Von Hand gebaut – das erste Flugfeld von Fuerteventura.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Tefía war einst der zentrale Knotenpunkt Fuerteventuras nach Europa und zur Sicherung der Interessen Spaniens in der Westsahara, die erst 1975 von Spanien aufgegeben wurde. 1940 bereiste der Spanische Stabschef höchst persönlich das Kanarische Archipel und legte Tefía auf Fuerteventura als optimalen Standort für ein Flugfeld fest. Es konnte von feindlicher Schiffsartillerie nicht erreicht werden. Die Westsahara lag nur rund 100 Km entfernt. Ein strategisch optimaler Standort, um die Interessen in Afrika aus der Luft zu verteidigen und das Archipel mit einer Luftwaffe zu schützen. Übersehen wurde dabei, dass die weite Entfernung von der Küste, das eingebettete liegen in Hügelketten und die Nähe zu Afrika zwar strategisch optimal waren, die schwierigen Windverhältnisse mit Turbulenzen und heftigen Winden durch die Düsenwirkung von Hügeleinschnitten, die 4% Neigung des Flugfeldes quer zur Star- bzw- Landerichtung massive Probleme für die Fliegerei darstellten und dadurch unzählige Unfälle provoziert wurden. Das Anfliegen mit den damaligen Maschinen und Technik war überaus schwierig.

Am 31. Mai 1941 gab der spanische Ministerrat 186.840 Peseten für den Bau des Flugfeldes frei und 20 Männer des 2. spanischen Infanterie Bataillons machten sich mit Einheimischen ans Werk, nur mit Spitzhacken, Schaufel und Körben bewaffnet, ein trapezförmiges und 1,4 Km langes Flugfeld anzulegen. Täglich beluden sie ca. zehn Lastwagen mit Lavagesteinen, um ein freies Feld zu schaffen. Wer das noch gut sichtbare von Lavasteinen freigeräumte Flugfeld besichtigt und das umliegende Malpais (Lavafeld) betrachtet erahnt, dass es sich mehr um Sklavenarbeit gehandelt haben muss, vor allem unter der 300 Tage im Jahr brennenden Sonne. Die Soldaten errichteten sich am Rande des Flugfeldes Holzbaracken. Danach wurde noch das Flughafengebäude gebaut, das schön renoviert aber ohne weitere Bezeichung, auf dem Gebiet des Observatiums bzw. der Jugendherberge "Albergue Juvenil de Tefia" steht und nun als Veranstaltungsgebäude genutzt wird. 

1944 war es geschafft und ein erstes Flugzeug der spanischen Luftwaffe, eine Junker Ju-52, landete am Flugfeld von Tefía. Daraufhin wurde die erste feste Flugverbindung zwischen Kontinental-Europa und Fuerteventura eingerichtet. Eine militärische Verbindung, die regelmässig alle zwei Wochen die Insel anflog. 1946 erwarb die zivile staatliche Luftfahrtgesellschaft Iberia die Lizenz den Flughafen auch mit zivilen Maschinen anfliegen zu dürfen und flog von Tefía aus Gran Canaria und Teneriffa an. Die Strecken wurden ebenfalls mit einer Ju-52 bedient. Das „Abfertigungsbüro“ der Iberia war genau 3 m2 gross und bestand aus einem Stuhl und einer Waage für das Gepäck. Der Flughafen war nur von Puerto del Rosario über eine schlechte Piste zu erreichen. Busverbindungen gab es keine auf der Insel.

General Luis Manzaneque, Air Zone Canary, stellte schliesslich in einem Bericht fest, dass Tefía ein gänzlich ungeeignetes Flugfeld sei. Die schwierigen Windverhältnisse und die schwere Erreichbarkeit von der Hauptstadt Puerto del Rosario, führten sodann zur Errichtung eines neuen Flugfeldes, Los Enstancos, oberhalb von Puerto del Rosario, wo heute das neu errichtete Technologiezentrum vor sich hin träumt. Neben ihm ist noch das leerstehende aber schön restaurierte historische Flughafengebäude zu sehen. Das Flugfeld in Tefía wurde zwar noch offiziell bis 3. Mai 1952 für zivile Flüge offen gehalten, jedoch wurde das neue Flugfeld Los Enstancos am 23. Januar 1950 bereits feierlich durch den Luftfahrtminister General Eduardo González-Gallarza, in Zeiten der spanischen Militärdiktatur, eröffnet. Tefía diente ab dann der Legion, vor allem Fallschirmspringern, die spanisch West-Sahra sicherten, als Übungsgelände für Absprünge. Dort kam es auch am 11. April 1972, durch die tückischen Windverhältnisse, zu einer Katastrophe, als bei der Übung "Maxorata-72" 13 Fallschirmspringer über dem Flugfeld von Tefía in den Tod sprangen. Iberia operierte ab 1950 nur mehr von Los Enstancos und bediente mit 170 Flügen ganze 769 Passagiere im ersten Jahr. Das Flugfeld selbst verlief quer über die Landstrasse FV-10, damals noch reine Piste, die bei Start und Landung von Maschinen gesperrt wurde.

