Montaña Cardón – ein aussergewöhnlicher Berg.

Besondere Geologie und Fauna.

Der Montaña Cardón zählt mit seinen 694 m zu den höchsten Erhebungen Fuerteventuras. Der höchste Berg Fuerteventuras ist der Pico de la Zarza mit 807 m. Er liegt in Sichtweite. Der Montaña Cardón ist in vielerlei Hinsicht ein interessanter Berg. Ganz besteigen tut ihn niemand, denn der höchste Punkte ist ein verwitterter Vulkanschlot, daneben steht ein etwas niedrigerer vulkanischer Quader, der wie eine Festung aussieht und daher im Volksmund "El Castillo" genannt wird. Wer den Vulkanschlot oder das "El Castillo" besteigen will, die rund 30 Meter über dem Gipfelplateau liegen, wird seine Probleme haben. Verwittertes, extrem brüchiges Vulkangestein und kaum wird die Felswand angegriffen, hat man auch schon ein Stück von ihr in der Hand. Der ganze Montaña Cardón ist gerade dabei zu "zerbröseln" – er verwittert. Das macht auch seine spektakuläre Form aus, sein eigenwilliges Profil und gestaltet auch den Aufstieg so unangenehm. Ein einziger Lavakies Hang, rutschig wie auf Kugellagern zu gehen. Wanderweg nach oben gibt es keinen. Nur bis zur Ermita el Tanquito. Wer auf das Gipfelplateau will, muss sich seinen eigenen Weg suchen. Am leichtesten geht es aber von der Ostflanke, die am wenigsten steil ist.

Die steilen Bergflanken des Montaña Cardón sind für Botaniker hoch interessant. Einige kanarische Endemiten wurden dort entdeckt. Der Passat treibt Wolken heran, die an den Hängen ein feuchtes Klima erzeugen. Zusammen mit der Sonneneinstrahlung ergibt das ein Glashaus Klima. Ein besonders seltener Endemit und fast schon ausgestorben, ist der "Salvia herbanica". Eine Salbei Art, die einzigartig auf der Welt ist und nur auf Fuerteventura und auch auf keiner der Nachbarinseln wächst. Nur noch rund 200 Pflanzen finden sich auf der Insel. Der Oasis Park in La Lajita hat ihn aber ihn seinen Bestand aufgenommen, um ihn zu erhalten. Die wenigen noch existierenden Pflanzen sind durch den Verbiss der wilden Ziegen stark gefährdet, die den Salbei lieben. Daher ist er nur noch in den steilsten Wänden des Montaña Cardón und den Hängen von Cofete zu finden.

Viel Geschichte, nicht erforscht.

Am Gipfelplateau liegen einige kleine Höhlen. Darin finden sich mit Natursteinen ausgebaute Schlafkojen, die sich wohl Ziegenhirten angelegt hatten. Um die Höhlen sind viele Tonscherben zu finden, die von den Ureinwohnern stammen dürften (mitnehmen verboten!). Genaueres ist nicht bekannt, da Fuerteventura die einzige Insel ist, die bisher nicht systematisch archäologisch erforscht wurde. Eine verblüffende Tatsache, auf Lanzarote steht es etwas besser. Aus diversen Überlieferungen scheint es aber möglich, dass die Höhlen Grabkammern gewesen sein könnten. Das war die gängige Bestattungspraxis auf Gran Canaria und Teneriffa, wo dies gut erforscht ist. Das keine Mumien gefunden wurden, tut dem keinen Abbruch. Es war bei Schafhirten üblich, die Mumien der Ureinwohner als Brennmaterial zu verwenden. Luftgetrocknet und mit Harzen und ätherischen Ölen konserviert, brannten sie wie Zunder und waren federleicht, somit gut zu transportieren. So wurden auf Gran Canaria beispielsweise tausende Mumien zum Heizen und kochen verfeuert. Das mag sich wie eines der vielen Märchen anhören, das auf Fuerteventura die Runde macht, ist jedoch im Museo Canario in Las Palmas dokumentiert und makabere Tatsache. Auf Grand Canaria sind nur knapp 300 Mumien erhalten. Der Rest wurde im 19. Jhd. an die ersten britischen Touristen als Souvenier verkauft. Dafür gab es eigene Geschäfte, die solide verpackt direkt nach Großbritannien lieferten, die restlichen Mumien dienten wie gesagt als Brennmaterial. Daher ist gelegentlich in Zeitungen zu lesen, dass in Grossbritannien wieder eine Mumie auf einem Dachboden gefunden wurde, die erst ganz begeistert für eine ägyptische gehalten wurde. Da die Mumifizierung technisch in einigen Bereichen Parallelen aufweist gar nicht so abwegig.

