Madre del Agua – filmreife Palmenoase.

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Von Vega de Río Palmas erstreckt sich ein langer Barranco bis Ajuy mit 8,5 Km Länge und 250 m Gefälle. Eine schöne und empfehlenswerte Wanderung. Im oberen Bereich heisst er Barranco de las Peñitas. Nach dem schmalen Felsdurchbruch hinter dem Stausee Presa de Las Peñitas, vor den Weilern Mal Paso, wechselt er seinen Namen in Barranco de Mal Paso, um dann im letzten Drittel nochmal in Barranco de Ajuy umbenannt zu werden, der am Strand von Ajuy ins Meer fliesst. In der Regenzeit, fast unglaublich, als reissender Fluss. Das durchgängige, geologisch eine Einheit bildende Barrancos ihren Namen mehrmals wechseln, ist normal wie z.B. auch beim Barranco de la Torre  und anderen.

2,3 Km bevor der Barranco in Ajuy am Strand ins Meer mündet, taucht rechter Hand unverhofft eine wunderschöne und idyllische Palmenoase auf, Madre del Agua, die Mutter des Wassers. Fast alle Touristen am Weg nach Ajuy fahren an ihr vorbei, obwohl sie nur 150 m Luftlinie neben der FV-221 liegt. Das liegt daran, dass sie wenig bekannt ist und von der Strasse aus nicht einzusehen ist.

Die Oase Madre del Agua liegt am Fusse des steilen und kurzen Barranco Madre del Agua, ein Seitenarm des Barranco Mal Paso. Sie fasst mit einigen alten, nicht mehr genutzten Becken, das Wasser, das der Barranco selbst in der heissen Jahreszeit verlässlich fördert und transportierte es mit nur noch teilweise erhaltenen Kanälen nach Westen und Osten auf die Felder einiger mittlerweile verfallener Fincas. Madre del Agua stammt aus Zeiten, in denen im gesamten Barranco unterhalb des Staudammes Presa de Las Peñitas intensiv Landwirtschaft betrieben wurde. Vom Staudamm Presa de Las Peñitas erhoffte man sich in den 1940igern und 1950igern eine Intensivierung der Landwirtschaft. Ihn traf jedoch das gleiche Schicksal wie den Embalse de Los Molinos. Er verlandete schnell und ist heute ein beliebtes Brutgebiet für Zugvögel. Die Oase Madre del Agua gibt auch einen Eindruck, wie das Tal zu Zeiten der normannischen Eroberer ausgesehen hat, denn es trägt nicht umsonst den Namen Palmental. Wie in Schriften dokumentiert, dürfte es komplett und dicht mit kanarischer Palme bewachsen gewesen sein. Die kanarische Palme fühlt sich auch direkt an der Küste in salzigem Ambiente wohl und kommt mit dem hoch mineralischen Grundwasser gut zurecht. In Zeiten, in denen Holz in grossen Mengen benötigt wurde, um in den Trockenöfen der Salinen Salz final für die Konservenindustrie der Insel zu trocknen oder der Kalkbrand auf der Insel florierte, wurde alles abgeholzt, das brennbar war. Auch die kanarische Kiefer, die mit mässigem Erfolg versucht wird im Naturpark Castillo de Lara wieder aufzuforsten.

Die Oase Madre del Agua ist eine Oase der Kühle und Ruhe im Hochsommer, das Wasser plätschert und spendet Abkühlung, es ist schattig und es kann sich eine Palme ausgesucht werden, auf der man sich filmreif zur Entspannung niederlassen kann. Wer exotischen Urlaubsfotos schiessen will, der hat in der Oase eine perfekte Spielwiese. So nicht ein Wandertouren Veranstalter vorbei kommt, ist es auch ruhig und einsam.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Ajuy – Madre del Agua

Für wen lohnt der Besuch?

Die Oase Madre del Agua ist ein exotischer, ruhiger, schattiger und kühler Ort, der besonders in der flirrenden Hitze des August seinen besonderen Reiz hat. Dichte, mächtige und sehr hohe Palmen spenden Schatten und werfen ein diffuses Licht. Ein extremer Kontrast zum grellen Sonnenlicht im Barranco, wenn sie betreten wird. Einige Meter in Richtung der Wasserbecken aufgestiegen, plätschert sogar im August ein kleiner Bach. Eine ideale Ecke, um auf einer Palme zu sitzen und die Gedanken treiben zu lassen. Eine herrliche Location auch zum Fotografieren, die Natur oder auch Portraits. Ein wunderbar weiches Licht schafft eine gute Stimmung dafür. Madre del Agua gehört zu den besonderen Orten Fuerteventuras.

Infrastruktur.

Einen 20 minütigen Fussmarsch oder wenige Auto Minuten entfernt, liegt Ajuy. Im Ort findet sich ausreichend Gastronomie, teils jedoch in der Nebensaison geschlossen. In Ajuy liegt auch mit dem Geschäft "trecepeces", 13 Fische, das wohl schönste Souveniergeschäft der Insel, das auch sehenswerte historische Aufnahmen der Fischerei von Ajuy ausstellt.

Schnell gefunden.

