Punta de Pesebre – einsames Leuchtfeuer mit hinreissenden Sonnenuntergängen.

Vulkanklippe bevölkert von Möven und Sturmtauchern.

Der Punta de Pesebre ist der südlichste Punkt der Westküste Fuerteventuras. Ein kleines Leuchtfeuer findet sich auf ihm. Nur exakt 90 Km sind es von dort hinüber zur Hafeneinfahrt von Las Palmas de Gran Canaria. Der südlichste Punkt der Insel Fuerteventura liegt südlich gegenüber am Faro de Punta Jandía und wird mit einem Messpunkt markiert. Im Rennen um den westlichsten Punkt Fuerteventuras trennen den Punta de Pesebre und den Leuchtturm Faro de Punta Jandía lediglich eine knappe Bogenminute. Der Punta de Pesebre bringt W 014° 29' 29", der Punta Jandía W 014° 30' 35" auf die Karte. Zahlen sind nicht alles und so muss man sagen, der Ausblick am Punta de Pesebre ist nochmal ein ganzes Stück wilder, spektakulärer und aufregender als am Faro de Punta Jandía. Weil weniger Besucher den Weg dort hin finden und weil die Küstenlinie einfach nochmal einiges dramatischer ist. Schwärme an Möwen und Sturmtauchern umkreisen die Klippe, die ihr wohl auch den Namen gaben. Sie brüten in den hohen Klippen, die Richtung Cofete liegen.

Vom Leuchtfeuer sollte zum im Norden liegenden, gut sichtbaren Messpunkt hinaufspaziert werden. Von dort hat der Besucher einen grandiosen Ausblick hinüber zum Faro de Punta Jandía und schwindelerregend in die Bucht Caleta de la Madera hinunter. Normale Menschen erreichen diese Bucht nur mit dem Boot. Wer genau hinsieht, kann alte Pfadspuren in den wilden Klippen entdecken. Dort stiegen die "orchilla" Sammler, welche die wertvolle Färberpflanze "Orseille" suchten, die in den steilen Klippen wächst, ab. Nur mit dem traditionellen "palo de pastor" bewaffnet, ein rund zweieinhalb Meter langer Hirtenstab mit Stahlspitze, um sich abzustützen und nicht abzustürzen. Die Insel war arm, die Pflanze brachte viel Geld, da wurden grosse Risiken eingegangen.

Vom Messpunkt aus sind auch wunderbar die Strände von Cofete zu sehen, die Islote de Cofete, bis weit hinein zum Istmo de La Pared wird gesehen. Am Höhenkamm der Klippen ist eine Pfadspur auszumachen. Der folgend gelangt der Wanderer bis zum Roque del Moro bei dem abgestiegen wird und über den Strand weiter nach Cofete oder wer will bis nach La Pared gegangen werden kann. Vor dem Klippenpfad sei aber gewarnt. Er ist sehr rutschig und nicht ungefährlich. Wer ausrutscht liegt tief unten im Atlantik. Schon passiert und 2018 im Film "SOLO" von Hugo Stuven verfilmt. Es ist eher zum empfehlen weglos, etwas ins Hinterland, auszuweichen. Bei Regen, Nässe oder Sturm ist der Klippenpfad absolut tabu.

Falsche Superlative und wahre Geschichten.

Die wenigen Touroperator, die sich an den Punta Pesebre verirren, halten gerne ihre Kunden mit Superlativen bei Laune. So wird berichtet, der "Leuchtturm" am Punta Pesebre sei der kleinste Europas. Das hat einige Schönheitsfehler. Zum einen ist er kein Leuchtturm, sondern ein Leuchtfeuer mit kurzer Reichweite, um die Küstennavigation an der tückisch flachen Küste zu erleichtern. An viele Stellen, nur fünf Meter tief, lauern Riffe, die bei starker Dünung auch Schiffe mit geringem Tiefgang auflaufen lassen. So z.B. das Riff Arrecife el Griego am Leuchtturm Faro de Punta Jandía, das schon einigen Menschen das Leben gekostet hat. Zum Thema klein, das ist relativ. Meint man damit die Höhe des Leuchtfeuers oder die Höhe über Normalnull, also dem Meeresspiegel. Dann wäre, auch wenn das Leuchtfeuer am Punta Pesebre ein Leuchtturm wäre, das Lighthouse Sorel Point auf der Insel Jersey im Ärmelkanal "kleiner". Der Leuchtturm ist nämlich nur ganze drei Meter hoch. Höher muss es nicht sein, denn es liegt 50 Meter über dem Meeresspiegel.

