El Roque – befestigter Stützpunkt der Eroberer.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

El Roque ist ein verschlafener Ort. 230 Einwohner hat er. Das ist für Fuerteventura gar nicht so wenig, wo zweidrittel der rund 100 tsd. Einwohner in Puerto del Rosario leben. Obwohl ganz und gar nichts in El Roque  los ist, der einzige Gastronomiebetrieb schon vor Jahren schloss, ist der Ort nicht uninteressant, historisch auf jeden Fall, wie unten zu lesen sein wird. Wer durch den Ort spaziert, wird entdecken, dass er ein gewisses Flair hat. Alte Palmen, Käse ab Hof Verkauf, eine Kirche, die einem Mulatten gewidmet ist, dessen Heiliger zur Fiesta im Sommer auf die Schutzheilige von El Cotillo trifft, einige schöne alte Casitas, die renoviert wurden und als Ferienunterkunft gemietet werden können, daneben Häuser die verfallen. Trotzdem, aufgeräumt und sauber ist es und irgendwie hat der Ort etwas. Jeder wird es anders empfinden, gemütlich oder auch die heile Welt im kleinen. Hier kommt nichts weg, die Türen stehen offen.

Wer in El Cotillo urlauben will, die schönen Strände dort besuchen möchte und wem es dort durch den Tourismusboom etwas zu voll geworden ist, der kann sich in El Roque nach einer Casa Rural, einem Landhaus, umsehen, denn das eine oder andere nette ist zu finden. Den grossen Supermarkt am Ortseingang von El Cotillo erreicht man zu Fuss und auch die Strände sind zu Fuss, wenn querfeldein gegangen wird, schnell zu erreichen. Dann ist auch La Concha und der Playa del Castillo aka Piedra Playa nicht aus der Welt.

Ein Ort in Spanien ohne Kirche ist nicht denkbar und so wurde in den 1980igern eine neue Kirche, die dem heiligen San Martín de Porres (* 1579, Lima – † 1639, Lima) geweiht wurde, errichtet. Ein lateinamerikanischer Mulatte, also ein Produkt der spanischen Conquista, eines spanischen Eroberers und einer indigenen Frau Limas. Das die Kirche einem spanisch-indigenen Heiligen geweiht wurde, überrascht vielleicht ist aber nicht unbedingt überraschend. Über Jahrhunderte entstanden durch wechselseiten Austausch zwischen Kanaren, Kuba und Lateinamerika enge Bande, kulturell und familär. Die Heiligenstatue in der Kapelle von Puerto Lajas stammt z.B. aus Kuba und ist keine Marienstatue sondern eine Voodoo Göttin. Karibische und Lateinamerikanische Spuren sind überall zu finden.

Richtung Piedra Playa wird auf eine der 38 erhaltenen historischen Windmühlen von Fuerteventura gestossen. Eine männliche Windmühlen, eine El Molino, von der es noch 23 gibt, 15 der jüngeren weiblichen Mühlen, La Molina, existieren auch noch. Die Mühle ist ein herrliches Fotomotiv aber auch in Lajares, VillaverdeTefía finden sich gute Motive. Wissenswertes zu den Mühlen gibt es im Mühlenmuseum in Tiscamanita.

Die Festbühne vor der Kapelle San Martín de Porres El Roque Fuerteventura.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

Dafür, dass alles in El Roque mit den normannischen Erobern begann, ist wenig zu sehen. Irgendwie ist das in Vergessenheit geraten. Selbst die 230 Bewohner des Ortes wissen nicht wirklich, auf welch historisch bedeutendem Boden sie wohnen. "El Roque", der Turm, dort errichteten die Normannen eine Befestigung, Ende 1402 Anfang 1403, dürfte das gewesen sein. Genau weiss man es nicht. Es war der erste Stützpunkt auf Fuerteventura, hiess ursprünglich "Richeroque" (die Normannen sprachen Französisch) und wurde von Lanzarote aus über den Naturhafen "Puerto de Richeroque", dem heutigen El Cotillo, erreicht. Das Fort war jedoch nicht permanent besetzt. Erst als die Conquista von Fuerteventura im November 1404 begann, bezog Jean de Béthencourt Stellung in "Richeroque", während Mitstreiter Gadifer de La Salle am Arco del Jurado an Land ging, um die Majoreros im Norden der Insel, Maxorata, in die Zange zu nehmen.

Bevor die Eroberung Fuerteventuras sartete, sassen die normannischen Erobern schon auf Lanzarote im dort errichteten Stützpunkt "Fort Rubicon". Lanzarote wurde nur von 300 Ureinwohnern, Mahoh genannt, besiedelt. Die stellten keine grosse Gefahr dar. Von "Fort Rubicon" konnte leicht nach Fuerteventura übergesetzt werden, um einen Brückenkopf zu errichten.

Die Normannen kamen aber nicht von Corralejo, was in Bezug auf das Übersetzen deutlich leichter gewesen wäre, sondern aus El Cotillo auf die Insel. El Cotillo, das ehemalige "Puerto de Richeroque" das bis ins 19. Jhd. "Puerto del Roque" genannt wurde. Der Ort war nicht zufällig gewählt, denn es gab auf Fuerteventura zwei Königreiche und das nördliche, Maxorata, hatte seine zentrale Siedlung in La Oliva. Angeblich und daher stammt wohl der Name, war die Ebene sehr fruchtbar und mit wilden Olivenbäumen bewachsen. Noch heute bewässert die Fuente de Tababaire die fruchtbare Ebene.

