Cuevas de Ajuy – Piratenhöhlen oder Kalklager?

Was gibt es zu sehen und entdecken?

Bei Ajuy liegen die viel besuchten Höhlen Cuevas de Ajuy. Der Atlantik schlug sie über Jahrtausende in die Steilküste geformt aus Plutonit. Wird der Westküste von Fuerteventura mit einem Boot gefolgt, werden viele dieser Höhlen ausgemacht. Gleich nördlich der Cuevas de Ajuy in der Bucht Caleta Negra stechen zwei Höhlen ins Auge, die von der Dimension deutlich grösser sind als die Cuevas de Ajuy. Das Besondere an letzteren ist, sie sind ohne Boot zu erreichen und das macht sie so beliebt.

Wie um so viele Orte Fuerteventuras, kursieren auch um die Cuevas de Ajuy die wildesten Gerüchte. Der Tourist liebt es gerne etwas mysteriös und aufregend, um Orte spannend zu finden. An kaum einer Geschichte ist jedenfalls auf Fuerteventura etwas dran. So waren die Cuevas de Ajuy niemals ein Ort, an denen Piraten die Beute ihrer Raubzüge lagerten. Die Prise aus kanarischen Gewässern ging postwendend z.B. nach England, denn sie gehörte der Krone. Der Korsar bekam seinen Anteil. Nordafrikanische Piraten und britische Korsaren waren, mit zwei Ausnahmen (Betancuria und Schlacht von Tamasite), an Teneriffa, Gran Canaria und an der spanischen Handelsroute Sevilla (Sanlúcar de Barrameda) - Santa Cruz de Tenerife - Neuspanien interessiert. Da war ordentlich Prise zu machen und das war der Kaperauftrag der englischen Korsaren, den sie von Königin Elisabeth I. erhielten. In dem war detailliert festgelegt, wer angegriffen werden sollte und durfte. Sir Francis Drake, zeitweilig Liebling Elisabeth I. da er ihre Finanzen erheblich aufbesserte, scheiterte beispielsweise 1586 Puerto de la Cruz auf Teneriffa einzunehmen. Nach ihm versuchte sich Robert Blake 1656/7 und scheiterte ebenso. Die Feuerkraft der Hafenfestung war deutlich überlegen. "Die Schatzinsel" von Stevenson nimmt Bezug auf englische Korsaren, aber es ist eben ein Roman.

Die Geschichte die Cuevas de Ajuy hätten als Lager für den Branntkalk gedient, der in den nahegelegenen Kalköfen produziert wurde, ist ebenso ein Gerücht. Branntkalk oder auch ungelöschter Kalk bzw. Ätzkalk, CaO, ist stark hygroskopisch. Es gäbe kein besseres Ambiente als die Cuevas de Ajuy, um Branntkalk in kürzester Zeit wertlos zu machen. Rein die Luftfeuchtigkeit in den Höhlen würde dazu ausreichen. Und den Kalk erst in die Höhlen hinab zu schaffen und dann wieder über die steile Küstenflanke hinauf zur Mole, wäre ebenso widersinnig.

Die Cuevas de Ajuy werden vom Strand von Ajuy oder vom Felsentor Arco del Jurado über einen leichten Wanderweg zu Fuss erreicht. Fast jeder geht den Weg, der vom Strand von Ajuy beschildert hinüber führt. Dort, wo der Weg beginnt, findet sich ein kleines Häuschen, das heute von den Fischern als Schuppen verwendet wird. Es ist auf dem Fundament des alten Zollhauses errichtet. Dort wurde für jedes Kilo verschifften Branntkalk Exportsteuer kassiert, die an den Lehensherren von Lanzarote und Fuerteventura ging. Neben dem Häuschen findet sich auch eine Seilwinde, mit der die Fischerboote an den Strand gezogen werden. Früher wurde das mit Muskelkraft gemacht. Das ganze Dorf half. Schöne historische Aufnahmen davon, finden sich im Shop "trecepeces" im Ort.

Vom Zollhäuschen geht es über einen gut angelegten Weg hinauf auf den Tablero del Puerto. Ein Plateau aus Muschelkalk, ehemaliger Meeresboden, der durch Hebungen der Atantischen Platte entstand. Muschelkalk ist ein hervorragender Rohstoff, um aus ihm in einfachsten Schachtöfen, Branntkalk ohne grösseres Wissen und Können zu brennen. Das System ist einfach: Ein Sandwich aus Muschelkalk und Brenntstoff wird gestapelt. Als Brennstoff eignet sich alles, das Temperaturen von 900°C bis 1.100°C erzeugen kann. Am besten Kohle oder Holzkohle, manche Holzsorten kratzen die 900°C knapp. Anzünden und für einen Kamineffekt sorgen und warten. Langsam beginnt unter dem Rost des Schachtofens der fertige Branntkalk heraus zu rieseln. Das wars, auch von Analphabeten zu schaffen. Bis in das 20. Jahrhundert hinein konnte kaum jemand auf Fuerteventura schreiben oder lesen. Unter den Lehensherren war es Pfaffen sogar verboten, dem gemeinen Volk dieses beizubringen. Hätte das Empire nach der industriellen Revolution weiterhin Branntkalk von Fuerteventura benötigt, wäre vom Tablero del Puerto heute nichts mehr übrig. Die abgebauten Schichten sind auf Luftaufnahmen am besten zu erkennen.