Da auch das Flugfeld in Los Enstancos ungünstig gewählt war und sich der Flugverkehr zu entwickeln begann, wurde nach einem besseren Ort für einen neuen Flughafen gesucht. Es wurde El Matorral. Am 14. September 1969 eröffnete der neue Flughafen. Die erste Linienverbindung von El Matorral starte nach Gran Canaria und wurde mit einer Fokker F27 nach Grand Ganaria bedient. 1973 gab es mit Condor den ersten internationalen Direktflug auf die Insel. Er startete in Düsseldorf. Da vor allem sonnenhungrige Deutsche durch die Tourismuspioniere Rul Bückle, Gustav Schütte und Raul Bückle, die zusammen mit Gustav Winter​​​​​​​ in Jandía den Tourismus entwickelten, von der Sonneninsel und den Traumstränden in Jandía angelockt wurden, folgte ab 1978 der sukzessive Ausbau des Flughafens in El Matorral.

Heute ist der Flughafen​​​​​​​ von Fuerteventura eine topp-moderne Anlage mit 66 Check-in Schaltern, 12 „Fingern“, an denen Flugzeuge direkt andocken können, Einkaufszeile, Restaurants, netter Sonnenterrasse und mehr. Er ist in der Lage an die 6 Millionen Passagiere pro Jahr abzufertigen und arbeitete damit erstmals 2018 an seiner Kapazitätsgrenze.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Tefía – Flugfeld der Sahara Legion

Für wen lohnt der Besuch?

Das Flugfeld Tefía, samt Denkmal und den angrenzenden Gebäuden, ist etwas für Geschichtsinteressierte, für Fuerteventura Fans, die neugierig alle Ecken und die Wurzeln Fuerteventuras entdecken und erkunden wollen. Dort werden keine Attraktionen sondern viel Geschichte gefunden.

Das direkte Umfeld hält natürlich mit den Windmühlen von Tefía, dem Museum Ecomuseo Alcogida, dem Observatorium von Tefía, dem Embalse de Los Molinos und der Cueva de la Ballena an der Bucht von Los Molinos einiges Interresantes bereit, das auf einer Erkundungsliste ganz oben stehen sollte.

Infrastruktur.

Siehe Tefía.

Schnell gefunden.

Das Flugfeld Tefía liegt direkt neben der FV-221. Wer davon keine Kenntnis hat, wird es nicht ausmachen. Lediglich das Fallschirmspringer Denkmal, zu ehren der 13. in den Tod gesprungenen Soldaten, steht verloren in der Weite und wird von kaum jemandem am Weg nach Los Molinos zur Kenntnis genommen. Zu weit ist es von der Bundesstrasse entfernt. Eine anständig fahrbare Piste, wenn auch sehr holprig, führt auch nur vom Eingang des Observatoriums zum Flugfeld nach Westen hinüber.

Wer das Fallschirmspringer Denkmal erreicht, kann aber das trapezförmige Flugfeld sehr gut ausmachen und auch die enorme Arbeit, die dort von einer kleinen Gruppe von Infanteristen geleistet werden musste, erahnen. Es war sicher keine Beförderung zu diesem Dienst eingeteilt zu werden. Zu Zeiten der Militärdiktatur wurde nicht viel nach Befindlichkeiten gefragt.

Touristen, die keinen Mietwagen zur Verfügung haben, können das Flugfeld von Tefía mit der Buslinie Puerto del RosarioVega de Río Palmas erreichen. Da sie für Pendler gedacht ist, werden Touristen damit kaum glücklig werden, denn sie verkehrt in geringer Frequenz zu den Tagesrandzeiten. Seit 1. Dezember 2020 bietet sich eine erstklassige Alternative zum Bus an: Ein Sammeltaxi aus der Hauptstadt Puerto del Rosario. Das Sammeltaxi dreht seine Runden bis nach 22:00 Uhr täglich. Haltestellen, Fahrplan und Tarife hier zum Nachlesen und Download


Puerto de la Cruz Los Molinos Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Puerto de la Cruz – Hafen mit eigenartigem Kreuz.

