgestiegen werden kann.

Insider Tipp

24. Juni Noche de San Juan – die Johannisnacht am Playa de Cofete.

Die Noche de San Juan ist ein Festtag, der in Spanien kulturell wie spirituell aufgeladen ist. Zwar werden auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz Johannisfeuer entzündet, aber in Spanien ist das nur ein Teil. Eine Prozession mit der Schutzpatronin des Dorfes samt Musik und Tanz gehört auch dazu. Ein spezieller Likör, der Licor de Nueces de San Juan, wird angesetzt und ist zu Weihnachten trinkfertig und vieles mehr geschieht in dieser Nacht. Wer das besonders eindrucksvoll erleben will, garantiert so, dass er es als bleibendes Ereignis mit sich trägt, der sollte die Noche de San Juan in Cofete verbringen!

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