Barranco de las Peñitas – Weg der Eroberer und schönstes Tal der Insel.

Geologie, Fauna, Flora und viel Geschichte.

Der Barranco de Río Palmas, Vega de Río Palmas oder das Palmental, ist einer der mächtigen Wasserläufe der Insel. Er entspringt an der westlichen Flanke des Berges Morro Tegú (642 m), dort wo auch der Aussichtspunkt Morro Velosa (662 m) gelegen ist und führt hinab nach Betancuria. Im Ort fliesst er gut befestigt mitten durch das alte Franziskaner Kloster und schlängelt sich weiter in den Intrusivkomplex des Barranco de las Peñitas. Bei Mal Paso, dort wo der Staudamm Presa de las Peñitas und die Kapelle Iglesia de Nuestra Señora de la Peña liegen, durchbricht er eine Felsschlucht und wechselt seinen Namen auf Barranco Mal Paso. Im letzten lang gezogenen Linksschwung vor Ajuy passiert er die Oase La Madre del Agua, wechselt den Namen letztmalig auf Barranoco de Ajuy und fliesst, zur Regenzeit als reissender Fluss, am Strand von Ajuy ins Meer.

Vom Morro Velosa (662 m) führt entlang des obere Teils des Barranco de Río Palmas ein kaum begangener aber schöner Wanderweg hinunter nach Betancuria und von da recht verfallen hinüber zum kleinen Parkplatz von Betancuria. Es geht im Barranco Vega de Río Palmas bis zur schönen Casa de la Naturaleza weiter. Ab diesem Stück wird es touristischer, aber nur bis hinüber zur Iglesia de Nuestra Señora de la Peña. Ist der obere Bereich bei Betancuria noch sehr palmenreich, wird es zum Staudamm hin immer kahler. Das war nicht immer so. Zu Zeiten der Eroberung war der Barranco bis Ajuy dicht bewachsen. Eine Vorstellung davon gibt die Oase La Madre del Agua.

Das kurze Stück des Barranco de las Peñitas vom Parkplatzan der Casa de la Naturaleza bis zum Staudamm Presa de las Peñitas, wird unter Touristen meist als Palmental oder Vega Río de Palmas bezeichnet, was so nicht richtig ist. Letzteres ist der Ort und das grosse Becken ist der Barranco de las Peñitas. Der kurze Barranco ist von besonderer geologischer Bedeutung, denn er ist ein Intrusivkomplex. Das sind Steinformationen, in die flüssige Magma eindrang und darin langsam erkaltete. In diesem Fall Plutonit, genau genommen Syenit, der nach und nach frei gelegt wurde und verwittert. Dadurch entsteht die brüchige Struktur und die vielen einzelnen Felsbrocken. Sie gaben dem Barranco auch den Namen, die "peñitas", die Verkleinerungsform von "peñas" den Felsen, also der Barranco der vielen kleinen Felsen, Barranco de las Peñitas. Der gesamte Intrusivkomplex ist 3,5 Km lang und an der breitesten Stelle 800 m breit, von elliptischer Grundform. Am Durchbruch zum Mal Paso hat Wasser und mitgeführtes Gestein die schönen runden Becken geschliffen, in denen immer Wasser steht. An der südlichen Felswand dieser Stelle sind beliebte kleine Kletterrouten zu finden.

Im schmalen V-Einschnitt wurde auch der Staudamm Presa de las Peñitas Ende 1939 mit nur 11 Metern Höhe errichtet. Nachdem er schnell versandete, wurde er 1943 auf die doppelte Höhe also 22 Meter aufgestockt. Das half auch nichts. Staudämme auf Fuerteventura verlanden binnen Jahren komplett, wie auch beim Embalse de los Molinos zu sehen ist. An beiden Staudämmen wollte man fruchtbare Felder anlegen. Das klappte nicht. Am Presa de las Peñitas ist sogar noch das Kabel der Materialseilbahn zu sehen, dass zum Bauen des Staudamms gespannt wurde. Es endet in dem verfallenen Häuschen, in dem der Motor stand. Unterhalb der Staumauer liegt die kleine Kapelle Iglesia de Nuestra Señora de la Peña, zu der jedes Jahr eine Wallfahrt von Antigua hinüber führt. Sie wurde erst im 17. Jhd. errichtet, da die ehemalige Felskapelle, die einige hundert Meter unterhalb als kleine Höhle liegt, als zu unsicher für die Heiligenstatue angesehen wurde. Über einen schönen und einfachen Spazierweg kann bis zur Felsenkapelle gegangen werden. Die Landschaft ist beeindruckend.

