Cuevas de Ajuy – Piratenhöhlen oder Kalklager?

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Bei Ajuy liegen die viel besuchten Lavahöhlen "Cuevas de Ajuy". Grosse Felsenhöhlen, die der Atlantik über Jahrtausende in die Küste geschlagen hat. Wer die Küste mit einem Boot hinauf fährt, wird viele dieser Höhlen sehen. Gleich gegenüber z.B. in der Caleta Negra zwei noch gewaltigere als die Cuevas de Ajuy. Aber diese Höhlen sind allesamt nur mit dem Boot zu erreichen.

Wie um so viele Orte Fuerteventuras kursieren auch um die Cuevas de Ajuy die wildesten Gerüchte. Der Tourist liebt es gerne etwas mysteriös und aufregend, um Orte spannend zu finden. An dem Ganzen ist jedoch nichts dran. So waren die Cuevas de Ajuy niemals ein Ort, an denen Piraten ihre Raubzüge gelagert hätten. Nordafrikanische Piraten und britische Freibeuter waren, mit zwei Ausnahmen (Betancuria und Schlacht von Tamasite), an Teneriffa und Gran Canaria interessiert, wo es richtig etwas zu holen gab, beluden ihre Schiffe, steckten alles in Brand und waren nicht mehr gesehen. Warum etwas auf Fuerteventura lagern? Auch das Gerücht, es wäre in den Cuevas de Ajuy der Branntkalk gelagert worden, der in den Kalköfen von Ajuy erzeugt wurde, ist Unfug. Warum sollte CaO Branntkalk, der gierig selbst die Feuchte aus der Luft saugt und so unbrauchbar wird, in feuchten Höhlen gelagert werden, in die sogar bei Flut die Wellen schlagen und das auf einer Insel, auf der es so gut wie nie regnet. Der Kalk wäre binnen zwei Tagen wertlos gewesen. Die Cuevas de Ajuy wären absolut der schlechteste Ort der ganzen Gegend gewesen, um Kalk zu lagern.

Die Cuevas de Ajuy werden vom Strand von Ajuy aus oder vom Felsentor Arco del Jurado über einen leichten Wanderweg zu Fuss erreicht. Fast jeder geht den Weg, der vom Strand von Ajuy beschildert hinüber führt. Dort, wo der Weg beginnt, findet sich ein kleines Häuschen, das heute von den Fischern als Schuppen verwendet wird. Es war das Zollhäuschen. Dort wurde für jedes Kilo verschifften Brantkalk Exportsteuer kassiert, die an den Lehensherren von Lanzarote und Fuerteventura ging. Neben dem Häuschen findet sich auch eine Seilwinde, mit der die Fischerboote an den Strand gezogen werden. Früher wurde das mit Muskelkraft gemacht, das ganze Dorf half. Schöne historische Aufnahmen finden sich im Shop "trecepeces" im Ort.

Vom Zollhäuschen geht es über einen gut angelegten Weg hinauf auf den Tablero del Puerto, eine Erhebung aus Muschelkalk, ehemaliger Meeresboden, der durch Hebungen der Atlantischen Platte entstand. Der Muschelkalk ist hervorragender Rohstoff und lässt sich einfach und schnell zu Branntkalk verarbeiten. Das übernahmen u.a. die beiden grossen Industrie Kalköfen, die clever direkt in die Klippe hinein gebaut wurden. Es musste nur noch der Muschelkalk in die Öfen hinein geschaufelt werden und Lagen aus Steinkohle und Muschelkalk gestapelt und angezündet werden. Nach einer Zeit rieselte unten der Branntkalk heraus. Effizienter geht es wirklich nicht. Auf Luftbildern ist gut zu sehen, dass der gesamte Höhenzug über den Kalköfen stufenweise abgetragen wurde. Hätte sich die Kalkindustrie auf der Insel länger gehalten, wäre sicher der gesamte Tablero del Puerto bis auf den Sockel zu Kalk gebrannt worden.

Wird der Weg an den Kalköfen weiter Richtung Norden gegangen, kommt rechter Hand ein Abzweig der hinauf und hinüber zum Felsentor Arco del Jurado führt. Es lohnt sich auch hier aufzusteigen und am Höhenzug ein Stück zurück nach Ajuy zu gehen. Ein fantastischen Ausblick über Ajuy und Bucht kann dort oben genossen werden und auch fantastische Sonnenuntergänge.

