Villaverde – das Beverly Hills von Fuerteventura.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Villaverde ist für die Verhältnisse von Fuerteventura ein Pass. Über den muss, wer von Corralejo nach La Oliva will. 226 m ist der Scheitel hoch, bevor es wieder nach La Oliva hinunter geht. Das mag belustigen, doch schon manch Radfahrer, der nicht mehr so ganz fit ist und im Sommer in Corralejo auf 0 Meter Seehöhe startete, wurde eines bessern belehrt. Nach 20 Km und 226 Höhenmeter, samt extremer Sonnen, Hitze und gelegentlichem starken Gegenwind, war am "Pass" die Luft draussen. Das Vorhaben, nach Betancuria über den Morro Velosa zu kommen, abgesagt. Hier mal 200, da mal 400 Höhenmeter, schnell sind da auch auf Fuerteventura 2.000 Hm am Computer, dazu Sonne, Hitze und immer wieder 40 Km/h Gegenwind oder mehr.

Links und rechts neben dem Pass wird Villaverde, landschaftlich besonders schön, von hübschen Vulkanen umrankt. Westlich vom massiven Montaña de Escanfraga (482 m), östlich vom Montaña de los Saltos (342 m) und südlich vom Montaña del Mollino (277 m). Der Montaña del Molino sieht aus, als ob er als Höhenkamm künstlich errichtet wurde, ist aber "echt Natur". Besser hätte man ihn nicht bauen können, um dort oben Windmühlen zu betreiben. Das Plateau eben wie angelegt und so ausgerichtet, dass der Nordost Passat ungehindert hinweg fegen kann. Und mehr als das, zur Linken und Rechten vom Montaña de Escanfraga und Montaña de los Saltos flankiert, bilden beide ein Düse und bringen den ohnehin schon starken Passatwind nochmal richtig auf Hochtouren.

Die meisten Touristen besuchen Villaverde ausschliesslich, um auf den "Berg der Mühle", den Montaña del Molino, hinauf zu fahren. Die Piste ist aber schwer zu finden, Wegweiser gibt es keine und hinaufgehen mag Niemand. So werden dort oben wenige Touristen gesichtet. Das obligatorische Selfie ist auch von unten gut und schnell gemacht. Die beiden Windmühlen bilden ein absolutes Traummotiv, der Blick hinüber nach El Jable ist herrlich, daher sollte der Ort nicht verpasst werden. Einen noch schönerer Ausblick kann aber geniessen, wer auf Escanfraga oder los Saltos aufsteigt. Zwei absolut empfehlenswerte Vorhaben. Auf den Montaña de Escanfraga geht es Querfeld ein aber völlig unschwierig. Auf den Montaña de los Saltos führt ein nicht ausgezeichneter Steig leicht auf den Gipfel. Auf dem Montaña de los Saltos jemanden zu treffen ist theoretisch möglich, wenn auch unwahrscheinlich, am Montaña de Escanfraga fast ausgeschlossen. Am Escanfraga wird es aber einmal im Jahr zu ungewöhnlicher Zeit belebt. Dann veranstaltet die Gemeinde La Oliva ein Crosscountry Rennen auf den Berg und damit das besonders spektakulär wird bei Nacht.

Wanderer, Botaniker und Birdwatcher kommen nach Villaverde, um das Lavafeld Malpais de la Arena zu besuchen, in der herrliche und erstaunlich reiche Natur gefunden wird. Lava floss in mehrere Ausbrüchen gemächlich vor gerade mal 10 tsd. Jahren aus dem Montaña de la Arena hinunter nach Lajares. Generell waren die Lavaergüsse, auch jene der Vulkankette bei Lajares, allesamt nicht eruptiv.

Eine sehenswerte Sache wäre auch die Lavahöhle "Cueva del Llano", wenn sie denn mal offen hätte. Seit Jahren weiss die Dame, die am Empfang des Minimuseums eisern ausharrt, das normalerweise besichtigt wird bevor mit Helm und Lampe in die Höhle gestiegen wird, immer einen neuen Grund, warum gerade heute auch geschlossen ist: Die starken Regenfälle, das letzte Erdbeben und aktuell sind es die Erschütterungen durch die Bauarbeiten einer neuen Siedlung.

Bei Einheimischen und Zugereisten erfreut sich Villaverde bei den besser Situierten und erfolgreichen Unternehmern des Nordens als beliebtes Wohngebiet. Befreit von Touristen ist man dort ganz unter sich aber nicht fernab vom Schuss. Über die neue Autobahn schnell beim Flughafen oder in Puerto del Rosario zum Einkaufen. Die Kids haben es nicht weit zur Schule. Wer in die hinteren Ecken des Ortes spaziert, wird schöne Fincas entdecken. Aufgeräumt und ordentlich ist es auch.