Durch den Barranco de las Peñitas stiegen auch die normannischen Eroberer, die am Punta de las Ánimas o de la Peña Hordada am Felsentor Arco del Jurado bei Ajuy unter der Führung von Gadifer de La Salle an Land gingen.

Die Legende um die Virgen de la Peña.

Im Zuge der Eroberung gründete Jean de Béthencourt 1404 Betancuria, die erste Hauptstadt Fuerteventuras und des kanarischen Archipels überhaupt. Auch zwei Missionare waren dabei, welche die Eroberung im Werk "Le Canarien" niederschrieben, das aber vom Partner Jean de Béthencourts Gadifer de la Salle radikal zensuriert bzw. umgeschrieben wurde. Jedenfalls war man sehr begeistert neue Christenmenschen taufen zu können und beschloss schon 1416 durch Franziskaner das erste Kloster des Archipels "San Buenaventura" zu gründen und zu errichten. Die beiden ersten Franziskaner Mönche waren Diego de Alcalá und Juan de San Torcaz.

Als einestages Bruder Diego frühmorgens seinen Bruder Torcaz beim Morgengebet vermisste, ging er ihn suchen. Am Barranco de las Peñitas, man staune ein doch 8 Km lange, zielsichere Wanderung in der Dunkelheit vom Kloster San Buenaventura aus, traf er auf Hirten und fragte nach, ob sie zufällig seinen Bruder Juan de San Torcaz gesehen hätten. In der Tat hatten sie, er würde unten in den Naturbecken knien und beten. Sie würden sich nur nicht hinwagen, da ein eigenartiger Lichtschein zu sehen sei. Gemeinsam brach Diego de Alcalá mit den Hirten mutig auf, trafen auf den im Wasser knienden und Richtung Licht betenden Torcaz und hoben ihn auf. Er und seine Kleidung waren völlig trocken. Man eilte an die Felswand zur Höhle und grub dort die Marienstatue, die Virgen de la Peña, aus. Ein Wunder war geschehen!

Von da an stand die Alabaster Statue der Legende nach angeblich in der Felskapelle wo sie entdeckt wurde. Recht unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie unterhalb der Felskapelle in einer Kapelle in Mal Paso aufbewahrt wurde. Als diese vom Hochwasser weggerissen wurde, wurde im 17. Jdh. die Ermita de la Peña errichtet, hoch gelegen, um die Heiligenstatue vor Hochwasser zu schützen. Im 19. Jhd. wurde sie in die Kirche in Vega de Río Palmas verlegt, da man in der einsamen Kapelle den Diebstahl der wertvollen Statue fürchtete. Doch die Angst vor dem Fegefeuer schwindet jährlich und so versuchte tatsächlich Anfang 2018 Diebsgesindel die Virgen de la Peña zu stehlen. Da es an der schweren Holztüre zur Sakristei und dem Vorhängeschloss scheiterte, beschlossen die Diebe ein Loch in die Kirchenmauer zu schlagen. Als sie endlich zur Sakristei durchbrachen, stoppte sie ein schwerer Holzschrank hinter dem Loch. Da mittlerweile die Nachbarschaft durch die Hämmerei wach geworden war, ergriffen die Diebe die Flucht. Diese Geschichte, so erfunden sie auch klingt, ist die reinste Wahrheit. Nun sitzt seit neuestem, wenn die Kirche geöffnet ist, eine Aufseherin am Eingang und wacht, dass das Heiligtum nicht gestohlen wird.

Wo genau die Statue her kommt, ist nicht bekannt. Es scheint recht sicher, dass sie mit Jean de Béthencourt auf die Insel kam. Die nur 23 cm grosse Statue hat deutliche französische Stilelemente der Gotik und stammt wohl aus der Normandie. Das das Raubein selber die Statue im Gepäck hatte, ist wohl unwahrscheinlich. Eher die beiden Missionare Pedro Bontier und Juan Le Verrier die ihn begleiteten und den Bericht "Le Canarien" verfassten. Nachdem 1583 der nordafrikanische Seeräuber Xabán Arraez Betancuria brandschatze, auch das Kloster San Buenaventura niederbrannte und alle die er fangen konnte als Sklaven verschleppte, wurde wohl die Statue im Zuge dessen im Barranco de las Peñitas versteckt und irgenwann wiedergefunden. Die Virgen de la Peña ist die Schutzheilige von Fuerteventura und wird auch am gesamten Archipel hoch verehrt. Zur stimmungsvollen Nachtwallfahrt, die jedes Jahr als letzte Etappe von Antigua über die Berge nach Vega de Río Palmas unterwegs ist, sind hunderte Menschen nicht nur aus Fuerteventura sondern vom ganzen Archipel tagelang auf den Beinen. 