Der Montaña Cardón soll auch Grabstätte des Riesen "Maha" sein. Manche Quellen bezeichnen ihn auch als "Mapai". Er soll ein Majorero von enormer Grösse gewesen sein, der den normannischen Eroberern erbitterten Widerstand geleistet haben soll. Quellen sprechen umgerechnet von über zwei Metern Grösse. Das war für einen Majorero in der Tat riesig, denn auf Basis der erhaltenen Mumien kann davon ausgegangen werden, dass ein männlicher Majorero nicht viel mehr als 1,6 Meter gross wurde. Die historischen Aufzeichnungen sind jedoch allesamt mit Vorsicht zu geniessen. Sie stammen aus Zeiten vor der Aufklärung, in der es normal war Dichtung und Realität zu verbinden. So wird der Guanchen König Umar von Gran Canaria als Mann mit achtzig Zähnen und von vierzehn Fuss Grösse beschrieben, was anatomisch gänzlich unmöglich ist. Eine menschliche Wirbelsäule könnte diese gut 4 Meter gar nicht stützen.

Auch landwirtschaftlich ist der Montaña Cardón sehr bedeutend. Dadurch das er frei und massiv in der Landschaft steht, fängt er Passatwolken ein, die in der Folge an ihm abregnen. Das poröse Vulkangestein saugt das Wasser auf und gibt es an vielen Quellen frei. So an der Ermita el Tanquito oder an der Ostseite Richtung des Ortes El Cardón, wo die Landwirtschaft gerade wieder ein intensives Come-back feiert.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Pájara – Montaña Cardon

Für wen lohnt der Besuch?

Der Montaña Cardón ist etwas für abenteuerlustige Naturliebhaber. Bis auf die Ermita el Tanquito ist man weglos unterwegs, keine Wanderwege oder Markierungen, hier heisst es Pfadfinder sein und seinen eigenen Weg suchen. Bevor los gerannt wird, sollte man sich erst mit dem Gelände vertraut machen und eine gute Route am Berg suchen.

Botaniker, die in die steilen Hänge steigen, werden einen Schaukasten seltener kanarischer Endemiten finden und auch Birdwatcher werden in den steilen Hängen einiges zu sehen bekommen. Generell gilt, wer sich an die verwitterten Felswände wagt, klettern sollte man keinesfalls und ein Steinschlaghelm schadet auch nicht. Der Weg zur Ermita el Tanquito ist jedoch sehr leicht und sicher.

Infrastruktur.

Die Gegend um den Montaña Cardón ist sehr einsam und ausgestorben. Wenige Menschen wohnen dort. Infrastruktur und Gastronomie ist nur in Pájara oder an der Costa Calma bzw. La Lajita zu finden.

Schnell gefunden.

Die meisten Touristen treffen auf den Montaña Cardón, wenn sie im äussersten Westen der Insel vom Süden zu den Sehenswürdigkeiten im Zentralmassiv unterwegs sind und dazu die FV-605 nehmen, die sie zum Sicasumbre, nach Ajuy und Pájara bringt und dann weiter über die FV-30 nach Vega de Río Palmas, Betancuria und den Morro Velosa.

Landschaftlich sehr empfehlenswert ist jedoch von La Lajita über die FV-56 und dann über die einsame FV-618, die am Pass Degollada de las Brujas (374 m) den Montaña Cardón (694 m) passiert und tolle Ausblick auf ihn bietet, zu nehmen. Dort geht es auch zur Ermita el Tanquito (460 m) über einen schönen Wanderweg.


Montaña Cardón Ermita el Tanquito Fuerteventura.

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Einziger Wanderweg am Montaña Cardón – Zur Ermita el Tanquito.

Wer nicht vor hat, auf eigene Faust einen Weg auf das Hochplateau des Montaña Cardón zu suchen, dem ist die leichte Wanderung am gut angelegten und markierten Weg zur Ermita el Tanquito zu empfehlen. Sie liegt auf 460 m Höhe unterhalb des Gipfels des Montaña Cardón (694 m). Der Gipfel ist zum greifen nahe über der Kapelle.

Von der Ermita el Tanquito kann ein wunderbarer Ausblick auf den Istmo de la Pared und die Strände von Cofete genossen werden. Wen es juckt weiter zu gehen, findet einen schlechten unmarkierten Hirtenpfad der nach Süden weiter zum Istmo de la Pared führt. Auch ein Pfad von der Ermita direkt hinunter zur FV-605 ist auszumachen. Wer auf das Gipfelplateau steigen will, kann dies auch über einen steilen und sehr rutschigen Hang und muss dazu auch ab und zu in einen Barranco wechseln. Das sollten aber nur Bergerfahrene machen und nicht alleine.

Insider Tipp

Kanarische Wallfahrt – Romería Ermita el Tanquito!

Um den Muttertag kann auf Fuerteventura eine kanarische Wallfahrt mit viel Musik, Tanz, grillen und auch einer Messe erlebt werden. Das Ganze auch noch in kanarischer Tracht. In der Regel findet die Wallfahrt am ersten Samstag nach dem Muttertag statt. Besser es wird nocheinmal im Gemeindeamt von El Cardón nachgefragt, wann die Romería Ermita el Tanquito stattfindet.

Die Wallfahrt startet in El Cardón (200 m). Vor dem Degollada de las Brujas (374 m) geht es auf den Wanderweg hinauf zur Ermita el Tanquito (460 m). Das Ganze wie das bei Wallfahrten üblich ist bei musikalischer Begleitung. An der Kapelle angekommen findet eine Andacht satt, dann wird gegrillt, getanzt, gesungen und getrunken. Ein echtes Erlebnis!

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