Betancuria – erste Hauptstadt der Kanaren und Bischofssitz.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Egal ob der Besucher von Betancuria (420 m) aus dem Norden vom Morro Velosa (662 m) oder aus dem Süden kommend vom Mirador de Fénduca (419 m) die erste Hauptstadt des kanarischen Archipels erreicht, er bereist eine überraschend andere Welt von Fuerteventura. Keine karge Weite sondern ein engest Tal durchzogen von Palmen, durch das sich eine der schönsten Strassen von Fuerteventura schlängelt. Von ihr zweigen einsame Täler ab, wie jenes im Parque Parra Medina, in dem kaum mal ein Mensch angetroffen wird, dafür hunderte Vogelarten, ein Paradies für Birdwatcher. Tagelang kann im und um das Tal von Betancuria herum gewandert werden. Über den schönen Höhenkamm, der das Tal von Betancuria, den Barranco de Betancuria, von den weiten Ebenen um Antigua abtrennt, an dem der Ursprung des Barranco de la Torre, der weit weg an der Ostküste am Puerto de la Torre bei Salinas del Carmen ins Meer mündet, entspringt. Die Topographie von Fuerteventura kann wunderbar an grossen Relief-Modellen der Insel im Museum des Morro Velosa studiert werden.

Durch die Abgeschiedenheit der Seitentäler sind in der Umgebung von Betancuria nicht nur zahllose Brutgebiete von Zugvögeln zu finden, sondern auch unzählige kanarische Endemiten, die anderen Orts verschwunden sind, z.B. für den profitablen Kalkbrand des 19. Jhd. verfeuert wurden. Die letzten Ölbäume, wilde Oliven finden sich und andere Jahrhunderte alte Gewächse. Im Parque Castillo de Lara wird versucht die kanarische Kiefer wieder zu kultivieren. Eine Kiefernart, die nach der letzten Eiszeit in Europa vor ca. 6 tsd. Jahren ausstarb, sich aber auf den Kanaren auf Grund des konstanten Klimas hielt. Ihre nächsten Verwandten finden sich abseits der Kanaren erst in Korea. Sie hat besonders buschige und dichte Nadel, was sie nicht nur zur Augenweide macht. Durch sie kann der Baum die Feuchte aus den Passat Wolken und dem nächtlichen Dunst Filtern und so ohne einen Tropfen Regen lange überleben.

Ist über die kurvige FV-30 aus Nord oder Süd Betancuria erreicht, wird auf ein hübsches, idyllisches kleines Städtchen getroffen, das kaum einer so auf Fuerteventura erwartet hätte. Die Kathedrale Santa María, der zweite Bischofssitz des kanarischen Archipels, ragt über das Städtchen. Der erste Bischofssitz der Kanaren war die kleine Kirche im Fort Rubicón auf Lanzarote. Erreicht die FV-30 steil hinab vom Morro Velosa kommend Betancuria, findet sich linker Hand ein grosser Parkplatz. Eine gute Idee dort sein Auto abzustellen um zum alten Benediktiner Kloster San Buenaventura und den Konvent hinüber zu spazieren. Ist dieses besucht, lässt sich in den Ort hinein spazieren, Santa María besuchen und durch die kleinen Gassen schlendern, in denen immer üppig blühend der Bougainvillea und andere Pflanzen über die Hausmauern hängen.