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Vega de Río Palmas – Palmental

Für wen lohnt der Besuch?

Der Barranco de las Peñitas ist für jeden etwas. Geologen, Birdwatcher, Botaniker, Wanderer, Naturliebhaber, Geschichtslebhaber und auch für Kinder ist die kleine Wanderung ins Tal gut geeignet. Es gibt an jeder Ecke etwas zu entdecken. Am Ende warten blank geschliffene Wasserbecken und mehr. Ein wahrer Abenteuer Spielplatz in der Natur. Sportliche finden an den Wänden der Iglesia de Nuestra Señora de la Peña einige Kletterrouten, an denen am Wochenende die Locals unterwegs sind.

Wer mehr vor hat, dem ist die Wanderung bis an die Küste von Ajuy zu empfehlen. An heissen Tagen, obwohl nur 10 Kilometer und wenige Höhenmeter, kann sie ziemlich anstrengend sein. Sie ist wohl eine der schönsten der Insel, erlebnisreich werden viele Highlights Fuerteventuras passiert. Wer schon am Morgen aufbricht könnte überlegen vom Morro Velosa aufzubrechen und zu Mittag eine Rast an der Casa de la Naturaleza einzulegen. Dazu muss aber ein zweites Auto in Ajuy abgestellt werden, denn es gibt keinen Bus.

Infrastruktur.

In Vega de Río Palmas und Betancuria findet der Besucher einiges an Gastronomie. Nicht alles ist zu empfehlen, die Preise sind für Fuerteventura hoch. Wer vor dem Einkehren Richtung Pájara noch den Aussichtspunkt Mirador de Fénduca mitnehmen will, der wird in Pájara gut bedient. Und auch Ajuy an der Küste kann getrost angesteuert werden.

Schnell gefunden.

Der Barranco de las Peñitas ist leicht zu finden. 500 m nach Vega de Río Palmas, aus Betancuria kommend, zweigt rechter Hand eine Asphaltstrasse in den Barranco ab. Ein Hinweisschild ist dort aufgestellt. Durch lose Gehöfte geht es bis zur Casa de la Naturaleza, wo ein Parkplatz liegt. Hier beginnt der einfache Fussweg in den Barranco hinein. Bis zur Iglesia de Nuestra Señora de la Peña ist es nur einen Kilometer. Erst nach der Kapelle ist ein Höhenunterschied zu bewältigen. 


Romeria Virgen de la Peña Fuerteventura.

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Wallfahrten – Romeria Virgen de la Peña.

Jedes Jahr Mitte September findet die wichtigste Wallfahrt Fuerteventuras statt, die Romeria Virgen de la Peña. Auf Pilgerwegen strömen sternförmig aus allen Ecken der Insel Pilgern nach Antigua und treffen dort Freitag abends ein. Meist in kleinen Gruppen sind sie schon ein, zwei Tage unterwegs. Teenager als sportliche Herausforderung, andere tief gläubig und in traditioneller kanarischer Kleidung. Es wird viel gesungen. Jede Altersklasse, jeder Schicht und auch viele Gläubige anderer Inseln sind dabei. Mitnehmen muss man nicht viel. Auch die Nächte sind zu dieser Zeit sehr warm und meist recht windstill.

Freitag nachts geht es vom Kirchplatz in Antigua gemeinsam los. Dort sammeln sich die Pilger, singen, tanzen und trinken. Hoch über den Berg Tegú (642 m) neben dem Morro Velosa (662 m), über den Höhenkamm, hinunter nach Vega de Río Palmas zur Messe. Danach wird die Alabaster Statue der Virgen de la Peña zur Iglesia de Nuestra Señora de la Peña zu einer Andacht getragen. Wer es von Antigua nicht über den Berg schafft, zu alt oder schwach ist, nimmt den Bus. Eine grosse Flotte der öffentlichen Busse stehen in Antigua bereit, die Gläubige hinüber und zurück fahren. Die FV-30 ist die ganze Nacht für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Insider Tipp

Zur Palmen Oase – Madre del Agua.

Fuerteventura hat viele besondere Orte. Madre del Agua ist einer, den nicht verpasst werden sollte. Unweit des Barranco de las Peñitas liegt die Palmen Oase Madre del Agua​​​​,​ ein Kleinod, traumhaft schön. Mächtige, gut 20 Meter hohe Palmen ragen in den Himmel, schattig ist es, Wasser plätschert.

Die Palmen Oase ist ein Ort, der Besucher in eine andere Welt versetzt. Fast könnte man meinen, sie wurde als Filmkulisse angelegt. Nur, sie wuchst ganz natürlich. Die Natur ist doch der schönste Landschaftsgärtner.

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