Nordöstlich, parallel zum Valle de mal Nombre, das in den wunderschönen Playa de mal Nombre mündet, liegt das mächtige Valle de los Canarios. Von der alten Küstenstrasse FV-2, die nun FV-602 heisst und von der weniger schönen Autobahn FV-2 abgelöst wurde, führt eine Mischung aus Asphaltstrasse und Piste 5,5 Km hinauf zum Mirador de los Canarios. An der grossen Shell Tankstelle an der FV-602 zweigt die Strasse hinauf zum Mirrador de los Canarios ab. Früher musste an der Tankstelle ein Schlüssel geholt werden, um die Absperrkette öffnen zu können, um mit dem Auto hinauf fahren zu können. Nun liegt die Kette immer am Boden, warum kann niemand beantworten und Fahrverbot herrscht auch keines. Die Strasse beginnt an der Kette vielversprechend gut asphaltiert. Im oberen Drittel, dort, wo bei Starkregen die Wassermassen zu Tal rauschen, wird sie elendiglich schlecht. Mehr kaputte Schotterstrasse, Asphalt nicht mehr zu sehen. Achsbrecher tiefe Schlaglöcher warten. Ist diese Passage im Schritttempo durchkämpft, geht es weiter auf besserer aber holpriger Piste. Über Wellblech wird der Mirador de los Canarios, mit grossem planierten Parkplatz, erreicht.
Der Mirador de Los Canarios bietet spektakuläre Ausblicke. Eingerahmt vom Morro de la Burra (518 m) im Nordosten und dem Pico de la Mantanza (625 m) im Südwesten, bildet er ein "V" in der Bergkette von Cofete. Der Nordost Passat wird dort noch einmal durch den Düseneffekt auf Orkanstärke hochgefahren und an manchen Tagen kann sich der Besucher kaum noch auf den Beinen halten, so heftig weht es. Dem Einen oder Anderen, der im falschen Winkel die Wagentüre geöffnet hat, wurde sie schon abgerissen. Wer es nicht glaubt, kann es kostspielig ausprobieren. Unter dem mirador liegt photogen die Islote de Cofete und der Strandabschnitt Playa de Barlovento, der zu den Stränden von Cofete gehört. Im Westen ist Cofete, die Villa Winter, der Roque del Moro und er Punta Pesebre zu sehen. Sensationell!
Oben am Mirador de los Canarios wird einem der spanische Begriff barlovento, Wind zugewandt bzw. Luv, praktisch und wortlos erklärt. Der südwestliche Begrenzungsberg des mirador, der Pico de la Mantanza (625 m), wird häufig mit dem höchsten Berg Fuerteventuras, dem Pico de la Zarza (807 m), verwechselt, der aber auf Grund der Perspektive vom Parkplatz aber nicht zu sehen ist.
Vom Parkplatz des Mirador de los Canarios (340 m) führt ein holpriger Jeepweg, nur für Geländewägen geeignet, 450 m weit zum Fuss eines kleinen Hügels hinauf. Von dem zweigt ein Steig die letzten Höhenmeter auf den exakt 400 m hohen Vorgipfel des Morro de la Burra ab. Dort ist dann auch herrlich der Pico de la Zarza (807 m) und der letzte Zipfel des Istmo de la Pared zu sehen, an klaren Tagen auch El Cotillo. Ein Feldstecher hilft.
Alpin Erfahrene können über einen rutschigen Grat, der mit Lavakies wie auf Kugellagern zu begehen ist, noch auf den Morro de la Burra (518 m) weglos aufsteigen. An sich ist das nicht schwer, el morro, ein Hügel, eben. Bei Sturm ist das aber lebensgefährlich. Schottische Alpinisten kennen das von der Black Mount Range. Über den Grat wird der Alpinist durch eine solide Böe problemlos über die steilen Felsflanken ins Tal befördert. Weniger gefährlich ist der Abstieg vom Parkplatz des Mirador de los Canarios zur Islote de Cofete und den Strand Playa de Barlovent. Alte Steigspuren von Ziegenhirten sind auszumachen, zwar auch rutschig, aber ohne steile Felswände. Wer es den kanarischen Hirten, los pastores, gleich tut und einen palo de pastor dabei hat, einen langen Hirtenstock mit Metallspitze, steigt sicheren Fusses ab.
Outdoor Freaks, für die Orientierung im Gelände mit guter Karte und Kompass, auch mit GPS, kein Problem ist, können vom Mirrador de los Canarios zu einem interessanten Abstecher in das Nachbartal Barranco de Pecenescal aufbrechen. Weglos geht es durch das Gelände. Im Barranco de Pecenescal wird auf einen historischen Ort gestossen. Reste einer alten Majorero Siedlung werden erreicht. Vor Ort wird klar, warum die Ureinwohner genau hier siedelten. Das Wasser, das die Passatwolken an den steilen Felsflanken abregnen, tritt an den Ruinen als Quelle aus, die den Namen Manantial Agua Caballos trägt. Das heisst soviel wie Pferde Quellwasser. Damit die Ruinen leichter zu finden sind: N 28° 07' 59,1" | W 014° 19' 04,6" auf 380 m. Weniger abenteuerlich wird dieser Ort vom Playa Risco de Paso über den Wanderweg GR-131, der Fuerteventura Nord Süd von Corralejo zum Punta de Jandia quert, immer durch den Barranco de Pecenescal erreicht. Der Einstieg an der Küste ist etwas schwer zu finden.