Am Weg zu den Cuevas de Ajuy, werden als erstes die grossen Kalkschachtöfen passiert, welche direkt in die Küstenflanke gegraben wurden. So mussten sie nicht aufgemauert werden. Kurz nach ihnen wird rechter Hand auf einen Abzweig gestossen, der hinauf und hinüber zum Felsentor Arco del Jurado führt. Auch wer nicht zum Felsentor hinüber will, sollte auf den tablero aufsteigen und ein Stück zurück Richtung Ajuy gehen. Der Ausblick auf Ajuy und seine Bucht ist wunderbar. Eine erstklassige Location, um den Sonnenuntergang zu geniessen.

Den Weg von den Kalköfen geradeaus folgend, wird zu steilen Stufen gelangt, die zur alten Mole hinab führen. Über sie wird die historische Mole erreicht, die nur noch in Fragmenten erhalten ist. Der Atlantik hat gute Arbeit geleistet. Für Flachländer ist der Abstieg bereits schwindelerregend. Umso beeindruckender wird die Tatsache, dass dort Schiffe be- und entladen wurden. Es waren ausschliesslich Segler aus Grossbritannien, Briten hatte den Handel auf Fuerteventura und dem Archipel fest im Griff, die mittels Ruderbooten an die Mole gezogen wurden. Das Löschen und Beladen erfolgte über einen einfachen Kran mit Winde. An ihn erinnert nur noch eine Betonsäule, die scheinbar sinnlos dort herumsteht. Die Segler brachten Kohle aus Britannien, mit der besonders effizient Kalk gebrannt werden konnte und wurden mit Branntkalk beladen. Die Treppe, die von der Mole in die Höhlen hinab führt, wie auch alle anderen Treppen, wurden in dieser Form für Touristen angelegt. Zu Zeiten des Branntkalk wurden lediglich an Stellen, an denen es für notwendig erachtet wurde, Stufen in das Vulkangestein oder die Sedimente geschlagen.

Die Stufen von der Mole in die Cuevas de Ajuy hinab, sind durch das Salzwasser sehr rutschig. Läuft gerade die Flut bei heftiger Brandung auf, sollte nicht mehr in die Höhlen hinab gestiegen werden. Einigen wurde derart schon der Rückweg versperrt. Dann gibt es zwei Option: Einige Stunden warten, bis sich die Flut zurück gezogen hat, oder sich retten lassen. Die Winterbrandung kann allerdings den Rückweg deutlich länger versperren. Sich bei solchen Wetterverhältnissen auf die grossen Felsblöcke an der Wasserlinie zu stellen, um ein spektakuläres Selfie zu schiessen, ist nicht sehr klug. Wer von einer Welle in die Caleta Negra mitgerissen wird, hat kaum noch eine Chance. In der Höhle selbst sollte auch jedem bewusst sein, dass es sich um eine ungesicherte Naturhöhle handelt. Das Vulkangestein ist brüchig. Die kleinen, grossen und monumentalen Felsbrocken, die dort liegen, wurden nicht für Touristen herangeschafft, sondern stürzten herab. Auch der Verlockung, in den hintersten Teil der Höhle vorzudringen, um die kleine Felsluke auf die Bucht zu erreichen, sollte unterlassen werden.

Sehenswürdigkeiten Fuerteventuras: Ajuy – Cuevas de Ajuy.

Für wen lohnt der Besuch?

Die Cuevas de Ajuy sind lediglich zwei grosse Löcher in der Steilküste. Das ist nun nicht besonders aufregend und von denen gibt es reihenweise entlang der ganzen Westküste. Zu sehen gibt es auch nichts in den Höhlen und seitdem der Tourismus explodierte, riecht es in den Höhlen wie in einer Latrine. Ähnlich und schlimmer sah es in den Kalköfen aus, sodass sich die Gemeinde veranlasst sah, sie zu vergittern. Am Strand finden sich öffentliche Toiletten. Der zivilisierte Mensch nutzt diese ggf. bevor er zu den Cuevas de Ajuy aufbricht. Ganze 10 Minuten hin und ebensolche zurück plus einwenig schauen und fotografieren, sollte ein erwachsener Mensch schon durchhalten können.

