Weinbau auf Fuerteventura.

Der erste Wein der Kanaren – Aníbal, unehelicher Sohn des Gadífer de La Salle.

Der erste Wein der Kanaren erreichte schriftlich dokumentiert Lanzarote mit dem Schiff der normannischen Conquistadoren im Juli 1402. Wie die beiden Franziskaner Mönche Pierre Bontier und Jean Le Verrier in „Le Canarien“ berichten, führten die Schiffe 36 Fässchen Wein mit. Da Wasser in Fässern schnell faulte, alkoholische Getränke aber nicht, war Wein und Branntwein fixer Bestandteil des Menüs der Seeleute, die tägliche Rationen erhielten. Zwar brachte der Genueser Lancelotto Malocello wohl 1336, als er Lanzarote betrat, oder die Römer vor rund 2.000 Jahren ebenfalls Wein auf die Insel, dokumentiert ist das aber nicht. Jedenfalls war Lanzarote wohl die erste Insel der Kanaren die Wein sah, jedoch die letzte, auf der Wein angebaut wurde. Erst nach den verherenden Vulkanausbrüchen von 1730 – 1736 wurde mit dem Weinanbau begonnen, da der Obstanbau nicht mehr möglich war. Als erstes wurden die Sorten „Listán BLanco“, „Listán Negro“ und „Listán Prieto“ kultiviert, dann folgte die antike Sorte „Malvesía“, die sich als sortentypische „Vulkan Malvesía“ eigenständig entwickelte.

Anders verlief es auf Fuerteventura. Lanzarote war zwar die erste eroberte Insel, Fuerteventura eignete sich auf Grund vieler fruchtbarer Böden, die auf Grund ihrer Farbe im Spanischen „rosa“ genannt werden, deutlich besser als Lanzarote. Die Lehnsherren waren interessiert daran, möglichst viel Profit aus ihren neuen Ländereien zu ziehen und so wurde intensiv mit dem Anbau landwirtschaftlicher Produkte begonnen. Entwickelten sich Fuerteventura und Lanzarote nach und nach zur Kornkammer der Kanaren, sah es im 15. Jhd. auf Fuerteventura zuerst noch ganz anders aus. Vor allem die wasserreichen Gegenden auf Fuerteventura um Agua de Bueyes und  Vega de Río Palmas glichen einem Obstgarten, wie viele Namen der Barrancos noch verraten. “Barranco de los Granadillos“, die Schlucht der Passionsfrucht oder das Tal „Parra Medina“, „parra“ für Weinstock, bei Vega de Río Palmas, oder in Agua de Bueyes der “Barranco de la Malvesía“, eben die Schlucht, Wasserlauf der Malvesía Weintraube.

Auch der erste Weinberg der Kanaren wurde Ende des 15. Jhd. auf Fuerteventura angelegt. Es war der Berg des Aníbal, einem unehelichen Sohn de Conquistadoren Gadifer de La Salle, dem Wegbegleiter des Jean de Béthencourt. Ein unehelicher Sohn trägt im Spanischen eine für mitteleuropäische Ohren etwas gewöhnungsbedürftige Bezeichnung nämlich „hijo bastardo“. Der Ertrag des Weinberges des „Aníbal, hijo bastardo de La Salle“, war jedoch so gering, dass er anfangs nur zum Eigenbedarf reichte. Weinbau auf Fuerteventura, Obstgärten mit Granatäpfeln, Pfirsichen, Mandeln, Feigen oder Pflaumen, heute kaum noch vorstellbar. 