Wer gerade weiter geht, gelangt zu Stufen, die steil hinab zur alten Mole führen, die nur bruchstückhaft erhalten ist. Schwindelerregend geht es steil hinab über die Klippen und es kann fast nicht geglaubt werden, dass dort Schiffe ankerten, um mit Kalk beladen zu werden. Sie kamen aus Großbritannien und mussten vorher entladen werden. Sie brachten Steinkohle, um den Kalk zu brennen und segelten mit Kalk beladen zurück nach Großbritannien. Es muss jedesmal eine halsbrecherische Aktion gewesen sein, die Kohle von und den Kalk zu den Schiffen hinüber zu schaffen und das bei atlantischer Brandung. Der Transport der Ladung von und zu den Schiffen erfolgte mit Winden. Ein Relikt ist die Betonsäule, die scheinbar "sinnlos" in der Gegend steht. Unterhalb der Mole liegen die Cuevas de Ajuy. Es wurden Stufen hinab angelegt, die aber neueren Datums und touristisch sind. Am Fusse der Höhle kann Richtung Norden über einen kleinen Felsvorsprung in eine zweite, etwas kleinere Höhle gestiegen werden. In der Haupt-Höhle kann einige hundert Meter ins Innere vorgedrungen werden. Auf halben Weg ist ein Lichtschein zu sehen. Am Ende der Höhle öffnet sich ein Loch in der Klippe, durch das auf das Meer hinausgeblickt werden kann.

Ob man vor hat in der Höhle herum zusteigen und gar bis ans Ende zum Felsenfenster vordringen möchte, muss jeder für sich selber entscheiden. Wer über die vielen grossen Felsbrocken steigt, die teils recht neuen Ursprungs sind, könnte auf den Gedanken kommen, dass sie auch alle irgendwann von der Decke heruntergefallen sein müssen und weitere garantiert folgen werden. Lavafels ist überaus brüchig und jede Woche bebt auf Fuerteventura, vor allem in dieser Gegend, die Erde einwenig. Ungefährlich ist es nicht. Keinesfalls sollte man in die Höhlen steigen, wenn sie abgesperrt sind. Mächtige Wellen schlagen bei Flut und starker Dünung dann unkalkulierbar ihn die Höhle und auf die Treppen. Wer erfasst wird und in die Caleta Negra hinaus gespült wird, hat keine Chance mehr.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Ajuy – Cuevas de Ajuy

Für wen lohnt der Besuch?

Die Cuevas de Ajuy sind an sich einfach zwei "grosse Löcher" in der Steilküste. Das ist nun nicht besonders aufregend und von denen gibt es reihenweise entlang der ganzen Westküste. Zu sehen gibt es auch nichts in den Höhlen und seitdem der Tourismus explodiert ist, riecht es in den Höhlen wie in einer Latrine. Ähnlich und schlimmer sah es in den Kalköfen aus, sodass sich die Gemeinde veranlasst sah, sie zu vergittern. Am Strand finden sich öffentliche Toiletten. Der zivilisierte Mensch nutzt diese ggf. bevor er zu den Cuevas de Ajuy aufbricht. Ganze 10 Minuten hin und ebensolche zurück plus einwenig schauen und fotografieren sollte ein erwchsener Mensch schon durchzuhalten können.

Interessant sind die Cuevas de Ajuy vor allem durch die Geologie, die Entstehungsgeschichte der Insel, die dort sichtbar wird. Keine Vulkaninsel, wie viele meinen, sondern eine Insel, die durch tektonische Hebungen entstand und nachher durch Lava übergossen und vergrössert wurde. Ajuy ist der älteste Teil Fuerteventuras. Am Tablero del Puerto wandert der Besucher auf Sedimenten, auf altem Meeresboden und aus dem liess sich gut Kalk​​​​​​​ brennen. Besonders spektakulär ist die Mole. Wer den wilden Atlantik weit unter sich sieht und sich vorstellt, wie dort Segelboote von Ruderbooten herangezogen wurden, um über Seilwinden mit Kalk beladen zu werden, wird vom täglichen Wagemut, den die Arbeiter haben mussten, beeindruckt sein. Für Flachländer wird schon die steile Treppe einen gewissen Nervenkitzel haben. In den Höhlen selbst ist, wie oben beschrieben, Vorsicht geboten.

