La Ampuyenta – Doctor Mena und der Mönch Fray Andrés.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

La Ampuyenta (290 m) ist ein verschlafenes kleines Dorf mit 234 Einwohnern (2018), das eigentlich einmal das Inselkrankenhaus beherbergen sollte. Ein prominenter und international renommierter Arzt, Doctor Mena, hinterliess dafür ein enormes Erbe. Das Krankenhaus "San Conrado y San Gaspar" wurde auch gebaut, ging aber nie in Betrieb, da Puerto de Cabras gerade zur Inselhauptstadt aufgestiegen war und nicht dulden konnte, dass die wichtigste soziale Einrichtung von Fuerteventura irgendwo am Land angesiedelt wird. So wurde die Inbetriebnahme boykottierte. Die Bevölkerung hatte daher aus politischen Gründen lange Zeit kein Krankenhaus auf der Insel. Der normale Bürger interessierte in einer Gesellschaft, in der wenige vermögende Familien das Sagen hatte, niemanden. Das hat sich bis Heute kaum geändert, die Namen sind dieselben geblieben. Das interessante Haus des Doctor Mena und seine Geschichte ist in La Ampuyenta zu besichtigen, wie auch der schöne Bau des Krankenhauses, der bis heute keine richtige Verwendung gefunden hat.

Neben Doctor Mena hat das kleine Dorf einen weiteren prominenten Sohn, Andrés García Acosta der nach Uruguay auswanderte und dort dem Franziskaner Orden beitrat. Er wird noch heute in Uruguay und Chile hoch verehrt, da er sein Leben ausschliesslich den Belangen der armen Bevölkerung widmete. In Lateinamerika ist Andrés García Acosta nur als "Frailito Andrés" bekannt, sein Ordensname ist Fray Andrés, also Bruder Andrés. Liebevoll verwendet die Bevölkerung die Verkleinerungsform des Begriffs "Mönch", "frailito" von "fraile". Sein Geburtshaus wird auch in La Ampuyenta gepflegt. An seinem Todestag findet alljährlich eine Gedenkfeier statt. Davor findet sich eine Büste von Andrés García Acosta. Freilito Andrés wurde übrigens in der Iglesia Santa Ana in Casillas del Ángel und nicht in der Dorfkirche von La Ampuyenta, Ermita San Pedro de Alcántara, getauft. Das mag verwundern, es gab aber eine klare Hackordnung. Santa Ana war und ist eine "parroquial", also eine Gemeinde-, Pfarrkirche und nur dort wurde auch getauft. Das hat sich bis heute nicht geändert, in der Gemeinde La Oliva wird z.B. nur in der Iglesia Nuestra Señora de la Candelaria getauft.

Auch kunsthistorisch findet sich im kleinen Dorf La Ampuyenta erstaunlich interessantes. So zählen die Wandmalereien in der Ermita zu den Bedeutendsten des kanarischen Archipels. Die Kirche Ermita San Pedro de Alcántara, eine der wenigen Fuerteventuras, die aus dem 17. Jhd. stammt, beherbergt einen anspruchsvollen Bilderzyklus über das Leben des heiligen San Pedro de Alcántara, um den zur Zeit der Errichtung der Kirche ein grosser Kult in Spanien betrieben wurde. Er gipfelte in der Heiligsprechung 1669. Petrus von Alcántara (* 1499, Alcántara – † 1562, Arenas de San Pedro) war ein Franziskaner, engagierter Ordens Reformator, Mystiker und Bussprediger von grossem Charisma, der die Menschen mitriss.

