Embalse de los Molinos – Staudamm für ein gescheitertes Landwirtschaftsprojekt.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Die Geschichte des Embalse de los Molinos und des dort gelegenen kleinen Dorfes "Las Parcelas", oder wie es anfänglich zur Gründung genannt wurde "Colonia Agrícol García Escámez", ist eng mit der Franco Diktatur verbunden. Der Namensgeber der Kolonie "Francisco García Escámez y Iniesta" war führender Kopf des spanischen Bürgerkrieges und später Oberbefehlshaber der kanarischen Inseln.

Der spanische Bürgerkrieg begann kurioser Weise auf Teneriffa im Esperanza Wald, erreichte die Kanaren jedoch nie kriegerisch. Aber es wurden politisch Verfolgte in grossem Umfang auf das Archipel in Straflager deportiert. Besonders auf Fuerteventura fanden sich glühende Franco Anhänger. Der General dankte es später. Wer genau hinsieht, wird in Corralejo, Puerto del Rosario, Antigua und La Oliva noch Strassen finden, die seinen Namen tragen. Das dies mittlerweile gesetzlich verboten ist, stört im Cabildo offensichtlich niemanden.

Diktator Franco, "el caudillo" ("der Führer"), vergass die Loyalität nicht, besuchte 1950 Fuerteventura höchst persönlich und versprach es wirtschaftlich aufblühen zu lassen. Um die Prosperität glorreich voranzutreiben, besuchte der Finanzexperte und Zivilgouverneur von Las Palmas, José García Hernández, am 8. Mai 1950 mit einer Entourage spanischer Ingenieure, die von der Peninsula angereist waren, Fuerteventura. Es wurden Pläne entworfen, Fuerteventura landwirtschaftlich in Schwung zu bringen und in dem Zuge auch das Embalse de los Molinos als Projekt initiiert. Gleichzeitig wurde die Errichtung einer landwirtschaftlichen Kolonie, das heutige "Las Parcelas", am Staudamm beschlossen. Dort sollten Linientreue am Aufschwung arbeiten.

Eine Idee, wer die Arbeit für den ins Auge gefassten Staudamm stemmen würde, gab es auch schon. Es wurde unweit in Tefía eine Strafkolonie für unliebsame Regime Gegner, Homosexuelle und "Landstreicher" eingerichtet, das "91 Batallón Disciplinario de Soldados Trabajadores Penado". Sie lebten in Baracken, die heute noch teils erhalten sind, jene in denen nun die Jugendherberge am Observatorium von Tefía betrieben wird. Bis zu 1.500 Menschen waren es. Das Leben war hart, gearbeitet wurde ausser Sonntag jeden Tag. Waschen durften sich die Gefangenen nur am Samstag. Das Wasser wurde aus dem grossen Becken geholt, dass heute noch steht und wie ein Schwimmbad aussieht. Das Straflager war von 1956 bis 1966 in Betrieb. Zäune brauchte es keine. Wer floh, verdurstete und verhungerte irgendwo auf der Insel. Wieviel umkamen, darüber hüllt man sich in Schweigen.

Nachdem die Pläne fertig waren, wurde Anfang der 1950iger mit der Errichtung des Staudammes begonnen, der ca. 2 Km lang, 200 m breit ist und eine maximale Tiefe von 5 m aufweist. Die Kapazität ist 210.000 Kubikmeter, die Staumauer rund 40 m hoch. Wie in Spanien üblich, arbeitete die Verwaltung zwar langsam, dafür besonders akribisch und so sind die gesamten Erstellungskosten dokumentiert und betragen exakt 1.398.260,92 pesetas. Voll wurde das Embalse de los Molinos natürlich nie. Es verlandete sofort, zwar nicht ganz so schlimm wie jenes des Presa de las Peñitas im Vega de Río Palmas, aber richtig zu gebrauchen war es auch nie. Zum Vergleich das Embalse de las Peñitas kostete nur 282.088,22 pesetas.

Die Idee um den ganzen Staudamm war, in der Ebene "La Laguna" eine landwirtschaftliche Kolonie zu errichten, eine blühende Agrarlandschaft. Die ärmsten Familien Fuerteventuras konnten sich bei der Inselverwaltung bewerben diese Kolonie zu besiedeln und zu bewirtschaften. 33 Familien wurden ausgewählt, erhielten ein Haus und ein Stück Land. Dies alles ist fast ausschliesslich noch im Besitz der ursprünglichen Familien. Auch die Kosten für "Las Parcelas" bzw. "Colonia Agrícol García Escámez" wurden akribisch notiert und sind in den Inselarchiven mit 899.327,96 pesetas dokumentiert.

1962 wurde die Gesellschaft Cía. de Construcciones Hidráulicas y Civiles, S. A. beauftragt, die Mauer des Embalse de los Molinos in Stand zu setzen und auszubauen. Das "91 Batallón Disciplinario de Soldados Trabajadores Penado" stand nicht mehr zur Verfügung. Die Arbeiten verschlangen enorme 6.198.309,75 pesetas, doch das alles nutzte nichts. Schliesslich musste die Sinnlosigkeit des Projektes eingesehen werden und es wurde 1987 zum Naturschutzgebiet erklärt. Heute freuen sich die Zugvögel, Ornithologen und Birdwatcher darüber. So erhielt es spät aber doch noch eine sinnvolle Bestimmung.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los Molinos

Für wen lohnt der Besuch?