Viel interessanter ist jedoch die Herkunft des Namens "Punta Pesebre". Der ist schon eigenartig, "pesebre", "Krippe", "Weihnachtskrippe". Wie bei so vielen kartografisch eigenartigen Bezeichnungen der Kanaren, handelt es sich um einen Verständnisfehler des Kartographen. Mitte des 18. Jhd. beschloss Spanien die Küsten systematisch zu kartographieren und geregelt und sinnvoll mit Leuchttürmen zu bestücken und beauftragte Kartographen. So auch für die Kartographierung der Kanaren, um danach mit dem Bau von Leuchttürmen zu beginnen. Daher stammen die meisten Leuchttürme der Kanaren aus der Zeit 1840 – 1870, meist vom selben Architekten als Blaupause. Kartographen wie der französische Mathematiker und Seemann Jean-Charles de Borda umsegelten das Archipel, vermassen Küste und hielten markante Punkte der Landschaft auf der Karte fest. Sie segelten an Land oder liefen in die Häfen ein und fragten nach, wie man denn diesen Ort oder Hafen nennen würde und vermerkten das auf der Karte (nachzulesen in den Aufzeichnungen des Kartographen "La carta náutica de las islas Canarias del Caballero de Borda", 1780).

Beim Punta Pesebre kam es zu einem der unzähligen Verständnisfehler. Das kanarische Spanisch ist sehr gewöhnungsbedürftig und auch feine Kastilier haben ihre Probleme es zu verstehen. Das "ce" wird nicht vornehm gelispelt wie in Madrid, mehr scharf wie ein "se" ausgesprochen. Die kastilische Sprechweise finden Kanaren "affig aufgesetzt". So wurde aus "percebe" "pesebre", denn das klang dem am ähnlichsten, was der Kartograph kannte. Sinn macht aber "percebe", die Entenmuschel. Die war in Madrid nicht bekannt und auch heute findet man sie nicht im dicken  PONS Wörterbuch. Die "percebe" kommt an den Küsten Fuerteventuras vor, ist weiss und sitzt in grossen Ansammlungen auf den schwarzen Lavafelsen, gleich einer Haube aus unzähligen weissen Punkten. Das verglichen die Fischer mit der schwarzen Lavaklippe des "Punta Pesebre", die auch heute noch von weissen Sturmtauchern und Möven besiedelt wird, wie eben die Entenmuscheln Felsen an der Küste besiedeln. So nannten die Fischer den Ort in Analogie "Punta Percebe". Auf der Karte landete bis heute der Begriff "Punta Pesebre".

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Für wen lohnt der Besuch?

Der Punta de Pesebre reizt durch seine exponierte Lage. Vom Messpunkt über dem Leuchtfeuer kann bei klaren Tagen bis nach El Cotillo gesehen werden. Der Ausblick entlang der gesamten Westküste ist grossartig. Durch die Passatwolken, die vom Nordost Passat dort stürmisch vorbei getrieben werden, enstehen spektakuläre Sonnenuntergänge, die den ganzen Himmel in ein dramatisches Szenario verwandeln. Fotografen und Cineasten werden besonders begeistert sein.

Infrastruktur.

Die einzige Gastronomie weit und breit findet sich in Puerto de la Cruz. Zwei urige Lokale die recht interessant sind. Bei Hunger einfach mal ausprobieren.

Schnell gefunden.

Der Punta de Pesebre ist leicht gefunden. Von der FV-2 in Morro Jable auf die Piste zum Leuchtturm Faro de Punta Jandía abbiegen. Nach 19,5 staubigen Kilometern wird Pueblo de la Cruz erreicht. Dort wird auf die Piste nach Norden abgebogen und nach 4,5 Km der Punta de Pesebre erreicht. Noch 2013 war diese Strasse selbst mit einem Jeep eine mühsame Sache, unmöglich mit einem normalen Auto zu schaffen. Mittlerweile hat die Inselverwaltung eine wunderbare, mächtige Pistenmaschine angeschafft, die herrliche Pisten auf der ganzen Insel anlegt und nach der Regenzeit wieder herstellt. Punta de Pesebre, Punta Jandía und Cofete ist mittlerweile mit jedem Auto problemlos zu schaffen.


Zum Roque del Moro – traumhafte Strandwanderung.

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Wandernd auf der Halbinsel Jandía alle Naturschönheiten an einem Tag zu erkunden ist nicht möglich. Es schadet nicht, die Besuche etwas zu planen und nicht kreuz und quer herumzufahren. Dann sitz man viel im Auto und sieht wenig.

Eingeplant werden sollte auch der Roque del Moro, der monumentale schwarze Lavafelsen, der am südlichsten Ende des Playa de Cofete in der Brandung im Atlantik steht. Einer der besonderen Orte Fuerteventuras. Viel gibt es dort zu sehen und entdecken, das Ambiente ist atemberaubend. Zwei schöne Wanderungen führen zu ihm.

Insider Tipp

Spektakuläre Küstenwanderung – vom Punta Pesebre über Cofete nach La Pared.

Vom Messpunkt am Punta de Pesebre werden Küstenpfade ausgemacht. Über der Steilküste kann nach Cofete, dann 14 Km über den Sandstrand weiter nach La Pared gewandert werden. Ein Erlebnis. Das erste Stück entlang der Klippen ist nicht ohne. Mit einer Gruppe samt ortskundigem Führer unterwegs zu sein schadet nicht. Es löst auch das Problem der An- und Abfahrt.

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