Ausstellungstipp: Fotoausstellung "Estado de Alarma" Carlos de Saá.

Verschmäht und doch immer wieder sehr lohnend: Centro de Arte Juan Ismael Puerto del Rosario Fuerteventura.

Die Galerie "Centro de Arte Juan Ismael" in Puerto del Rosario, führt ein Schattendasein. Touristen besuchen sie nie, nicht weil sie so schlecht ist, sondern weil sie kaum jemand kennt. Sie hat keine Website, wer direkt vor ihr steht, wird sie nicht finden, da noch nicht einmal ein grosses Schild an der Fassade prangt und Ausstellungen bewerben, auf keinen Fall. Von einer neuen Ausstellung erfährt man nur, wenn die Politprominenz zur Eröffnung, im Schlepptau die gesamte Lokalpresse, anrückt, um sich als kulturbeflissen in Szene zu setzen und so auch noch in den Randnotizen aller Käseblätter Reichweite zu erhaschen. Tatsächlich kunstinteressierte Besucher zur Eröffnung regelmässig Fehlanzeige und das bleibt dann auch so, obwohl noch nicht einmal Eintritt zu berappen ist.


Leider ist das so und sehr oft zu unrecht, denn der engagierte Kurator schafft es immer wieder, interessante Ausstellungen zu gestalten, die weit über Provinzniveau hinausgehen. Er muss jedenfalls eine bewundernswerte, schon dem ZEN Buddhismus nahe, Frustrationstoleranz besitzen. Er hat wohl für sich vereinbart, die Ausstellungen alleine für sich zu gestalten, kontemplativ, wie die Arbeit in einem japanischen Steingarten als Mönch, die vornehmlich der eigenen Persönlichkeitsbildung dient.


Aktuell präsentiert der auf Fuerteventura ansässige Fotograph Carlos de Saá eine Fotoausstellung in schwarz-weiss, die er im "estado de alarma" fotografierte. Er hatte das, was viele Fotografen gerne gehabt hätten, eine Ausnahme von der Ausgangsbeschränkung. Was er damit anfing, zeigt die Ausstellung. Carlos gab der Ausstellung den Titel "Vacío' del paisaje sin el ser humano". Direkte spanische Übersetzungen klappen nie, im Deutschen hätte er wohl den Titel "Menschenleeres Land." gewählt.


Für all jene, die mit dem Begriff "estado de alarma" hadern, das ist das, was die Welt als "lockdown" bezeichnet. Das ja kein Lehenwort die spanische Sprache verunreinigt, eigentlich kulturell eine interessante Idee, darüber wacht die köngliche Akademie für das Spanische, die "Real Academia Española", die auch in Artikeln immer wieder die Jugend zu bekehren versucht, keine Anglizismen zu verwenden. Das Problem, dass Worte aus dem angloamerikanischen Raum im Spanischen nicht existieren und daher zu verwenden seien, lässt die Academia nicht gelten. In diesen Fällen werden eben Wörter neu geschaffen: Computer ist dann der "ordenador", das Keyboard das "teclado", aus der Mouse wurde "ratón", praktisch, das musste nur übersetzt werden, schwieriger beim verflixten Baskeball, da wurde "baloncesto" draus, "Ballkorb".


Bei den Öffnungszeiten gibt sich das "Centro de Arte Juan Ismael" sehr traditionell: Siesta muss sein! Das fand auch 2016 das spanische Parlament. Sozialisten und Liberale brachten gemeinsam einen Gesetzesentwurf auf den Weg, Spanien internationaler zu gestalten. Darin fand sich auch die Absicht, die Institution der Siesta abzuschaffen, die ausserhalb der Touristenregionen noch streng eingehalten wird. Als unerhört, Untergrabung der spanischen Kultur, Zerstörung des Familienlebens durch Wegfall des ausgedehnten gemeinsamen Mittagessens, wurde die Gesetzesinitiative abgeschmettert. Immer wieder zeigt sich: Im Süden lebt es sich einfach besser.