Sunnyfuerte Magazin – die Insel in Wort und Bild erleben.

Coworking + Coliving – als digitaler Nomade auf Fuerteventura.

► Als digitaler Nomade Coworking + Coliving auf Fuerteventura und Alternativen auf den Nachbarinseln Lanzarote, Gran Canaria und Teneriffa. ►►

Mobil arbeiten am Playa de la Barca Fuerteventua.

Coworking + Coliving auf den Kanaren.

► Coworking + Coliving ist trendy, eine angesagte Lebensform, zumindest auf Zeit. Reisen und Arbeit als Symbiose, davon träumen viele. Es tatsächlich langfristig profitabel auf Schiene zu bringen, sehr schwer. Da hilft es einen sicheren Hafen ansteuern zu können, in dem der Hafenmeister die Infrastruktur in Schuss hält und der digitale Nomade sich auf seine Arbeit und Netzwerk konzentrieren kann: Coworking + Coliving ein neuer Hut für eine alte Sache.


Auf dem kanarischen Archipel spriesst Coworking + Coliving derzeit nur als fragiles Pflänzchen. Das ist verblüffend. Das Klima ein Traum, die Lebenshaltungskosten ansprechend, freundliche Menschen mit einem lateinamerikanisch-spanischem Lifestyle, gutes Essen, Sicherheit, moderne Gesundheitsversorgung, bei Surfern  angesagte Spots. Und noch so vieles mehr spräche für die Kanaren. Überraschend, dass der digitale Nomade, der nicht einsam durch die Welt ziehen möchte, kein breites Angebot auf dem kanarischen Archipel findet.


Stark angebunden an die Welt.

► Ohne Internet geht nichts. Seit einigen Jahren sind die Kanaren durch ein modernes Glasfaser Unterseekabel mit der Welt verbunden, das mit Geldern der EU und ehemaligen France Télécom S.A. (heute Orange S.A.) gelegt wurde. Es verbindet den sich weltweit am stärksten wachsenden Börsenplatz Shanghai mit Kapstadt und erreicht auf Gran Canaria das Archipel. In einem ehemaligen Natobunker liegt der Knoten. Die Signale werden dort verstärkt. Ein Abzweig nach Ostafrika in die rohstoffreichen Regionen existiert. Das Kabel läuft weiter nach Portugal, dockt dort zum europäischen Internetknoten in Karlsruhe an und bindet so alle europäischen Börsen an, unter anderem auch die weltweit grösste Warenterminbörse EUREX in Frankfurt. Nach Westen geht es von Portugal nach London. London mit Chicago und New York wichtigste Rohstoffbörse weltweit. Von der britischen Insel führt ein Transatlantik Glasfaserkabel weiter nach New York. Die New Yorker Börsen über ein Mikrowellen Hochgeschwindigkeitsnetz mit den Handelsplätzen Chicago verbunden. Es ist transparent, dass das Glasfaserkabel, das die Kanaren erreicht, nicht für den Konsumenten gelegt wurde. Wollten alle nach dem Crash 2008 dem Hochfrequenzhandel abschwören, läuft er heute intensiver und technisch besser aufgestellt denn je. Den Menschen auf den Kanaren bringt das neue Glasfaserkabel nebenbei eine sensationelle Internetanbindung mit geringsten Latenzen. Denn darum geht es im Hochfrequenz Handel, um Geld zu machen.


Internet für Individualisten.

► Nicht jeder arbeitet immer gerne unter Menschen. Manch einer zieht sich gerne zurück und da braucht der digitale Nomade sein „eigenes Internet“. Die gute Nachricht, fast überall gibt es ein sendestarkes Mobilfunknetz auf Fuerteventura, selbst in den entlegensten Ecken. Die schlechte Nachricht, hat man keinen eigenen mobilen Internet Router sondern verbindet sich mit dem Mobiltelefon, wird dem User selten mehr als 14 MBit down und 7 MBit up zugeteilt. Nicht gerade berauschend. Da hilft nur ein Vertrag mit einem 4G Router. Der schafft dann an die 30 MBit synchron aber nicht überall. Das alles reicht für fast jeden digitalen Nomaden völlig aus, denn die gängigen Server geben pro User ohnedies nicht mehr als 10 MBit Bandbreite frei. Für jene, die aber als Content Creator z.B. mit der Kamera unterwegs sind und 4K aufwärts in Dlog produzieren, für die sieht es nicht gut aus auf Fuerteventura. Las Palmas de Gran Canaria ist hier eine andere Welt. Die Bandbreiten, die durch die „Luft fliegen“, lassen kaum Wünsche offen.