Landschaftlich ist La Ampuyenta besonders reizvoll, besonders an Tagen, an denen der Passat Wolken über die Insel treibt. Dann steht der Besucher von La Ampuyenta in den Wolken und beobachtet das Natur Spektakel zum Greifen nahe. La Ampuyenta ist mit seinen 290 m Seehöhe ein kleiner Pass in der Inselmitte. Es trennt die östlich und westlich gelegenen fruchtbaren Ebenen und staut die Passat Wolken. Das bringt viel Wasser. Im Osten ist das Tal um Casillas del Ángel gelegen, im Westen das Valles de Ortega und das Valle de Santa Inés. Unzählige Quellen ergiessen sich links und rechts der Passhöhe, die 100 Höhenmeter über den Ebenen liegt. Südöstlich von La Ampuyenta erhebt sich der wasserreiche Morro de Castillejo (467 m), an dem auch die Quellen Fuentes de los Pocitos entspringen. An ihnen hat die Gemeinde einen Grillplatz errichtet, der mit dem Auto zu erreichen ist. Ein Pfad führt hinauf Richtung Gipfelgrat, wo die Quellen ihren ersten Austritt aus dem Berg haben. Dort endet der verfallene Pfad. Wer bergsteigerisches Talent besitzt, kann aber weglos den Gipfel (467 m) erreichen. Von dort bietet sich ein atemberaubender Ausblick zur West- und Ostküste der Insel.

Der Ort La Ampuyenta Fuerteventura: Das Krankenhaus San Conrado y San Gaspar.

Geschichte – Kultur – Wirtschaft.

In La Ampuyenta dreht sich heute geschichtlich alles um Tomás Mesa y Mena (* 20. Februar 1802, La Ampuyenta – † 10. Juli 1868, Santa Cruz de Tenerife) und den Franziskaner Mönch Frailito Andrés bzw. Fray Andrés. Ersterer zog in die Welt aus und wurde zum international renommierten und gefragten Tropenmediziner, der Vorträge in New York hielt, Ehrenprofessor von Cádiz wurde und zu grossem Vermögen gelangte. Trotzdem kehrte er nach La Ampuyenta zu seiner alten Mutter zurück, in die absolute Provinz. Auch der Mönch Fray Andrés, Andrés García Acosta, zog in die Welt aus und wurde eine Berühmtheit, vor allem in Uruguay und Chile. Was die beiden Persönlichkeiten verbindet, ist das beide aus überaus ärmlichen Verhältnissen stammten, in die weite Welt auszogen, zu Berühmtheiten wurden aber trotzdem ihr Leben primär dem sozialen Engagement widmeten.

Andrés García Acosta (* 10. Januar 1800, La Ampuyenta – † 14. Januar 1853, Santiago de Chile) wanderte schon in frühen Jahren nach Uruguay aus. Dort trat er bald in einen Franziskaner Orden ein und wurde schliesslich zum Priester geweiht, zum Fray Andrés, zum Bruder Andrés. Es trieb ihn weiter in einen Orden nach Chile, wo er sich sozialen Themen widmete und sich für die arme Bevölkerung engagierte. Das machte ihn bis heute zu einem hoch verehrten Geistlichen in Chile. Mehrere Biographien wurden in Uruguay und Chile über sein Leben verfasst. Engagiert leitete man seine Seligsprechung ein, die aber noch in Rom beim Papst "anhängig" ist. Eigentlich ein Thema für "El Papa Franziskus" aus Argentinien. Das Geburtshaus von Frailito Andrés liegt gut 150 m entfernt von der Casa Doctor Mena. Der Weg dorthin ist beschildert. Das Haus an einer Kreuzung ist nicht zu übersehen, da eine Büste von Frailito Andrés aufgestellt wurde. Das Haus ist verschlossen und nicht zu besichtigen und öffnet nur jeden 14. Januar, um am Todestag eine Gedenkfeier abzuhalten.

Etwas weitere 100 m aufwärts, über der Casa Frailito Andrés, liegt die alte Einsiedelei von La Ampuyenta, die Ermita Fray Andrés. Auch sie ist verschlossen und kann nicht besichtigt werden. Die Strassen heissen hier alle Camino La Ampuyenta, also einfach der Weg La Ampuyenta. So muss man einwenig die Augen offen halten sie zu finden.

