Casillas del Ángel – verschlafenes Dorf mit interessanten Facetten.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Casillas del Ángel (239 m) ist ein von Landwirtschaft geprägter Ort, der in einem sehr fruchtbaren und wasserreichen Tal liegt. Im Norden erhebt sich eine fotogene Bergkette aus, von West nach Ost, Pico de Fortaleza (601 m), Morro Bermejo (624 m), Morro de la Galera (516 m) und Morro de la Tatalaya (563 m). An Tagen mit tieffliegenden Passatwolken, ziehen die Wolken filmreif an der Bergkette vorbei, streifen sie, einige bleiben hängen und regnen ab. Daher fliessen von der Bergkette zahlreiche Quellen nach Casillas del Ángel hinunter und tragen zur Fruchtbarkeit des Tales bei. An der Südseite begrenzen der Montaña del Campo (545 m) und Morro de las Tinajas (547 m) das Tal. Westlich des Montaña del Campo führt die sie Bundesstrasse auf einen kleinen "Pass" hinauf, an dem La Ampuyenta liegt und über den es hinüber ins Valle de Santa Inés geht. Der kleine Pass trägt den Namen "Vista de Casillas del Ángel". In der Tat, der Aussicht von dort auf die Ebene ist sehenswert.

Die gesamte Landschaft erwächst erst an feuchten Passat Tagen zu ihrer gesamten, spektakulären Schönheit. Zum Greifen nahe fliegen die Wolken vorbei. Wanderer, die auf einen der Berghänge steigen, stehen in stetig wechselndem Takt weniger Minuten erst in einer Waschküche, in der sie die Hand vor den Augen nicht mehr sehen können, um sich kurz darauf unter stahlblauem Himmel wiederzufinden. Über den gesamten Höhenzug unter dem schönen Pico de Fortaleza, kann entlang gewandert werden und später ins Valle de Tetir abgestiegen werden. Auch kann bis zum Ende des Höhenzuges gegangen werden, um dann nach Los Estancos hinunter zu steigen. Ein markierter Wanderweg findet sich nicht, es heisst einfach am Höhenkamm bleiben.

Im Ort findet sich die Iglesia Santa Ana. Mit ihrer Fassade aus pechschwarzem Lavagestein wirkt sie bedrohlich und wenig einladend. Ein Ort der Freude scheint hier nicht zu sein, mehr ein solcher für Büsser. Aber vielleicht war dies Sinn und Zweck des Portals, unter dem die Kirche betreten wird. Die genauen Pläne warum Santa Ana so und nicht anders gebaut wurde, sind nicht dokumentiert. Gestiftet wurde sie vom wohlhabenden Don Francisco Rugama. Sie liegt nur 400 Meter von der Casa de Rugama entfernt, einer wunderschönen Finca im Kolonialstil. Sie wurde erst vom Cabildo als Museum genutzt. Als Fuerteventura zum UNESCO Biosphären Reservat ernannt wurde, war das Cabildo ganz aus dem Häuschen. Ein Museum für Nachhaltigkeit musste her, ein Garten, rund herum sollte nachhaltig Landwirtschaft betrieben werden. Euphorie herrschte ob der nun anbrechenden goldenen Zeiten. Grosse Pläne, die wie meistens auf Fuerteventura mit viel Elan starten und dann binnen Wochen in ebensolch lähmender Letargie versanden. So kam die internationale Finanzkrise als Ausrede, sich nicht weiter anstrengen zu müssen, genau richtig. Die Finca Rugama  wurde dicht gemacht.

Ab dann fristet die bildhübsche Finca ein trostloses Leben, bis 2017 ein Gastronom das Haus in Windeseile renovierte und ein Agro Hotel samt Restaurant daraus gestaltete. Die umliegenden Felder wurden instand gesetzt und bepflanzt, denn viel von dem soll direkt auf den Teller kommen. Der herrliche Garten rund um die Finca wurde ebenfalls wieder in gepflegten Zustand gebracht. Es ist eine Freude zu sehen, wie dieses wunderschöne Landhaus vor dem Verfall gerettet wurden und wieder eine Bestimmung hat! Wirtschaftlich hat es das Hotel nicht leicht, kurzfristig schloss es, dann wurde ein neuer Anlauf gemacht, Hilfen vom Cabildo zugesagt. Die Casa Rugama ist jedenfalls ein heisser Tipp für jene, die eine ganz besondere Bleibe auf Fuerteventura suchen. 

Casa de Rugama Casillas del Ángel Fuerteventura.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Casillas del Ángel florierte einst durch die Landwirtschaft, die Gutsherren der Gegend kamen zu einem gewissen Wohlstand. Nach langer karger Zeit den Hungersnöten des 17. Jhd., in denen die Bevölkerung Fuerteventuras auf nur noch 2.400 dezimiert wurde, also auf ein Niveau, das die Eroberer der Insel im 15. Jhd. ca. vorfanden, kamen mit dem 18. und 19. Jhd. die fetten Jahre der Insel. Das alles fand 1870 ein jähes Ende, als die deutsche chemische Industrie antrat, alles das in unbegrenzter Menge und zu einem Bruchteil des Preises herzustellen, von dem Fuerteventura lebte: Farbstoffe, Kali, Soda. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, auch der Kalkindustrie wurde durch das Entstehen grosser Zementfabriken der Gar auf Fuerteventura ausgemacht.