Router mitbringen.

Für digitale Nomaden, die gut im Geschäft sind, ist ein 4G Router mit internationalem, wenigstens europaweitem, Vertrag Standard. Überall hinsetzen und loslegen. Kein lästiges registrieren am Airport, um dann feststellen zu müssen, gratis ist schnarch langsam, schnell kostet. Bis das alles eingerichtet und bezahlt ist, ruft schon das Boarding. Produktivität heisst eigener 4G Router. Wenn es das Geschäft nicht trägt, sollte man nachdenken, was man falsch macht.


Vertrag mit Router auf Fuerteventura abschliessen.

Jene, die länger auf Fuerteventura bleiben, können sich bei Movistar oder Vodafon einen 4G Router buchen. Der bringt in Corralejo 30 MBit synchron, in Puerto del Rosario auch mehr, in El Cotillo schafft er maximal 17 / 8 MBit. Kleines Problem: Internet gibt es in Spanien nur mit spanischem Bankkonto und einer Ausländer Steuernummer, der NIE. Nur wer hat das alles? Also nichts mit 4G Router vor Ort, für die Meisten wenigstens. Wer Bankkonto und NIE hat, ist mit rund 40,- Euro pro Monat dabei. Das Volumen ist aber auf 15 GB pro Monat limitiert, um das Netz nicht in die Knie zu zwingen. Mehr gibt es auch nicht, selbst wenn mit Geld gewunken wird. Der Movistar Router funktioniert in ganz Spanien, der Vodafon Router auch in anderen europäischen Ländern wie Deutschland, in Österreich aber nicht, warum auch immer. Wer schon einmal mit Vodafon zu tun hatte, der wird weniger Lust haben bei diesem Unternehmen vertraglich gebunden zu sein.


Wertkarten nutzen.

Unkompliziert geht es mit Telefonwertkarten von Movistar. In einen Shop in Corralejo oder Puerto del Rosario gehen, Ausweis vorlegen und mit der Karte den Shop verlassen. Es gibt verschiedene Tarife mit unterschiedlichen Datenpakten. Sind die verbraucht, kann in „Lucutorios“, die überall zu finden sind, in kleinen Lebensmittelgeschäften, Tankstellen bis hin zu Automaten auf Gran Canaria das Guthaben wieder aufgeladen werden. Wer keine Lust hat Werbeanrufe zu bekommen, wählt Movistar und nicht Vodafon. Movistar ist die Tochter der staatlichen Telefoníca, über die gerne geschimpft wird. Der Service aber um Klassen besser als jener von Vodafon.


Das gute alte Café.

Und dann gäbe es noch das gute alte Café. Absolut jedes Café auf Fuerteventura, so es nicht bankrott machen will, hat gratis WLAN. Schnell ist das nicht, denn sie sind allesamt über Kupferkabel und Telefoníca angebunden, heisst 10 MBit down und 0,8 MBit up. Ist das Café gut besucht, heisst es Geduld haben. Ein vernünftiges Arbeiten ist dann nicht mehr möglich. Da helfen nur Randzeiten. Anders in Las Palmas de Gran Canaria. Wer beispielsweise am herrlichen Playa de las Canteras in der Cafetería del Real Platz nimmt, um dort mit Meerblick zu frühstücken, wird seine Augen reiben, wenn er neugierig den Speedtest startet: 100 MBit synchron sind am Tacho und das gratis.


Gemeinsam statt einsam.

► Ist die Anfangseuphorie verflogen, stellt der digitale Nomade meist zwei Dinge fest: Ohne ein Netzwerk im realen Leben, trocknet die Job Pipeline stetig aus, zu allem Überfluss wird das Leben auch noch sehr einsam. Eine Herausforderung für die Persönlichkeit, alleine in der Welt völlig auf sich selber gestellt, kein Backup vor Ort. Schwache Persönlichkeiten zerbrechen daran, starke wachsen an dieser Herausforderung in Bezug auf Selbstvertrauen und entwickeln neue Fähigkeiten. Aber auch die stärkste Persönlichkeit braucht ein soziales Umfeld, um nicht eigen, schrullig, kauzig zu werden. Der Mensch ist kein einsamer Wolf. Richtig entwickeln und weiterentwickeln kann er sich nur im sozialen Kontext und Miteinander.