Der Ort wird vom grossen und massiven Bau des Krankenhauses "San Conrado y San Gaspar" dominiert. Die kleine aber sehenswerte Ermita "San Pedro de Alcántara" geht hinter dem Krankenhaus Gebäude richtiggehend unter. Sie ist eine der wenigen Kirchen, die schon im 17. Jhd. auf Fuerteventura errichtet wurde. Gestiftet wurde sie von Don Pedro Medina und seiner Frau Doña Agustina de Béthancourt. Finalisiert wurde sie aber erst nach unzähligen Erweiterungen und Anpassungen im 18. Jhd. Parallel dazu entstanden auch die unzähligen Gemälde, die das Leben des Heiligen Petrus von Alcántara thematisieren. Im 17. Jhd., gipfelnd in der Heiligsprechung des San Pedro 1669, herrschte ein regelrechter Hype um den Heiligen und so ist nicht nur die Kirche ihm geweiht sondern es dreht sich in der bildlichen Darstellung im Inneren auch alles um den Heiligen. Auch der Altar ist bildlich üppig ausgestattet. Insgesamt ist für ein Kirche auf Fuerteventura, in denen es zumeist sehr schlicht zu geht, alles sehr prunkvoll ausgeführt. Auch die Altarbilder, die figuralen Darstellung von Heiligen und mehr. Das alles wurde von lokalen Künstlern geschaffen, deren Namen nicht überliefert sind. Spartanischer geht es bei der Bestuhlung zu, hingehen ist die Holzdecke wiederum sehr aufwändig gearbeitet. Interessantes Detail auch der Holzbalkon im Inneren der Kirche an der Westseite. Er kann nur von aussen begangen werden. Hoch gestellte Persönlichkeiten konnten sich auf ihm über das gemeine "Fussvolk" erheben und der Messe lauschen. Leider ist die Ermita San Pedro de Alcántara verschlossen und nur zu den Messen geöffnet. Eine Besichtigung der Ermita, deren Wandgemälde zu den wichtigsten Kulturdokumenten der Kanaren zählen, wäre wünschenswert.

Wirtschaftlich drehte sich in La Ampuyenta und den östlichen und westlichen Ebenen um die Passhöhe alles um die Landwirtschaft. Eine Art geologische "Schneise" zieht sich von Osten nach Westen über die Insel. Der einzige Weg im Norden für den Passatwind, um seine Wolken direkt coast to coast zu treiben. Wasserreichtum ist die Folge. Getreide wurde angebaut und wie die teils im Valles de Ortega erhaltenen Windmühlen zeigen auch gleich zum traditionellen Gofio Mehl vor Ort verarbeitet. Gofi, geröstetes Getreide, das unter Zugabe von Kichererbse und Meersalz vermahlen wurden. Ein sehr eigentümlicher Geschmack, den junge Gastronomen gerade wieder entdecken. Nicht jedermanns Sache, aber so wurde das Mehl besonders haltbar. Auch Reste grosser Opuntien Felder sind vor allem um das Valle de Santa Inés und Valles de Ortega zu finden. Dort wurde der Grundstoff für das wertvolle Karmin gewonnen.

Der Ort La Ampuyenta Fuerteventura: Ermita San Pedro de Alcántara.

Für wen lohnt der Besuch?

Naturliebhabern wird La Ampuyenta auch ohne jede weiteren Sehenswürdigkeiten gefallen. Vor allem bei richtigem Passat Wetter im Herbst oder Winter, wenn die Wolken aus Puerto del Rosario kommend über die Ebene von Casillas del Ángel vorbei am fotogenen "Pico de Fortaleza" (597 m) ziehen. Das ist ganz grosses Kino. Wer eine Grillparty schmeissen will und keinen Garten hat, kann dies an den Fuentes de los Pocitos tun, ohne jemanden zu stören.