Wie wasserreich die Gegend um Casillas del Ángel war und ist, zeigt der Barranco de Río Cabras, der bei Casillas del Angel seinen Ursprung nimmt und der ab 1899 durch das Unternehmen "La Esperanza" bewirtschaftet wurde, um die Wasserversorgung für das aufstrebende Puerto de Cabras zu sichern. La Esperanza errichtete mehrere Staustufen, davon die grösste das "Embalse de Río Cabras". Heute ist der einsame Barranco ein Paradies für Birdwatcher, da sich an den Staustufen, die immer mindestens einen kleinen Teich bilden, Grau- und Silberreiher und andere Vögel wohlfühlen. Das man den Barranco de Río Cabras bei Regen tunlichst meiden sollte, da er dann binnen Minuten zu einem reissenden Fluss anschwillt, daran erinnern die "Cruces de Tesjuates". Zwei Kreuze, die 1750 unweit von Casillas del Ángel errichtet wurden (Position:N 28° 29' 22,0" | W 013° 56' 14,2"). Sie gedenken Pfarrer und Messdiener von Casillas del Ángel, die bei starkem Regen einem Ertrinkenden zu Hilfe eilen wollten und von den Wassermassen mitgerissen wurden und dort ertranken.

Vorerst herrschten im 18. Jhd. aber noch die prosperierenden Jahre. Zu den besonders erfolgreichen Ecken der Insel zählte auch Casillas del Ángel, weshalb es bei der Neuordnung der Gemeinden neben Betancuria, Antigua und Tuineje die vierte der Gemeinden der Insel wurde und auch eine eigene Pfarre, eine "parroquia", war. Dies hielt von 1812 - 1926, dann ging Casillas del Ángel in Puerto de Cabras auf. Eine eigene Pfarrgemeinde ist sie jedoch bis heute.

In der prosperierenden Zeit des 18. Jhd. wurde eine Kirche nach der anderen auf Fuerteventura errichtet. So auch in Casillas del Ángel. Don Francisco Rugama war ein sehr gläubiger und erfolgreicher Landwirt. Im gehörte u.a. die Finca Rugama, die seit 2017 ein schönes, kleines Agro Hotel beherbergt. Francisco Rugama liess bereits in jungen Jahren am Friedhof, der erhöht über Casillas del Ángel liegt, eine Kapelle errichten, die er pflegte zu besuchen. Sie liegt heute noch am Dorffriedhof. Der historisch bedeutenden Ermita setzen die Jahre zu. Seit April 2021 erstrahlt sie wieder renoviert in altem Glanz.

Als Don Francisco Rugama im hohen Alter kaum noch gehen konnte und den Weg hinauf zur Kapelle nicht mehr schaffte, stiftete er die Kirche Iglesia Parroquial de Santa Ana. Die Kirche ist der heiligen Ana, An(n)a die Mutter Marias der Mutter Jesu, geweiht. Francisco Rugama liess sie nur 400 Meter von seiner Finca entfernt errichten, um sie besuchen zu können. Der Bau wurde Mitte des 18 Jhd. begonnen. Die finale Fertigstellung mit der aus Lavasteinen gefertigten Fassade im Jahr 1781, erlebte Francisco nicht mehr. 1790 wurde die Kirche zur Pfarrei der umliegenden Ortschaften ernannt. Das Innere der Kirche wird von einer aufwändigen Holzdecke bestimmt, die seinerzeit durch die Holzknappheit auf der Insel als purer Luxus galt. Mehrere Bilder schmücken die Wände, deren Schöpfer unbekannt sind. Die Hauptstatue am Altar, die heilige An(n)a, wurde wahrscheinlich von einem Schüler des José Miguel Luján Pérez (* 1756, Gran Canaria - † 1815, Gran Canaria) geschaffen. Luján Pérez, prominenter Architekt und Bildhauer seiner Zeit, der unter anderem sie Statue "La Dolorosa" in der Kathedrale Santa Ana in Las Palmas schuf. Ausserhalb der Messen ist die Iglesia Parroquial de Santa Ana verschlossen und kann nicht besichtigt werden.

Städte und Ortschaften Fuerteventuras: Casillas del Ángel

Für wen lohnt der Besuch?