Der Ausblick vom Montaña de los Saltos Villaverde Fuerteventura.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Geschichtlich ist über Villaverde nicht viel aufgezeichnet worden. Auf alten Aufnahmen, die Feldarbeiter Anfang des 21. Jhd. auf der Ebene von La Oliva gegen Villaverde zeigen, ist ausser dem einen oder anderen Gehöft nichts zu sehen. Eine Windmühle, eine lose Ansammlung von Gehöften und das wird es gewesen sein. Viel ist geschichtlich nicht dokumentiert. Aufnahmen die La Oliva zeigen, immerhin bis Mitte des 19. Jhd. Sitz der Militärkommandatur der Insel, sieht es nicht anders aus: Die Casa de los Coroneles umgeben von Wirtschaftsgebäuden auf weitem Feld. Daneben auch auf weitem Feld ohne umliegende Häuser die Kirche von La Oliva die  Iglesia Nuestra Señora de la Candelaria. Zu Zeiten der Conquista dürfte jedoch die Ebene unterhalb von Villaverde, in der das heutige La Oliva liegt, die grösste feste Siedlung der Majoreros im Norden gewesen sein. Auch dürften die Majoreros die diversen Vulkanhöhlen, die der Vulkan Montaña de Escanfraga (482 m) gebildet hat wie die Cueva del llano, genutzt haben. Ob sie als Grabstätte oder anders genutzt wurden ist noch nicht bekannt. Dem aufmerksamen Autofahrer wird auf der FV-101 am Ortsende von Villaverde rechter Hand Richtung Corralejo, dort wo das Gefälle beginnt, ein eingezäuntes und mit einem Flugdach versehenes Grundstück, auffallen. Dort ist ein Höhleneingang, der in den 1980iger entdeckt aber nur grob erkundet wurde. Erst Anfang 2019 wurden archäologische Probegrabungen durchgeführt und Tongefässe, die prähispanisch datiert wurden, kamen zum Vorschein. In der zweiten Hälfte von 2019 sollen systematische Grabungen und Erkundungen der wohl recht langen, röhrenförmigen Lavahöhle durchgeführt werden. Die Finanzierung will die Gemeinde La Oliva übernehmen.

Auch von der kleinen aber hübschen Kirche von Villaverde, die Ermita de San Vicente Ferrer, ist nicht bekannt wann und durch wen sie erbaut wurde. Erstmals schriftlich erwähnt wird sie durch den Bischof Antonio Tavira y Almazán (* 1737 – † 1807) von Las Palmas in seinen Reiseaufzeichnungen von 1792 *). Almazán reiste über Fuerteventura, um sich einen Überblick über seine Schäfchen und Kirchen zu machen. Interessanter Weise ist die Kirche einem sehr aussergewöhnlichem Heiligen gewidmet, dem Dominikaner Mönch aus Valencia Vicente de Ferrer (* 1350 – † 1419). Er pflegte Kontakte zum Königshaus von Aragón, unterstütze als Gelehrter den Gegenpast als den rechtmässigen, sah sich dann aber berufen, als Wanderprediger durch Kastilien, Süd-Fankreich und die Lombardei zu ziehen. Man sagt ihm eine ausgesprochen charismatische Persönlichkeit nach. Es gelang ihm immer wieder Mauren und Juden zum Christentum zu bekehren und nicht selten kam es dort, wo er auftauchte, zu, wie man heute sagen würde, extremistischen Ausschreitungen von Katholiken. Wie das mit dem "Bekehren" genau ablief, ist nicht dokumentiert, kann man sich aber vorstellen. Wer die Kirche innen besichtigen will, wird nicht drum herum kommen, am Samstag um 11:30 die wöchentliche Messe zu besuchen. Nur dann ist sie offen. Zu sehen gibt es im Inneren nichts, was den Kirchgang ausser in Glaubensangelegenheiten rechtfertigen würde. Und so sollte es ja auch sein. Am 5. April, der Tag des San Vicente Ferrer, ist Fiesta am Kirchplatz.

Die Wirtschaft von Villaverde widmet sich ausschliesslich der Landwirtschaft. Im Frühling nach der Regenzeit wird jedem klar, warum Villaverde, das grüne Dorf, seinen Namen trägt. Sehr fruchtbar ist es. Unterhalb des Montaña de Escanfraga bilden sich sogar ausgedehnte Blumenwiesen. Wer das zum ersten mal sieht, reibt sich die Augen und denkt zunächst an eine Fata Morgana. Was landwirtschaftlich angebaut wird, variiert sogar jährlich sehr nach Nachfrage und Preisen. Kanaren sind Improvisations-Talente. Anders war und ist als Landwirt nicht zu überleben. Organisiert haben sich die Landwirte in einer Genossenschaft, der Coperativa del Campo de Villaverde, mit gemeinsamen Maschinenpark und Lagerhalle. Zur Fiesta zu Ehren des San Vicente Ferrer hoffen die Landwirte jedenfalls auf Sonnenschein, denn „Ist Sankt Vinzenz Sonnenschein, bringt es viele Körner ein.“ sagt die Bauernregel. Bei 300 Tagen Sonnenschein stehen die Chancen gut.


*) Sáenz, Maria Ines Cobo: El Obispo Tavira (1737–1807): su contribución a la modernización de las Islas Canarias. Wien, 2004.

Die Windmühlen am Montaña de los Saltos Villaverde Fuerteventura.