Die Landstrasse FV-621 macht kurz vor Ajuy eine lange Linkskurve. Am Ende dieser, exakt einen Kilometer vor dem Ortseingang von Ajuy, zweigt rechter Hand steil nach unten, eine Piste gegen die Fahrtrichtung ab. Diese hinunter in den Barranco Mal Paso und rund 400 m zurück Richtung Vega de Río Palmas nach Osten taucht die Oase Madre del Agua auf. Im Sommer meist mit einem normalen Auto zu befahren. Nach Regenfällen ist der Barranco jedoch tückisch. Er ist unterspült und die Piste, die gut aussieht, lässt ein normales Auto bis zur Bodenplatte einsinken. Da wieder rauszukommen, ist kein Vergnügen. Daher empfiehlt sich, nicht ganz in den Barranco einzufahren und erst einmal die Situation zu Fuss zu prüfen. Beim geringstem Zweifel, so man keinen guten 4x4 Geländewagen mit ausreichend Bodenfreiheit hat, den Wagen stehen lassen und die 400 m zu Fuss zurück legen. Das ist deutlich schneller, als einen festgefahrenen Wagen wieder flott zu bekommen (was meist ohne ziehenden Traktor nicht gelingt). Es wurden auch schon Toyota Hilux gesichtet, die sich nach Regenfällen festgefahren hatten.


GPS Position:

Abzweig von der FV-621:
N 28° 23' 59,2" | W 014° 08' 21,1"


Sicasumbre Degollada de las Maretas Pájara Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Atemberaubende Sonnenuntergänge – Degollada de las Maretas.

Unweit von Ajuy liegt der Degollada de las Maretas (421 m), den die Inselverwaltung (gegenüberliegend) als "Sicasumbre" (447 m) benannt hat und als astronomischen Aussichtspunkt der Majoreros verkauft. Woher diese plötzliche Erkenntnis 2015 kam, ist nicht bekannt und reinste Spekulation ohne einen handfesten Beweis oder Forschung.

Unbestritten ist der Degollada de las Maretas, Sicasumbre, ein exzellenter strategischer Aussichtspunkt. An klaren Tagen wird bis an die Südspitze zum Punta Pesebre hinunter gesehen, die Strände von Cofete, der Istmo de la Pared sind wunderbar zu sehen und der Montaña Cardon, liegt wie am Präsentierteller vor dem Aussichtspunkt. Als ob das nicht genug wäre wird Ost- und Westküste eingesehen.

Besonders begeistert wird der Besucher des Sicasumbre zu Sonnenuntergang sein. Es lohnt rechtzeitig vor Sonnenuntergang auf der Passhöhe zu sein, um den grandiosen Schattenwurf der umliegenden sanften Hügeln zu erleben. Die Sonne versinkt langsam im Meer und taucht dabei die sanften, umliegenden Hügelketten in traumhaftes Licht und ein filmreifes Schattenspiel.

Insider Tipp

Kanarische Kiefer – eine schwierige Wiederbelebung.

Einst war Fuerteventura deutlich intensiver mit kanarischer Palme, Kiefer und wilden Ölbäumen bewachsen als heute. Erstere zwei sind Endemiten, die sich auf den Kanaren sehr wohl fühlen. Das Ganze darf man sich aber nicht so wie auf Teneriffa oder El Hierro vorstellen. Fuerteventura war schon immer eine Wüsteninsel und wurde nicht erst durch menschliche Hand so wie sie ist. Die Berge sind einfach zu niedrig, um die feuchten Passatwolken einzufangen. Alte Berichte und auch Fotos aus dem Beginn des 20. Jhd. zeigen jedoch, dass in einigen Barrancos und manchen Berghängen deutlich mehr Baumbestand vorhanden war. Er fiel wohl in der Zeit der Konservenindustrie der Befeuerung von Trocknungsöfen und in der Zeit, als die ganze Insel Kalk brannte, den Kalköfen zum Opfer.

Vor allem die kanarische Kiefer ist sehr interessant, denn in Europa existiert diese Art seit dem Ende des Tertiärs und des grossen Klimawandels zu einer kälteren Periode hin, nicht mehr. Man muss bis ins Himalaya gehen, bis eine artverwandte Kiefer gefunden wird. Da sich auf den Kanaren viel der Vegetation erhalten hat, die in Europa am Ende des Tertiärs ausstarb, werden die Inseln auch die Galapagos Inseln der Botaniker genannt.

Es wird davon ausgegangen, dass einst an den feuchten Hängen von Fuerteventura reichlich kanarische Kiefer wuchs. Seit einigen Jahren wird bei Betancuria im Park Castillo de Lara versucht die kanarische Kiefer wieder aufzuforsten. Den ganzen Tag bemühen sich Park Ranger um sie. Anfangs sehr erfolgreich, der trockene Herbst und Winter 2017 setzen ihnen jedoch enorm zu. Ein herber Rückschlag. Das feuchte Jahr 2018 gibt Hoffnung, dass sich der Kiefernbestand im Laufe des Jahres 2019 wieder erholen kann. Das Castillo de Lara kann mit dem Auto besucht werden.

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