Wem es nach mehr Bewegung steht, der kann vom Parkplatz einen netten Spaziergang hinauf zum Morro Velosa (662 m) machen. Keine grosse Geschichte über einen Karrenweg. Eine interessante Sache, so sieht man wie geschickt und gut Betancuria am wasserreichen Barranco de Betancuria angelegt wurde. Der Wanderer erhält Einblicke, die von der FV-30 Landstrasse nicht zu sehen sind. Der gesamte Barranco de Betancuria ist mit geschickt angelegten Staustufen durchzogen, kleinen Feldern und Palmenhainen, ein historischer Dreschplatz wird passiert, auf dem die Dorfgemeinschaft die Ernte verarbeitete. Lediglich 250 Höhenmeter sind es hinauf zum Morro Velosa (662 m), auf dem nicht nur ein interessantes Museum wartet sondern ein absolut grandioser Ausblick über den Norden der Insel und die Westküste. Wer nicht nur in das Aussichtsgebäude geht sondern auch die letzten 10 Höhenmeter auf den Morro Velosa nimmt, sieht nach Westen die beiden Ziegenfarmen auf den grossen Weideflächen über Betancuria am Morro Valdés und Lomo de la Cerca. Auf ihnen kann ab Hof Ziegenkäse gekauft werden. Auf der Ebene des Morro Valdés, nahe der ersten Ziegenfarm, findet sich auch eine Piste hinüber in das Tal des Barranco de la Peña, die aber durch eine Kette versperrt wird. Sie führt in eines der vielen sehr versteckten und einsamen Täler Fuerteventuras zur Finca "Huerto del Risco", also soviel wie "Gemüsegarten am Felsen". Wer ein absolut einsame Wanderung unternehmen möchte, kann den Barranco de la Peña durchwandern und erreicht bei Ajuy des Felsentor Arco del Jurado. Absoluter Insidertipp, wer die "Mapa Topografíca Nacional de España" No. 1093-II besitzt, die für wenige Euro online bestellt werden kann, wird seinen Weg leicht finden.

Obwohl historischer Mittelpunkt von Fuerteventura und zentraler Ort für die Geschichte des kanarischen Archipels, geht es ausserhalb der Sommermonate sehr ruhig in Betancuria zu. Nur im Sommer werden ab dem späten Vormittag intensiv Touristen mit Bussen angekarrt, ab dem frühen Nachmittag wird es wieder ruhig. In der Off Season ist es einsam im 215 Seelen Ort (2018). Dann kann er richtig genossen werden. Vögel singen, es blüht, ein prächtiger Ort um zu entspannen. Zu richtigem Leben wird Betancuria an wenigen Tagen im Jahr erweckt. Der eine ist am Tag des "Betancuria Mountain Climb", wenn die FV-30 gesperrt wird und Motorsport Enthusiasten die Strasse säumen. Drei Läufe werden zum Morro Velosa bei Volksfeststimmung hinauf gefahren. Die anderen Tage geht es um das Feiern, die Fiesta San Buenaventura im Juli und die Fiesta San Diego de Alcala im November. Die erste Fiesta zu Ehren des ersten Klosters des kanarischen Archipels, die zweite zu Ehren eines der beiden ersten Franziskanermönche des Klosters, San Diego de Alcala. Er und sein Ordensbuder Juan de San Torcaz fanden der Legende nach in einer Nacht die Alabasta Statue der Virgen de la Peña im Palmental. Eine Lichterscheinung zeigte den Weg, dort, wo heute nahe des Staudamms Presa de la Peña die kleine Ermita steht.

Der Ort Betancuria auf Fuerteventura.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Bevor die normannischen Eroberer nach Fuerteventura kamen, war das fruchtbare Tal von Betancuria nicht besiedelt. Majoreros zogen, wie sie es aus Nordafrika gewohnt waren, als Halbnomaden mit ihren Ziegenherden über die Insel. Kaum eine feste, dauerhaft bewohnte Siedlung dürfte es gegeben haben. Eine der wenigen war wohl bei La Oliva. Man zog dort hin, wo es gerade Weiden und Wasser gab. Viele der ersten spanischen Siedler von Fuerteventura lebten wenig anders, zogen als Flechtensammler über die Insel, fischten wenn die Saison dafür war, arbeiteten als Erntehelfer. Ein gutes Beispiel dafür ist El Jablito. Einige Spuren haben die ersten Bewohner der Insel aber um Betancuria hinterlassen. Wird durch das schöne Tal des Parque Parra Medina zum Hügel "Morro de Humilladero" (550 m) hinauf gestiegen, der von einer Ansammlung grosser Basaltfelsen gekrönt wird die aussehen, als hätte sie Rübezahl dort persönlich abgelegt, können Felsritzungen der Majoreros gefunden werden.