Reste eines Turmes oder ähnliches sind in El Roque nicht zu finden. Auf Lanzarote sind die Überreste des Stützspunktes "Fort Rubicon" teils erhalten und archaeologisch aufgearbeitet. In El Roque machte sich bisher noch niemand auf die Spurensuche nach der alten Wehranlage. Fuerteventura ist jene Insel des Archipels, die historisch am schlechtesten bzw. überhaupt kaum archaeologisch aufgearbeitet wurde. Weder fand je eine systematische Grabung statt noch eine C14 Bestimmung, ausgenommen auf der Isla de Lobos in der Bucht Playa de la Caleta, wenn das Fuerteventura zugerodnet wird.

Ausser der Fiesta zu Ehren des Heiligen San Martín de Porres, die sich aber auch eher wie ein Nachbarschaftsfest von El Cotillo anfühlt und der kleinen Nachtwallfahrt zur Virgen del Buen Viaje von El Cotillo, kann in Bezug auf El Roque von keinen grossen kulturellen Ereignissen berichtet werden.

Wirtschaftlich ist auch eher weniger los in El Roque. Geschäfte oder Betriebe gibt es keine. Lediglich "Quesos El Roque" in der Calle Pedro Mendez Fajardo, bietet Ziegenkäse ab Hof an. Geregelte Öffnungszeiten gibt es nicht. Verkauf findet statt, wenn der Caballero zugegen ist. Zu erkennen, wenn sein Pickup vor dem Haus steht. Daher kaufen bei ihm eher Einheimische. Touristen werden nicht gesichtet.
 

Die Windmühle von El Roque Fuerteventura.

Für wen lohnt der Besuch?

Wer sich näher mit der Geschichte Fuerteventuras befasst wird feststellen, vieles, dass so uninteressant wirkt, ist deutlich interessanter als angenommen. Das gilt auch für El Roque.

Messen in der Ermite de San Martín de Porres:

  • Jeder 3. Samstag im Monat 18:00 Uhr

Infrastruktur.

In El Roque sind eine Handvoll netter Landhäuser zu finden, in denen sehr individuell der Urlaub genossen werden kann. Es ist nicht schlecht auf den Begriff "Toprural" zu achten, denn das sind zertifizierte Unterkünfte, die Qualitätsstandards erfüllen müssen. Es ist auch in der Regel Garant, dass es keine bösen Überraschungen vor Ort gibt, denn bei Ärger kann sich der Gast an die Gemeindeverwaltung wenden, die Beschwerden auch tatsächlich verfolgen. Dazu kommt es aber so gut wie nie, da niemand sein "Toprural" Zertifikat verlieren möchte. Zu finden ist diese überaus preiswerte Art auf Fuerteventura zu urlauben auf der Toprural Website.

Wer gerne reitet, kommt in El Roque auch auf seine Kosten. Dort gibt es einen Reitstall betrieben von der Deutschen Tara. Wer lieber surfen geht, der ist in zehn Minuten über den Fussweg am Ortseingang von El Cotillo wo drei Surfschulen liegen. Dort können auch Fahrräder gemietet werden. Eine aktive Yoga Community ist dort auch angesiedelt.

El Roque ist eine gute und kaum ins Auge gefasste Alternative zu El Cotillo. Nachdem es aber nur wenig Quartiere gibt, muss rechtzeitig gebucht werden.

Schnell gefunden.

El Roque liegt direkt an der FV-10, die von Puerto del Rosario über La Oliva und LajaresEl Cotillo erreicht. Auch eine Busstation versorgt den Ort über die Buslinie No. 8 und 7.

Nach El Cotillo und Lajares führt ein Radweg, sodass nicht die befahrene FV-10 genommen werden muss, so kein Mietwagen verfügbar ist.


Betancuria – historische Hauptstadt der Kanaren.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Zum zweiten Brückenkopf – nach Betancuria.

El Roque und Betancuria gehören strategisch zusammen. Zwei Brückenköpfe, mit denen die normannischen Eroberer die Majoreros in die Zange nehmen wollten. Im Gegensatz zu Teneriffa und Gran Canaria ging es auf Fuerteventura aber unblutig ab. Die rund 1.700 Majoreros hatten keine rechte Lust zu kämpfen, zu holen gab es ja auch eigentlich kaum etwas, so ergab man sich und liess sich taufen. Ein guter Entschluss, tat nicht weh und als Christenmensch kam man als Sklave nicht mehr in Frage. Die Normannen merkten bald, das Fuerteventura sehr unergiebig ist und wandten sich erfolglos Teneriffa zu. Dort stiessen sie auf über 30 tsd. Guanchen, die sich 100 Jahre zur wehr setzten.

In der schönen kleinen Stadt Betancuria, sind die Reste dieser Zeit zu entdecken. Das Kloster, das die beiden geschickten Benediktiner Mönche gründeten, britische Kanonen, die man von Korsaren erbeutete und mehr. Betancuria ist ein hübsches Städtchen und auch seine Umgebung hat viel zu bieten wie das Vega Río de Palmas.

Insider Tipp

San Martín de Porres trifft die Virgen del Buen Viaje.

Wer im Sommer zur Zeit der Fiesta Virgen del Buen Viaje in El Roque oder Umgebung urlaubt, sollte das Fiesta Programm studieren. Nicht nur, dass es über eine Woche rund geht, im kleinen Ort, denn die Fiesta ist Kult auf den gesamten Kanaren und tausende Menschen fallen über El Cotillo her, denn das eigentliche Programm, neben dem Feiern, ist sehr stimmungsvoll. So startet nach einer nächtlichen Messe jeweils in El Cotillo und El Roque ein Zug mit der bzw. dem Schutzheiligen von der Kirche. Die FV-10 ist gesperrt und beide Heiligenstatuen treffen sich am Ortseingang von El Cotillo. Dann geht es vereint weiter zum Hafen, wo eine kurze Messe abgehalten wird und die Fiesta mit viel Musik und Tanz weiter geht.

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