Das ist der Grund, warum Coliving Spaces entstehen. Sie geben Halt und Hilfe und kümmern sich um all das, was sich Einzelkämpfer an neuen Locations jedesmal von Neuem mühsam aufbauen müssen. Das zermürbt und verschlingt viel Zeit. Von aussen mag es eigen aussehen, dass eine abgeklärte Generation plötzlich wieder wie eine Hippie Kommune zusammenleben möchte. Es finden sich dort Menschen, die geschworen hätten, nie und nimmer nur einen Tag Coliving ertragen zu können. Von aussen wird eben nur die Fassade gesehen. Wie es drinnen aussieht, dass weiss nur jener, der diesen Lifestyle „betritt“.


Fuerteventura hat alles, um es für digitale Nomaden so richtig attraktiv zu machen. Eine angesagte Surfszene, 300 Tage Sonne, traumhafte Strände, wenn die drei Touristen Hotspots gemieden werden überschaubare Lebenshaltungskosten und mehr. Und trotzdem gib es auf der Sonneninsel erstaunlicher Weise nur einen Coworking Space, der sich verständlicher Weise grosser Beliebtheit erfreut. Er liegt im Teil von Corralejo, der „touristenfrei“ ist, dort wo Einheimische wohnen und sich der Yacht und Fährhafen hinüber nach Lanzarote befindet. Ein beliebter Surfspot die „Shooting Gallery“ liegt in Sichtweite. Dazu kommt schnelles Internet. Was will man mehr? Richtig, Coliving. Auch das wird seit geraumer Zeit angeboten hat aber mit „Coliving“ wie es gemeinhin verstanden wird, also alle leben unter einem Dach und dort sind auch die Arbeitsräume, nichts zu tun. Es können Zimmer mit gebucht werden, die in Gehweite des Hub liegen. Ziemlich teuer ist das. Wer einen Desk mietet und sich um das Zimmer selber kümmert, fährt deutlich preiswerter und hat das Gleiche.


Das war es für Fuerteventura. Leider. Alternativen gibt es nur auf anderen Insel der Kanaren und das auch nur sehr überschaubar. Wenn es auch die Nachbarinsel Lanzarote sein darf, dann findet sich in Arrecife mit dem MAGMA Innovation Hub ein Coworking Space, der auf einem ziemlich hohen und stylischen Level arbeitet. Ähnlich in Teneriffa mit dem angesagten Ingenio Coworking Space. Auf Teneriffa findet sich seit kurzem auch ein neuer sehr schöner Coworking + Coliving Space im eigentlichen Sinne: „Nine“ in einem alten Herrenhaus mitten in der malerischen Altstadt von Orotava Teneriffa. Die RESTATION in Las Palmas de Gran Canaria ist hingegen mehr basic. Dafür liegt sie aber in Gehweite des Traumstrandes „Las Canteras“, mit der Copa Cabana einer der schönsten Stadtstrände weltweit!


Sich als Unternehmer im Bereich Coworking + Coliving auf den Kanaren zu versuchen, vielleicht eine Idee. Der Markt ist noch nicht besetzt. Und auch Fuerteventura könnte noch einwenig mehr davon vertragen. Und an alle digitalen Nomaden: Kommt nach Fuerteventura, es ist fantastisch und danach brecht nach Las Palmas de Gran Canaria, Santa Cruz de Tenerife und Orotava auf. Oder auch Lanzarote oder El Hierro, La Palma und La Gomera. Eine Welt, die ein mobiler Mensch erlebt haben sollte. Auf den Kanaren lebt die Inspiration, Freiheit und grosse Emotion. Orte, die Sehnsüchte wenigstens kurzfristig stillen können.


Mehr Wissenswertes zum Thema:

Coworking Spaces

Hub Fuerteventura Corralejo Fuerteventura

MAGMA Innovation Hub Arrecife Lanzarote

Ingenio Coworking Space Santa Cruz de Tenerife


Coliving + Coworking Spaces

Nine Orotava Teneriffa

RESTATION Las Palmas de Gran Canaria

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