Casillas del Ángel ist etwas für Naturliebhaber besonders an feuchten Passat Tagen. Dann wird das gesamte Tal zur surrealen Filmkulisse geküsst. Es könnte nur am Vista de Casillas del Ángel gesessen werden, um den Wolken, den wechselnden Lichtstimmungen und dem Farbenspiel zuzusehen. Der Ort gibt für Sightseer nicht viel her, auch wenn die Geschichte des Ortes und seine ehemalige wirtschaftliche Bedeutung interessant ist. Der "Vista de Casillas del Ángel" ist übrigens der Scheitel des kleinen Passes, der nach La Ampuyenta hinüber führt.

Zum Wandern ist die Gegend erstklassig geeignet, jedoch muss auf eigene Faust mit Karte losgezogen werden, denn beeindruckende Touren sind nicht als beschilderte Wanderwege zu finden. Beispielsweise lässt sich von Casillas del Ángel zum Höhenkamm des Pico de Fortaleza (597 m) hinauf steigen und diesem entlang nach Osten folgen. Spektakuläre Ausblicke sind garantiert. Durch den Barranco de Río Cabras kann erlebnisreich an die Küste gewandert werden, ein Highlight für Birdwatcher. In den alten Rückhaltebecken, die einst Puerto del Rasario mit Wasser versorgten, überwintern und brüten Zugvögel (Sperrzeiten beachten!). Um Fuerteventura auf alten Pfaden zu erkunden, leisten die Karten des Instituto Geográfico Nacional, die online bestellt werden können, unschlagbare Dienste.

 

Messen in der Parroquia de Santa Ana:

  • Jeden Sonntag 18:00 Uhr.

Infrastruktur.

Das Highlight des Ortes ist sicher das Restaurant Agro Hotel Rugama. An der FV-20 wird einiges an Gastronomie entdeckt die aufgegeben hat. Am westlichen Ortsausgang findet sich ein einfaches Wirtshaus, das es nicht unbedingt sein muss. Ein Tante Emma Laden an der Lansstrasse kämpft weiter hartnäckig ums Überleben. Dort findet sich das Notwendigste.

Fast in Sichtweite liegen in La Ampuyenta zwei sehr interessante Gastronomie Betriebe und mit dem Casabel Richtung Puerto del Rosario ebenfalls. Es gibt ausreichend empfehelnswerte Möglichkeiten Hunger und Durst zu stillen. Für einen grösseren Supermarkt muss nach Antigua oder Puerto del Rosario gefahren werden.

In Casillas de Ángel ist eine der wenigen Tankstellen der Gegend zu finden.

Schnell gefunden.

Die FV-20 aus Puerto del Rosario folgend wird Casillas del Ángel erreicht. Mit dem Bus ist Casillas del Ángel über die Linie 01 + 02 gut erreichbar.

Casillas del Ángel ist seit 1. Dezember 2020 ab Puerto del Rosario bis 22:00 Uhr und in die andere Richtung bis 23:30 auch extrem günstig mit dem Sammeltaxi zu erreichen. Haltestellen, Fahrplan und Tarife hier!


Aus den Wolken und über die Wolken – Morro de Velosa.

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Aus den Wolken über die Wolken – Morro de Velosa.

In Casillas del Ángel sind an feuchten Passat Tagen die Wolken zum Greifen nahe. Den Besuchern des Morro Velosa liegen an jenen Tagen die Passatwolken als schnell ziehendes, spektakuläres Wolkenmeer zu Füssen. In solch einem Szenario entsteht bei Reisenden das Gefühl, als seien sie in einer anderen Welt angekommen. Spätestens dann erschliesst sich die Schönheit Fuerteventuras, einer Insel, die trotz oder ob ihrer Kargheit so spektakulär ist.

Das Gebäude am Morro Velosa wurde von César Manrique entworfen. In ihm findet sich ein hoch interessantes Museum, das allerlei Auskunft über Fauna, Flora und Geologie der Insel gibt und anschaulich erklärt, wo die Wetterküche der Kanaren liegt und welche Windsysteme zu welchen Wetterlagen führen. Lediglich 15 Km sind es von Casillas del Ángel auf den Aussichtsberg. Er sollte nicht ausgelassen, besser aber noch erwandert werden. Leicht geht das von Betancuria oder Antigua aus.

Insider Tipp

Gleich um die Ecke die "Casa Doctor Mena" – so lebte es sich im 19. Jhd. auf Fuerteventura.

Von Casillas del Ángel wird La Ampuyenta mit dem Auto in fünf Minuten erreicht. Dort steht das Wohnhaus des seinerzeit international erfolgreichen und hoch gebildeten Tropenmediziners Doctor Mena. Geboren in La Ampuyenta, nach dem Studium in Havanna und Paris, anerkannter Tropenmediziner, gefragter Vortragender in New York und Ehrenprofessor von Cadíz, kehrte er an seinen Geburtsort zu seiner alten Mutter zurück. Dort engagierte er sich wirtschaftlich erfolgreich wie auch sozial und stiftete das erste Krankenhaus der Insel. Sein Haus ist im Originalzustand erhalten und gibt einen tiefen Einblick unter welch einfachen Verhältnissen selbst die vermögendsten Insulaner lebten.

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