Der Puerto de la Cruz fällt den meisten Los Molinos Besuchern nicht weiter auf. Er liegt südlich vom Kiesstrand des kleinen Fischerortes Los Molinos. Er war der eigentliche Hafen, über den Getreide verschifft wurde. Tieferes Wasser, eine grosse windgeschützte Bucht und ein Riff, das sie Wellen bricht machen ihn nautisch besser geeignet. In Los Molinos wurden und werden die Fischerboote an den flachen Kiesstrand gezogen. Handelshafen und Fischerreihafen sind auf den Kanaren zwei paar Schuhe.

Auf den Klippen über der Bucht findet sich eine natürliche Saline und ein Fels, mit einem grossen Kreuz. Wann und wer das angebracht hat, kann auch das Gemeindeamt nicht beantworten. In der Bucht lässt sich ruhig in der Sonne liegen. Durchtrainierte Einheimische werden immer wieder gesehen, wie sie mit Flossen zum Riff hinausschwimmen. Das sollte besser nicht nachgemacht werden, denn die Strömungen an den Klippen sind fatal.

Durch den Barranco Puerto de la Cruz lässt sich schön zum Embalse de Los Molinos hinauf wandern. Am eindrucksvollsten ist das am späten Nachmittag, wenn die tiefstehende Sonne im Westen den Barranco in ein spektakuläres Licht taucht. Besonders interessant ist die Wanderung für Birdwatcher und Geologen, wobei die Sperrzeiten (mehrfach an den Zugstiegsmöglichkeiten von der FV-221 angeschlagen) zu beachten sind. Zu diesen Zeiten brüten Zugvögel und auch wenn die Einhaltung nicht scharf kontrolliert wird, sollte das Verbot respektiert werden. Birdwatcher können im Barranco Puerto de la Cruz ihr Beobachtungsbuch reichlich füllen. Geologen werden einen Blick in die Entstehungsgeschichte der Insel werfen können: Sedimente und basaltisches Gestein. Den Leihen wird die punktuelle Farbenbracht des Gesteins, ausgelöst durch Verwitterung und Oxidation des Lavagesteins, faszinieren.

Insider Tipp

11. April – jährlicher Gedenktag mit Messe, Parade und Fallschirmsprung.

Jedes Jahr am 11. April findet zu Ehren der 13. in den Tod gesprungenen Soldaten am Denkmal des Flugfeldes von Tefía eine Messe, Parade und so es die Windverhältnisse zulassen, ein Fallschirmabsprung aus einem Hubschrauber statt. Die gesamte Zeremonie hat grosse Bedeutung, da Kirche wie Militär in Spanien wesentlich grössere Stellenwert als z.B. in Deutschland haben. Hohe Vertreter des Militärs von den Península reisen an, der Kommandant des Infanteriregimentes I/9, auch kurz "Soria No. 9" genannt, dass auf Fuerteventura stationiert ist, sowie alle bedeutenden Mitglieder des Cabildo de Fuerteventura sind anwesend.

Von Teilnehmern, auch Zaungästen, wird angemessene Kleidung erwartet. Mit kurzer Hose und Flip-flops ist man dort falsch. Aufdringliches Fotografieren ebenfalls unerwünscht. Es handelt sich nicht um eine folkloristische Tourismusveranstaltung. Das gesamte Ereignis ist sehr festlich und für die 13 verunglückten Soldaten eine grosse Geste, dass auch nach bald 50 Jahren an sie erinnert wird.

Flugfeld Tefía und das Fallschirmspringer Unglück Maxorata-72 Fuerteventura. Flugfeld Tefía Fuerteventura. Flugfeld Tefía und das Fallschirmspringer Unglück Maxorata-72 Fuerteventura. Flugfeld Tefía und das Fallschirmspringer Unglück Maxorata-72 Fuerteventura. Flugfeld Tefía Fuerteventura. Flugfeld Tefía Fuerteventura. Flugfeld Tefía Fuerteventura. Flugfeld Tefía und das Fallschirmspringer Unglück Maxorata-72 Fuerteventura. Flugfeld Tefía Fuerteventura. Flugfeld Tefía Fuerteventura. Das Abfertigungsgebäude des Flugfeldes in Tefía Fuerteventura. Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Tefía – Flugfeld der Sahara Legion Ju-52 aus dem Jahr 1941. Eine F-27 aus dem Jahr 1972 auf dem Flughafen São Paulo-Congonhas.
Welle