Seit Jahren plant die Inselverwaltung den Mirador de los Canarios mit einem völlig sinnlosen Aussichtslokal, das mit absoluter Sicherheit floppen würde, zu verschandeln. Ein Wettbewerb fand statt, der Entwurf von Pepe Dámaso Trujillo wurde prämiert. Das Bauwerk soll die Form der streng geschützen Napfschnecke Lapa majorera nachahmen. Jeder Bauingenieur Student sieht auf den ersten Blick: So ein Bauwerk umzusetzen. wäre exorbitant teuer. Der Baubeginn wurde für 2016 angekündigt, nichts geschah. Anfang 2017 wurde bekannt gegeben, mit dem Bau würde nun endlich begonnen. 2023, keine Baufahrzeuge weit und breit in Sicht. Die Finanzmittel sind zum Glück nicht vorhanden. Es stehen andere Themen an, z.B. die Wasserversorgung des Südens sicher zu stellen.
Um die Wildheit der Küsten Fuerteventuras von einer sensationellen Aussichtswarte zu erleben, sollte der Mirador de los Canarios besucht werden. Kaum ein Ausblick bietet so eine grandiose Fernsicht über die Nord-/Westküste. Bis hinunter zum Punta de Pesebre und hinauf nach El Cotillo reichen die Blicke, wenn das Wetter mitspielt. Einen optimalen Zeitpunkt für den Besuch zu erwischen ist nicht einfach. Morgens liegt die Küste durch die hohen Berge im Schatten, nachmittags wird es durch die aufsteigende Atlantikfeuchte diesig und El Cotillo kann nicht mehr gesehen werden. Die beste Fernsicht wartet auf den Besucher in der kühleren Jahreszeit.
Nachdem sich immer mehr Touristen auf den Mirador de los Canarios verirren und auch Reisebusse ausser Dienst am grossen Parkplatz der Shell Tankstelle am Abzweig zum Mirrador de los Canrios ihre Leerzeiten verbringen, nahm die Tankstelle die kleine Kneipe, tasca, El Mirador wieder in Betrieb. Bevor die alte Küstenstrasse FV-2, nun FV-602, durch die Autobahn, nun die FV-2, ersetzt wurde, war die Tankstelle ein gutes Geschäft. Die Cafeteria war gut frequentiert, aber mit der Autobahn war Schluss. Nun gibt es wieder Café, kalte Getränke, Eis, auch Sandwiches und dazu sehr viele urige und handfeste Majoreros.
Auf der Insel Autobahn FV-2 wird die gross angeschriebene Ausfahrt Mal Nombre bei Km 77 genommen. Auf der alten Küstenstrasse FV-602 1,5 Km nach Norden weiter, bis in einer grossen Kehre die Shell Tankstelle erreicht wird. Hinter dieser geht es in einer Mischung aus Asphaltstrasse und Piste 5,5 Km hinauf zum Mirador de los Canarios. Beginnt die Strasse erst vielversprechend gut, wird sie im oberen Drittel zur Tortur mit Achsbrecher tiefen Löchern. Im oberen Bereich wird es wieder besser.
Geparkt werden kann auf einem planierten Parkplatz im V-Ausschnitt der Bergkette. Vorsicht, die Tür gegen den Wind, Richtung Norden und Cofete, öffnen. Die orkanartigen Böen reissen gerne mal eine Autotüre aus den Scharnieren. Die letzten 450 m zu Fuss zum kleinen Gipfel hinauf. Zwar führt ein ruppiger Jeepweg dorthin, aber für den bräuchte es 4x4 und ordentlich Bodenfreiheit.
Playa de mal Nombre – ein Strand wie im Urlaubsprospekt.
Nach den stürmischen Ausblicken auf die wilde Küste von Cofete, die endlosen langen Sandstrände, könnte die Lust nach einem Bad im Atlantik an einem ruhigeren Ort aufgekommen sein. Die Nordküste von Cofete ist wild und lebensgefährlich, die Luv Seite der Insel. Also für den Badespass an die Lee Seite von Fuerteventura.
Das östliche Nachbartal des Valle de los Canarios ist das Valle de mal Nombre. Das Tal bzw. der barranco mündet an der Küste, an der Lee Seite, am Playa de mal Nombre in den Atlantik. Der Playa de mal Nombre ist ein Traumstrand für Sonnen- und Badegäste: Feinster Sand, die Küste fällt flach ab, geringe Brandung und auch mit dem Wind geht es gut, denn Klippen schützen. Für den verwöhnten Urlauber gibt es Liegestühle und Sonnenschirme und eine chirunguito steht für Durst und Hunger bereit.
Wieder auf der alten Küstenstrasse FV-602 zurück vom Mirador de los Canarios und von der Tankstelle aus die FV-602 1,3 Km Richtung Costa Calma fahrend, wird ein traumhafter Aussichtspunkt (N 28° 06' 06,6" | W 014° 16' 30,7") erreicht. Unbeschildert, eine Art Schotterparkplatz, auf dem das Auto abgestellt wird. Einige Schritte zu Fuss Richtung Küste gehen. Sensationelle Ausblicke über die Küste Richtung Nordosten warten: Der Playa Risco de Paso am Präsentierteller, es folgt der Playa de la Barca, der Ort Costa Calma ist zu sehen und dahinter das Ausflugslokal Mirador Sotavento. Von der Terrasse des Restaurants ist die Aussicht ebenso, lediglich in die Gegenrichtung nach Südwesten.