Als Jean de Béthencourt und Gadifer de La Salle 1402 auf Lanzarote landeten, stiessen sie auf Ureinwohner, die schon Erfahrung mit den Portugiesen gemacht hatten. Bereits 1336 erreichte der Portugiese Lancelotto Malocello Lanzarote und dürfte dort einige Monate recht friedlich mit den Ureinwohnern zusammen gelebt haben. Daher war die Mahos, die Ureinwohner von Lazarote, nicht besonders misstrauisch gegen die Neuankömmlinge. Ein schwerer Fehler, denn Jean de Béthencourt wird von seinen Begleitern als immer übel gelaunter, verschlagener und besonders gemeiner Normanne beschrieben. Grossen Widerstand hättten die Mahos aber auch nicht leisten können. Es sollen um die 300 gewesen sein. Die Majoreros waren hingegen vor den Neuankömmlingen auf der Hut obwohl mit geschätzten 1.700 deutlich in der Überzahl, waffentechnisch jedoch völlig unterlegen und so versteckten sie sich in den Bergen. Um sie in die Zange nehmen zu können, errichteten die Eroberer zwei Forts: Fort "Richeroque" durch Jean de Béthencourt, aus dem El Roque hervorging und "Fort Valtarajes" durch Gadifer de La Salle, aus dem Betancuria hervorging.

Zügig wurde im 15. Jhd. Betancuria aufgebaut. Reiche Spenden ermöglichten einen für die Insel und Bevölkerungsanzahl fast schon monumentalen Klosterbau San Buenaventura. Überall wurde daran gearbeitet, die Insel zu bewirtschaften, unter härtester Arbeit und nicht immer freiwillig. Man riss sich auf der Iberischen Halbinsel nicht darum, auf das Eiland "verlegt" zu werden. Ganze Familien wurden einfach umgesiedelt. 1593 kam für Betancuria die grosse Katastrophe. Der nordafrikanische Pirat Xabán Arráez der selbst bis in die Niederlande und Grossbritannien segelte, um an den Küstendörfern Beute und Sklaven zu machen, fiel über die Insel her, versklavte einen Grossteil der Bewohner Betancurias, brannte Kirche und Kloster nieder. Mit dem Feuer wurden die kirchlichen Archive vernichtet, damals die einzigen historischen Quellen. Kostbares Wissen ging verloren und so liegt vieles der ersten spanischen Zeit auf Fuerteventura im Dunklen. Mangels Bewohner dauerte es lange, bis Betancuria wieder aufgebaut war und sich der Ort und Fuerteventura erholt hatte. Xabán Arráez hatte ganze Arbeit geleistet. Erst 1691, also rund hundert Jahre nach seinem Überfall, war die Iglesia Santa María und das Kloster San Buenaventura wieder aufgebaut. Die beiden schweren Hungersnöte der 1680iger Jahre, welche die Inselbevölkerung von rund 4.500 auf 2.400 dezimierte, liess überdies weder Kraft noch Zeit Kirchen und Klöster zu bauen. Es ging auf Fuerteventura um das nackte Überleben.

Heute ist Betancuria ein schmuckes kleines Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Sauber, überall blüht es, Palmen, ein Wasserlauf, der Barranco de Betancuria durchzieht den Ort, alles wirkt friedlich und idyllisch in dem 215 Seelen Ort (2018). Nichts erinnert an die dramatischen Ereignisse als Kirche und Kloster den letzten Kornspeicher der Insel der noch gefüllt war in den 1680igern in Betancuria öffnete und das letzte Gofio an die verhungernde Bevölkerung ausgab. Man riet der Bevölkerung sich nach Caleta de Fuste aufzumachen und zu versuchen mit irgendeinem Schiff von der Insel zu kommen. An Bord eines Schiffes kamen wenige. Die wurden mit Gewalt verteidigt, wer es schaffte, wurde auf See von Bord geworfen. Andere Schiffe sanken wie zum Beispiel am Arrecife del Griego am Punta de Jandía. Manch einer machte sich auch mit seinem kleinen Fischerboot auf den Weg. Betancuria, hübsch und idyllisch, dramatische Geschichte weht durch die Gassen, die es wert wäre den Besuchern vor Ort näher zu bringen. Die Geschichte der Kanaren als Tor zur neuen Welt, als Wiege der spanischen Aufklärung aber auch Ausgangspunkt des spanischen Bürgerkrieges eine spannende Geschichte, in der auch die Sonneninsel Fuerteventura ihre Rolle zu spielen hatte.