Wer sich für die Lebensweise der Menschen auf Fuerteventura interessiert, wie spartanisch auch die wohlhabendsten Bürger der Insel lebten, der sollte die Casa Doctor Mena nicht verpassen. Schade ist, dass zum Beispiel die Ermita San Pedro de Alcántara nicht ab und zu geöffnet hat, um ihr interessantes und geschichtlich bedeutendes Inneres zu besichtigen.

Messen in Ermita San Pedro de Alcántara:

  • Sommerzeit:
    Jeden 2. Samstag im Monat 18:00 Uhr

  • Winterzeit:
    Jeden 2. Samstag im Monat um 17:00 Uhr

Infrastruktur.

Es ist auf Fuerteventura schon interessant, an welchen verschlafenen Ecken der Insel sich Gastronomie entwickelt und hält. Beispielsweise das Los Podomorfos in Tindaya, dem Niemand auch nur ein halbes Jahr gegeben hätte, so entlegen ist es. Aber gastronomische Qualität ist auf Fuerteventura dünn gesät und so nehmen Besucher auch weitere Wege in Kauf.

Ähnlich ist es mit der Gastronomie in La Ampuyenta. Niemand würde vermuten, dass dort eines der besten Restaurants der Insel zu finden ist. Die Geschmäcker sind verschieden, manche meinen das Beste. Dazu gesellt sich ein uriges Restaurants der Majoreros, das in seinem Segment auch eine Klasse für sich ist. Kommt immer drauf an, was man sucht: Verfeinerte internationale Küche zu für Fuerteventura sehr anspruchsvollen Preisen oder kanarische Hausmannskost, deftig in massiven Portionen zu günstigen Preisen, die nur nach schwerer körperlicher Arbeit oder extensiven Sport gänzlich aufgegessen werden können.

Schnell gefunden.

La Ampuyenta liegt an der FV-20, die von Puerto del Rosario ins Inselinnere führt. Die 15 km sind auf der neuen, modern ausgebauten Landstrasse schnell abgefahren.

Mit dem Bus ist La Ampuyenta mit der Linie 2, die Puerto del Rosario mit Vega de Río Palmas verbindet oder mit der Linie 1, die Puerto del Rosario mit Morro Jable verbindet zu erreichen.


Fuentes de los Pocitos.

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Fuentes de los Pocitos.

Auf den Kanaren findet das soziale Leben im Freien statt. Vor allem am Wochenende rückt die Grossfamilie samt Freunden zum Strand oder zu "áreas recreativas" aus. Unter Erholungsgebiet verstehen die Kanaren vor allem grillen, viel essen, viel trinken, viel plaudern und richtig faul sein. Das höchste an Bewegung ist Angeln oder eine Runde "bolla de canaria". Mehr wird als zu anstrengend empfunden.

Eine solche "área recreativa" sind auch die Fuentes de los Pocitos. Die Gemeinde hat dort oben an der Nordflanke des Morro de Castillejo (467 m), wo die Quellen entspringen, einen Grillplatz mit gemauerten Grillstationen angelegt und eine Quelle gefasst. Wer eine ausgelassene Party feiern will, dort geht es samt schönem Ausblick. Die schönsten "áreas recreativas" sind bei Betancuria und Los Estancos zu finden.

Insider Tipp

In die urige Bar Fidel – schmackhaft satt werden für wenig Geld.

Fuerteventura ist eine Insel, auf der viele Reisende mit schmaler Geldtasche unterwegs sind. Junge Surfer, Langzeiturlauber, Aussteiger auf Zeit und andere die auf Budget sind. Da ist es gut Lokale zu finden, die mit ordentlichen Mahlzeiten für wenig Geld satt machen. Davon gibt es viele auf Fuerteventura, dort, wo die körperlich arbeitenden Einheimischen ihren Mittagstisch nehmen. Tägliche Tagesteller, der "plato del día" werden samt Getränk für wenig Geld angeboten. Wer schmackhaft für schmales Geld satt werden will, ist in der urigen Bar, Restaurant, Café "Bar Fidel" in La Ampuyenta richtig.
 

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