Von Fuerteventura breitete sich der Weinanbau auf die anderen Inseln aus. Erst war es Gran Canaria, dann Teneriffa und später La Palma. Bereits im 16. Jhd. wurde der Wein auf den Kanaren der wichtigste Wirtschaftsfaktor, denn es wurde bei der Ausstattung der spanischen Armada und Handelsflotte mitgemischt, die am Weg nach Neuspanien allesamt auf den Kanaren als letzte Station halt machten: Wein und Branntwein fixer Bestandteil einer Schiffsladung für den Eigenbedarf und der Bedarf der spanischen Flotten war gross. Die Ausstattung dieser war erst, laut königlichem Dekret, Monopol der andalusischen Bodegas. Auf Grund der wichtigen strategischen Lage der kanarischen Inseln war das Monopol auf Dauer nicht zu halten und so begannen auch die kanarischen Bodegas die Flotte zu beliefern. Das steigerte den Anreiz Menge und Qualität zu produzieren und schon bald fand sich der gehaltvolle Wein der Kanaren, der dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend süss war, auf den besten Tischen Europas. Er machte den damals beliebtesten Weinen aus Jerez de la Frontera massiv Konkurrenz. Ganz besonders beliebt war er bei Briten und so findet sich der kanarische Wein auch in der Literatur von Shakespeare in Werken wie Heinrich IV. oder die lustigen Weiber von Windsor und auch Lord Byron und Giacomo Casanova thematisieren ihn.

Der Wein der kanarischen Inseln hat in dieser Form seinen Glanz verloren, wenn auch Teneriffa und Lanzarote noch sehr aktiv im Weinbau tätig ist. Internationale Bedeutung oder grosse Bedeutung für das Archipel hat er aber keine mehr, auf Fuerteventura ist er scheinbar nicht mehr existent. Und doch gibt es ihn noch, den Weinbau auf Fuerteventura. Der Ertrag der Weinbauern ist jedoch so gering, dass er bisher nur für den Eigenbedarf und mehr als Passion und Hobby angebaut wurde. Meist sind die Reben uralte Weinstöcke der klassischen in kontinental Europa nicht mehr existenten Rebstöcke „Listán Blanco“, „Listán Negro“, „Listán Prieto“ oder der „Malvesía“ Traube. Keine amerikanischen Rebstöcke wie in kontinental Europa, die gegen die Reblaus resistent sind und nach der grossen Reblausplage im 19. Jhd. nach Europa importiert werden mussten. Just von dem Kontinent, von dem die Reblaus eingeschleppt wurde und welche die europäischen Weinstöcke vernichtete. Die Kanaren hingegen blieben von der Reblaus verschont und so existieren dort noch die alten Sorten wie die „Malvesía“, die mindestens seit 2.000 Jahren, nachweislich schon in Griechenland und Vorderasien, zum Weinbau genutzt wurde. Oft vergessen, bis in die Neuzeit hinein und bevor die Pharmaindustrie entstand, war Wein in verschiedensten Formen wichtiges Heilmittel.

Auf Fuerteventura änderte sich einiges in Bezug auf den Wein im Jahr 2010, als der Gastronom Pedro Martín Hernández aus Corralejo die Finca „Coto del Medio“ in Lajares erbte und begann sie in Stand zu setzen. Was er damit machen wollte wusste er noch nicht, Landwirtschaft auf jeden Fall und ein bisschen stand auch Wein im Raum. So schloss er sich mit dem Önologen Alberto González Plasencia zusammen und gründete die „Bodega Conatvs“, abgeleitet von „conato“, Bestreben, Neigung. Schon 2016 wurde der Ertrag in über 1.000 Flaschen Rotwein gekeltert, der den Namen „Conatvs“ trägt. Er wurde aus der „Listán Prieto“ gekeltert. Schon 2017 gab es 2.500 Flaschen „Conatvs“ und 1.000 Flaschen „Airam“, dem Weisswein der Bodega aus der „Listán Blanco“. Mittlerweile trägt die Bodega auch das Prädikat „DOP“, also „Denominación de Origen“. Weinliebhaber sollten auf Fuerteventura nach dem Wein Ausschau halten. Ein Genusserlebnis, das entdeckt werden sollte. Die alte Traube, in kontinental Europa wenig bekannt, mit hohem Zuckergehalt geprägt vom starken mineralischen Umfeld, erzeugt ein einzigartiges Parfüm und einen herausragend eigenständigen Geschmack bei einem Alkoholgehalt von bis zu 14,5º.