Für wen lohnt der Besuch?

Villaverde zieht ein eigenes Publikum an: Touristen, die nicht hauptsächlich wegen der Strände nach Fuerteventura kommen, sondern wegen der Ruhe, Entspanntheit, dem guten Wetter und weil ausserhalb der Zentren El Cotillo, Corralejo, Costa Calma und Morro Jable Tourismus kaum existent ist. Ursprünglich, nicht kommerziell, man hat seine Ruhe.

So urlauben in Villaverde Yogis, die das seit Jahren erfolgreich betriebene und im Ort versteckt gelegene Yoga Retreat besuchen. Auch bei Wanderer ist Villaverde beliebt, da es einige interessante Touren gibt. Birdwatcher, Geologen und Botaniker können Tage im Malpais de la Arena verbringen.

Generell ist das Publikum eher gesettelt, die Brieftasche voller, gegessen wird nicht in Vollpension, man probiert Gastronomie, erkundet die Insel mit dem Mietwagen, entspannt am Pool des Landhotels und fährt auch mal an den Strand, aber nicht nur. Auch dafür ist Villaverde perfekt, denn einige der schönsten Strände Fuerteventuras, jene von El Jable, sind mit dem Auto in 15 Minuten zu erreichen. Weit, einsam mit türkisfarbenem Wasser sind sie.

Tagestouristen kommen eigentlich nur aus zwei Gründen nach Villaverde. Dem einen, sich die fotogenenWindmühlen anzusehen, dem anderen, die Gastronomie zu probieren.

Messen in der Ermita de San Vincente de Ferrer:

  • Jeden Sonntag 11:30 Uhr

Infrastruktur.

Villaverde bietet die eine oder andere recht interessante Gastronomie und Übernachtungsmöglich an. Seit 2017 gib es neben dem Tante Emma Laden, den es wohl bald nicht mehr geben wird, auch einen modernen Supermarkt. Bis auf ein sehr empfehlenswertes kleines Einrichtungs- und Deko-Geschäft, richten sich die restlichen Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistung an Landwirte wie eine Eisenwarenhandlung, ein Baumarkt nich gross aber gut sortiert, Landmaschinenverleih der Agrargenossenschaft. Auch ein grosses Unternehmen, das Wind- und Sonnenenergie Anlagen samt Batterielösungen anbietet, Anlagen plant und installiert, wird dort erfolgreich seit 2001 als "solarland sl" betrieben.

Villaverde wird von zwei Buslinien gut an die gesamte Insel angebunden. Taxis fahren aus Corralejo an, was aber nicht berechnet werden darf. Es kann also getrost zum Hörer gegriffen werden. Die Fahrt nach Corralejo ist preiswert.

Schnell gefunden.

Villaverde liegt links und rechts der FV-101, die La Oliva mit Corralejo verbindet.

Villaverde ist gut mit zwei Buslinien auch direkt aus der Haupstadt zu erreichen. Vom Flughafen wird es mit nur einmal umsteigen gut erreicht.


GR-131 – auf der Grande Ruta nach Lajares wandern.

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GR-131 – auf der Grande Ruta nach Lajares wandern.

Der GR-131, die Grande Ruta, ist der Wanderweg, der von Corralejo bis zum Punta de Jandía führt. Ein Teilstück läuft von Villaverde nach Lajares und quert dabei das Malpais de la Arena, das erst vor 10 tsd. Jahren entstanden ist. Besonders schön wird es dort am späten Nachmittag. Das Streiflicht aus Westen präsentiert dann das Lavafeld mit der interessanten Pflanzenwelt wie ein Gemälde, profiliert es. Alles tritt plastisch hervor.

Unterwegs kann auf den kleinen Vulkan Montaña de los Saltos, Berg der Sprünge, aufgestiegen werden. Dort bietet sich ein grandioser Ausblick auf Villaverde und El Jable und seine Strände. Im Mallpais wird man mit Agaven, Feigenkakteen und anderen Gewächsen überrascht und ist gerade ein regenreicher Frühling, entstehen Blumenmeere. Wie ein Märchen, in dieser kargen Landschaft. In Lajares kann sich der Wanderer in der guten Gastronomie belohnen und mit dem Bus in kaum 15 Minuten zum Ausgangspunkt zurück fahren.

Insider Tipp

Angriff auf die Figur – "Mi Dulce Hogar" – "Mein süsser Ofen".

Gegenüber des "Colegio de Villaverde", der Grundschule des Ortes, liegt ein unscheinbares Geschäftslokal mit Mini-Terrasse und ein paar Tischchen im Inneren: "Mi Dulce Hogar". Eine Konditorei, die allerlei Süsses selber zaubert. Es kann nicht nur an der Theke gekauft werden, sondern auch an den wenigen Tischen direkt nach dem Kauf samt gutem Café konsumiert werden. "Mi Dulce Hogar" ist sehr beliebt und gut besucht. Dort treffen sich auch gerne Eltern bevor sie ihre Kids von der Schule abholen. Spanier sind "Golosos", Leckermäuler und stellen gerne Figurthemen hinten an.

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