Infrastruktur.

Der Ort Ajuy bietet ein umfangreiches Programm an Gastronomie. Ob Café für den Sonnenuntergang, Tapas Bar oder Fischrestaurant. Jeder wird etwas passendes finden. In der Off-season halten jedoch einige Betriebe geschlossen und kündigen das, wie auf Fuerteventura üblich, auch nicht weiter an. Dann ist einfach dicht. Die üblichen Öffnungszeiten können also mitunter nicht gelten.

Schnell gefunden.

Wer von Ajuy aus die Cuevas de Ajuy besuchen will, geht einfach zum Strand von Ajuy hinunter. Am alten Zollhäuschen findet sich eine grosse Tafel, auf welcher der nicht zu verfehlende Weg eingezeichnet ist. Jene, die sich nicht mit fotografieren aufhalten, sind in knapp 10 Minuten an den Höhlen angelangt. Vorher sollte ein Blick auf die Schautafeln am Weganfang geworfen werden, um zu verstehen, warum dort Kalköfen betrieben wurden und warum es gerade in Ajuy so lohnend war Kalk zu brennen. Ausserdem geben die Schautafeln einen interessanten Einblick über die Entstehungsgeschichte von Fuerteventura und wie das aus den verschiendnen "Lagen", aus denen der Tablero del Puerto aufgebaut ist, heraus gelesen werden kann.


Arco del Jurado Ajuy Fuerteventura.

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Nicht verpassen – das Felsentor Arco del Jurado.

Nach den Cuevas de Ajuy kann das Felsentor Arco del Jurado in kurzem Spaziergang besucht werden. Es liegt im Norden in der Bucht "Punta de las Ánimas o de la Peña Horadada" und ist über einen Wanderweg in leicht 20 Minuten von den Cuevas de Ajuy aus zu erreichen. Der Wanderweg zweigt bei den Kalköfen auf den Tablero del Puerto nach oben ab und führt geradewegs zum Felsentor Arco del Jurado hinüber. Mit dem Auto ist das auch zu schaffen, es dauert jedoch gleich lang. Überdies wird der tolle Aussicht von der Steilküste auf das Meer und die Bucht Caleta Negra verpasst.

Der Arco del Jurado liegt in der historisch bedeutenden Bucht Punta de las Ánimas o de la Peña Horadada. Dort landete Gadifer de La Salle im November 1404, um die Insel zu erobern. Aber auch in Hollywood wird die Bucht als aussergewöhnliche Kulisse für Produktionen geschätzt. So drehte in ihr Brat Pitt im Mai 2016 für den Film "Allied – Vertraute Fremde".

Insider Tipp

Fiesta und Feuer am Strand – zur Noche de San Juan nach Ajuy.

Die Johannisnacht, die Noche de Suan Juan, also die heidnische Sommersonnwende, der die Kirche durch Johannes den Täufer eine christliche Bedeutung aufzwang, wird in vielen Teilen Spaniens gross gefeiert. Und auch wie in Österreich oder Deutschland brennen dann Sonnwendfeuer. Der Unterschied in Spanien, es wird dazu eine Fiesta bis in den Morgen hinein gefeiert. Und ein ganz besonderer Likör wird in dieser Nacht auch angesetzt, der zu Weihnachten trinkfertig sein sollte, der "Licor de nueces de San Juan".

In verschiedenen Dörfern auf Fuerteventura wird dieser Brauch besonders gepflegt. Zum Beispiel an den Casas de Jacomar, in Vallebron oder auch am Strand von Ajuy, wo eine grosse Fiesta stattfindet. Ein Festzelt ist aufgebaut, Tanz und Musik bis in den Morgengrauen und die vielen Imbissbuden die Schweinelende grillen, Bier ausschenken, Zuckerwatte und mehr verkaufen dürfen auch nicht fehlen. Am Strand brennt ein Sonnwendfeuer.

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