Interessant sind die Cuevas de Ajuy vor allem durch die Geologie, die Entstehungsgeschichte der Insel, die dort sichtbar wird. Keine Vulkaninsel, wie viele meinen, sondern eine Insel, die durch tektonische Hebungen entstand und nachher durch Lava übergossen und vergrössert wurde. Die Klippen von Ajuy mit ihren Sedimentschichten, sind nach dem aktuellen Forschungsstand der älteste Teil des kanarischen Archipels. Fuerteventura ist jedenfalls die älteste Insel der Kanaren. Am Tablero del Puerto wandert der Besucher auf Sedimenten, auf altem Meeresboden und aus dem liess sich gut Kalk brennen. Besonders spektakulär ist die Mole. Wer den wilden Atlantik weit unter sich sieht und sich vorstellt, wie dort Segelboote von Ruderbooten herangezogen wurden, um über Seilwinden mit Kalk beladen zu werden, wird vom täglichen Wagemut, den die Arbeiter haben mussten, beeindruckt sein. Für Flachländer wird schon die steile Treppe einen gewissen Nervenkitzel haben. In den Höhlen selbst ist, wie oben beschrieben, Vorsicht geboten.

Infrastruktur.

Gastronomisch wird der Ort Ajuy hauptsächlich zum Fischessen besucht. Café und Tapas Bar werden gerne zum Sonnenuntergang besucht. Am besten ist der vom Café und der Bar Puesta del Sol zu geniessen, wie schon der Name verrät. In der Off-season halten einige Betriebe geschlossen und kündigen das, wie auf Fuerteventura üblich, auch nicht weiter an. Auch die Öffnungszeiten werden nicht immer eingehalten.

Schnell gefunden.

Wer von Ajuy aus die Cuevas de Ajuy besuchen will, geht einfach zum Strand von Ajuy hinunter. Am alten Zollhäuschen findet sich eine grosse Tafel, auf welcher der nicht zu verfehlende Weg eingezeichnet ist. Jene, die sich nicht mit fotografieren aufhalten, sind in knapp 10 Minuten an den Höhlen angelangt. Vorher sollte ein Blick auf die Schautafeln am Weganfang geworfen werden, um zu verstehen, warum dort Kalköfen betrieben wurden und warum es gerade in Ajuy so lohnend war Kalk zu brennen. Ausserdem geben die Schautafeln einen interessanten Einblick in die Entstehungsgeschichte von Fuerteventura und wie das aus den verschiendnen "Lagen", aus denen der Tablero del Puerto aufgebaut ist, heraus gelesen werden kann.


Arco del Jurado Ajuy Fuerteventura.

Mehr entdecken in der Umgebung.

Nicht verpassen – das Felsentor Arco del Jurado.

Nach den Cuevas de Ajuy, kann das Felsentor Arco del Jurado besucht werden. Es liegt nördlich in der Bucht Punta de las Ánimas o de la Peña Horadada und ist über einen Wanderweg in leicht 20 Minuten von den Cuevas de Ajuy aus zu erreichen. Der Wanderweg zweigt bei den Kalköfen auf den Tablero del Puerto aufwärts ab und führt geradewegs zum sehenswerten Felsentor. Mit dem Auto wäre das auch zu schaffen, es dauert jedoch gleich lang und die spektakuläre Aussicht von der Steilküste auf die Bucht Caleta Negra wird verpasst.

Der Arco del Jurado liegt in einer historisch bedeutenden Bucht. Dort landete Gadifer de La Salle im November 1404, um die Insel zu erobern. Aber auch in Hollywood wird die Bucht als aussergewöhnliche Kulisse für Produktionen geschätzt. So drehte in ihr Brat Pitt im Mai 2016 für den Film "Allied – Vertraute Fremde".

Insider Tipp

Fiesta und Feuer am Strand – zur Noche de San Juan nach Ajuy.

Die Johannisnacht, die Noche de Suan Juan, also die heidnische Sommersonnwende, der die Kirche durch Johannes den Täufer eine christliche Bedeutung aufzwang, wird in vielen Teilen Spaniens gross gefeiert. Und auch wie in Österreich oder Deutschland brennen dann Sonnwendfeuer. Der Unterschied in Spanien, es wird dazu eine Fiesta bis in den Morgen hinein gefeiert. Und ein ganz besonderer Likör wird in dieser Nacht auch angesetzt, der zu Weihnachten trinkfertig sein sollte, der Licor de nueces de San Juan.

In verschiedenen Dörfern auf Fuerteventura wird dieser Brauch besonders gepflegt. Zum Beispiel an den Casas de Jacomar, in Vallebron oder auch am Strand von Ajuy, wo eine grosse Fiesta stattfindet. Ein Festzelt ist aufgebaut, Tanz und Musik bis in den Morgengrauen. Imbissbuden dürfen auch keinesfalls fehlen: Gegrillte Schweinelende, eiskaltes Bier, Zuckerwatte und mehr. Am Strand wird zu Mitternacht ein grosses Sonnwendfeuer entzündet.

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