Das Embalse de los Molinos ist Ziel der Birdwatcher. Mehr als 300 Arten können beobachtet werden. Zugvögel überwintern und brüten am Staudamm und im Barranco de los Molinos. Im Gegensatz zum Barranco de los Molinos herrscht in der Winterzeit kein Betretungsverbot und so können am Staudamm seltene Zugvögel beobachtet werden. Am Nordufer ist eine kleine Beobachtungsstation zu finden, die von der Federación Ornitológica Canaria betrieben wird.

Nicht nur für Birdwatcher ist der Besuch des Staudamms interessant. Vom südlichen Hügel über dem Damm bietet sich ein herrlicher Ausblick. Wer dort oben nach Osten weiter wandert, trifft auf einen einsamen Barranco. Auch dort ist eine gute Ecke für Birdwatcher. Im Barranco ist es im Sommer feucht schwül. Üppig wächst wilder blauer Tabak und Ginster. Den Tabak zu rauchen lohnt nicht. Er enthält nur sehr wenig Nikotin.

Für Besucher der Insel, die begeisterte Geocacher sind, hat Sunnyfuerte ein interessantes Cache am Stausee gelegt. Die Details unter Geocaching mit Sunnyfuerte.

Infrastruktur.

Siehe Tefía und Puertito de los Molinos.

Schnell gefunden.

Der Embalse de Los Molinos wird von Tefía aus über die FV-221 erreicht. Die Piste zweigt in einer scharfen Rechtskurve unscheinbar linker Hand rechtwinkelig ab, kurz bevor es steil abwärts nach Puertito de los Molinos geht. Bisher konnte man sich an drei Gehöften orientieren. Die wurde aber 2018 geschliffen. Danach stellte die Gemeinde ein kleines Hinweisschild "presa Los Molinos" auf, das leicht zu übersehen ist. "Presa" ist die kanarische bzw. lateinamerikanische Variante für Staudamm. "el preso" steht für "der Gefangene", "la presa" für "die Gefangene" und da "la aqua" weblich ist, eben "presa", für das gefangene Wasser. Amtlich heisst der Staudamm aber "Embalse de los Molinos".


Museo del Queso Majorero Antigua Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Unter Wert – Museo del Queso Majorero.

Das neue, schöne Museo del Queso Majorero in Antigua, verkauft sich unter Wert, denn es gibt viel mehr zu sehen als nur alles über und rund um Ziegen und Ziegenkäse. Eine begebare Windmühle, einen botanischen Garten und ein Haus, das sich komplett mit Fauna, Flora und Geologie der Insel beschäftigt wird ebenso geboten. Das Museum ist eine ideale Ergänzung für jene, die sich für die Natur um das Embalse de Los Molinos interessieren.

Die Präsentation im Museum ist didaktisch und optisch sehr gelungen. Pflanzen künstlich nachgebildet, Touchscreens führen mit Bildern und Videos durch die reiche Vogelwelt der Insel und mehr ist zu sehen. Das Museum ist gerade einmal 20 Km vom Staudamm entfernt und ist problemlos mit dem Mietwagen in 20 Minuten zu erreichen.

Insider Tipp

Birdwatching im Brutgebiet – Barranco de los Molinos.

Der Barranco de Los Molinos, nicht zu verwechseln mit dem Barranco Puerto de la Cruz, ist ein streng geschütztes Brutgebiet für Zugvögel. Er liegt nördlich gegenüber dem Wasserlauf, der aus dem Embalse de los Molinos in die Bucht Puerto de la Cruz fliesst.

Abgesehen davon, dass der Barranco landschaftlich wunderschön und völlig einsam ist, keine Menschenseele wird dort angetroffen, ist er wegen der Nistplätze und dem Wasser eine bevorzugte Ecke für Zugvögel. Er kann durchwandert werden und endet direkt in der Bucht von Puertito de los Molinos. Wahrlich ein Paradies für Birdwatcher. In der Zeit, in der Zugvögel dort brüten, herrscht absolutes Betretungsverbot für jedermann. Die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden ist gering, selbstredent aber, dass sich jeder Birdwatcher als Botschafter seiner Gemeinschaft daran hält. Von den Klippen des Barrancos kann aber mit dem Feldstecher gut der Barranco beobachtet werden. So kommen Birdwatcher auch in der Brutsaison legal auf ihre Kosten.

Betretungsverbot: 1. Februar – 31. Juli

Der Abzweig zum Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Die landwirtschaftlichen Ebenen von Tefía.Die landwirtschaftlichen Ebenen von Tefía.Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosDer alte Kalkofen am Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosSehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Los Molinos – Embalse de Los MolinosDer Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Staudamm Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Inspektionsgang des Staudamms Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Inspektionsgang des Staudamms Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Inspektionsgang des Staudamms Embalse de Los Molinos Fuerteventura.Der Inspektionsgang des Staudamms Embalse de Los Molinos Fuerteventura.