Auch der deutsche Fotograf Reiner Loos, der als Gastronom die Gastronomiebetriebe "Casa Santa María" in Betancuria und das "Don Antonio" und die "Casa Naturaleza", beide in Vega de Río Palmas, betreibt, versucht sich nun auch als Weinbauer. Die "La Bodega Santa María" keltert alljährlich aus ihren 2.500 Malvesía Rebstücken einen Weisswein. Fuerteventura hat eben mehr zu bieten als „nur“ Sonne, Strand und türkisfarbenes Wasser. Es muss entdeckt werden, denn vieles liegt im Verborgenen.

Fuerteventura Landwirtschaft – Weinwirtschaft auf der Sonneninsel.

Fuerteventura Landwirtschaft – Weinwirtschaft auf der Sonneninsel.

Ausflug auf die Nachbarinsel – Bodegas in La Geria.

Eine weltweit einzigartige Weinbauregion erleben.

Gerade einmal 20 Minuten sind es mit der Fähre von Corralejo hinüber nach Playa Blanca, Lanzarote. Nicht nur ein erlebnisreicher Ausflug mit der Fähre sondern, so der Besucher will, auch ein Ausflug in eine besondere Weinbauregion der Kanaren, in die Anbauzone der „Vulkan Malvesía“.

Weitere 20 Minuten nach der Überfahrt und mit dem Auto ist das Herz der Weinbauregion der Nachbarinsel erreicht: „La Geria“. Dort lassen sich die renommierten Bodegas „Rubicón“ oder „La Geria“ besichtigen. Etwas weiter in den Norden an den Rand der Anbauzone und die älteste noch betriebene Bodega der Kanaren, „El Grifo“, taucht auf. Wer in seinen Besuch noch den Naturpark „Tamanfaya“ einplant, wird einen erlebnisreichen Urlaubstag vor sich haben.

Insider Tipp

Besser Mietwagen auf Lanzarote – preiswerter als mit dem eigenen überzusetzen.

Viele Touristen, die einen Mietwagen nehmen und von Fuerteventura einen Ausflug nach Lanzarote unternehmen, fahren mit ihm auf die Fähre. Wer kein Residente ist und nicht den hohen Rabatt bekommt ist aber besser bedient, als Passagier ohne Auto überzusetzen und sich auf Lanzarote einen Mietwagen zu nehmen. Das ist in Summe billiger. „Cabrera Medina“, die Familie hinter dem erstklassigen kanarischen Mietwagen Unternehmen „CICAR“, betreibt direkt an der Mole ein Büro. Für wenig Geld einen Kleinwagen mieten, aus der Fähre aussteigen und 150 m weiter den Wagen übernehmen und dort wieder abgeben. Der Vorteil auch, der „Fusspassagier“ muss nur wenige Minuten vor dem Ablegen aufkreuzen, um noch an Bord zu kommen.

Weinanbau Fuerteventura – Valle de Santa Inés | Vega Vieja.Weinanbau Fuerteventura – Valle de Santa Inés | Vega Vieja.Weinanbau Fuerteventura – Valle de Santa Inés | Vega Vieja.Eine Malvesía Blanco an der Rebe.Eine Malvesía Blanco an der Rebe.Der Anbau der "Vulkan Malvesía" in den klassischen "Hoyos".Der Anbau der "Vulkan Malvesía" in den klassischen "Hoyos".Der Anbauvariante der "Vulkan Malvesía" zum Einsatz kleiner Traktoren.Der Anbau der "Vulkan Malvesía" in den klassischen "Hoyos".Bodega Rubicón Lanzarote.Bodega Rubicón Lanzarote.Bodega Rubicón Lanzarote.Bodega La Geria auf Lanzarote.Bodega La Geria auf Lanzarote.Bodega El Grifo auf Lanzarote.