Der Ort Betancuria auf Fuerteventura.

Für wen lohnt der Besuch?

Für Geschichtsinteressierte ist Betancuria natürlich ein Pflichtbesuch. Wen das weniger interessiert, der findet in Betancuria aber auch einen wunderbaren Ort in der Hitze des Sommers zu entspannen. Schattige Ecken, ruhig, herrlich, um auch einfach mal nur zu sitzen und zu entspannen. Die Gegend zu geniessen, einen Zwischenstopp auf einer Inselrundfahrt einzulegen zum Beispiel. Auch der Müßiggang ist wichtig, aber schwerer als manch einer meint. Von den Canarios kann er gelernt werden.

Die Gegend um Betancuria ist ein El Dorado, um erforscht zu werden. Der Parque Parra Medina ein Paradies für Birdwatcher, der Weg von Vega de Río Palmas nach Ajuy wohl eine der schönsten Wanderrungen der Insel und mit dem Mirador de Fénduca (419 m) und dem Morro Velosa (662 m) liegen um Betancuria zwei der schönsten Aussichtspunkte von Fuerteventura. Grillfans finden den schönsten Freiluft Grillplatz versteckt gelegen und nur Einheimischen bekannt im Parque de Castillo Lara,

Die FV-30, die Betancuria mit Pájara verbindet, wohl die schönste Strasse der Insel. Wer sie befahren hat, wird sie in vielen Werbespots renommierter Automarken wieder erkennen. Auch Rennradfahrer lieben sie, die sich im Frühling die ersten Kilometer am Bike holen, um fit für die neue Saison zu werden.

Betancuria mit seiner wunderbaren Umgebung bietet absolut für jeden etwas. Und für Fotografen hält es viele der spektakulärsten Locations von Fuerteventura bereit. Vor allem im späten Nachmittagslicht, wenn die tiefe Sonne von der Küste im warmen Streiflicht die Gegend anstrahlt.


Messen in der Kathedrale Santa María:

  • Jeden Freitag 17:30 Uhr

Infrastruktur.

Siehe Santa María de Betancuria.

Schnell gefunden.

Siehe Santa María de Betancuria.​​​​​​​


Parque rural Parra Medina – wandern in einem einsamen Tal.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Parque rural Parra Medina – wandern in einem einsamen Tal.

Der Parque rural Parra Medina ist ein einsames Tal. Reich an seltenen Pflanzenarten und Vögeln. Der Name "parra" weisst darauf hin, dass dort einmal Wein angebaut wurde, "parra" für "Weinstock. Die Gemeinde Betancuria hat am Ende des Tales eine kleine hübsche Finca errichtet, eine Jugendherberge, die jungen Leuten die Natur näher bringt. Wenn keine Jugendgruppe im Tal ist, wird es ruhig, auch wenn das Tal auf einer schönen Wanderroute liegt, die Antigua und Vega de Río Palmas verbindet.

Man muss kein Birdwatcher oder Botaniker sein, um den Parque de Parra Medina zu besuchen. Auch wenn es für beide besonders interessant ist. Vor allem finden sich auch Jahrhunderte alte Ölbäume, wilde Oliven. Wer es bis auf den Morro del Humillardero (550 m) hinauf schafft, bekommt den schönsten Ausblick auf Betancuria geboten. Felsritzungen der Majoreros inklusive, etwas schwer zu finden und das ist auch gut so. Der Parque rural Parra Medina, ein herrliches Naturerlebnis, das nur zu empfehlen ist.

Insider Tipp

Parque Castillo de Lara – grillen mit Freunden.

Es gibt immer mehr Menschen, die kommen länger nach Fuerteventura. Ein paar Monate, mit dem Wohnmobil zum Beispiel und immer nur Strand ist auch langweilig, auch wenn sie noch zu schön sind auf Fuerteventura. Für etwas Abwechslung und um neue Bekanntschaften zu knüpfen bietet, sich der schöne Parque Castillo de Lara an. Ein Naturpark zum Grillen samt schönem Kindrspielplatz in den Bergen.

Der Ort Betancuria.

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Die Kathedrale Santa María.

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Das Kloster San Buenaventura.

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Der historische Schaufelbrunnen.

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