Sunnyfuerte Magazin – die Insel in Wort und Bild erleben.

Fuerteventura Nord Süd – 11 kulinarische Tipps der anderen Art.

► Abseits touristischer Pfade auf der Isla Tranquila essen gehen. Erstaunliche Gaumenfreuden ganz ohne Touristen Nepp und penetranter Bespassung. ►►

11 mal anders Essen auf Fuerteventura.

Fuerteventura – kulinarische Wüste oder doch nicht?

► Fuerteventura ist eine einfache Insel. Glanz und Glamour sind auf ihr nicht zu finden. Das hat Vorteile. Hochmut, Neid und Habgier sind in solchen Gesellschaftsformen nicht sehr ausgeprägt und auch die Kriminalität beschränkt sich auf ein gewisses Minimum. Sieht also so aus, dass in Bezug auf die sieben Todsünden der Insulaner auf Fuerteventura recht gut abschneidet. Nein, nicht so ganz. Mit Trägheit, einwenig schöner ausgedrückt „tranquilidat“, lässt sich der Majorero recht anspruchslos durch den Tag treiben und dann ist da natürlich die Völlerei. In dieser Kategorie der Todsünden brilliert der auch heute noch streng katholische Majorero geradezu. Das er sich in dieser Disziplin auf Weltklasse Niveau bewegt, ist unschwer zu sehen und zu beobachten. Und damit wären wir schon beim Thema: Essen auf Fuerteventura. Der Majorero isst und trinkt für sein Leben gerne, das immer und überall und völlig hemmungslos. Seine Figur hat er dabei nicht im Auge und Er und Sie zeigen sich in der Hitze des Sommers auch sehr freizügig völlig hemmungslos am Strand. Egal was die Waage anzeigt.

Fuerteventura ist als kulinarische Wüste verschrieen. Ja und nein. Tatsächlich findet sich mit der Casa Santa María in Betancuria ein Haus, das einen Michelin Stern trägt. Die üblichen touristischen Lokalitäten in den ersten Reihen der Wasserfronten sind erbärmlich. Doch das ist auch auf Mallorca, in San Francisco oder Thailand so. Wer die beste Lage hat, muss sich eben nicht sehr anstrengen. Die Aussicht macht es aus. Sunnyfuerte nimmt Sie in diesem Artikel auf eine Nord Süd Reise über die Sonneninsel mit und bringt Sie zu 11 Restaurants, die Sie garantiert nicht auf Ihrer Bucket List haben. Urige, einfache Bars, die Sie nie betreten würden, oder schicke und stylische junge Küche, die Sie kaum gefunden hätten. Brechen wir auf, starten wir in Corralejo, im äussersten Norden.

Restaurante Casa Manolo – familiär + schmackhaft in Corralejo.

► Gelegen in einer kleinen Seitenstrasse der Shopping Meile Nuestra Señora del Carmen von Corralejo, liegt der Familienbetrieb „Casa Manolo“. Keiler, die in der Flaniermeile Touristen mit Speisekarten belästigen, benötigt die Casa Manolo nicht, denn ohne Reservierung ist kein Platz zu bekommen. In der Off-season einen Tag im Voraus, in der Saison Tage bis eine Woche im Vorhinein, muss telefonisch ein Platz bestellt werden. Dass sich die Casa Manolo so in die Mägen und Herzen gekocht hat, liess sie aber nie arrogant werden. Die gesamte Familie werkt in Küche und Service, herzlich und bemüht, das Essen ist erstklassig und die Preise sehr moderat. Das Ambiente ist gemütlich rustikal, ideal um einen langen Abend genussvoll mit Freunden zu verbringen.

Restaurante Rompeolas – schick am Stadtstrand von Corralejo.

► Gar nicht so lange her, da stand das erste Hotel von Corralejo als Ruine und Schandfleck am kleinen schönen Stadtstrand von Corralejo. Ein deutsches Pärchen machte daraus vielleicht das schönste Hotel der gesamten Insel. Stilsicher entstand ein Boutique Hotel, angeschlossen das „Restaurante Rompeolas“, in dem das Hoteldesign durchgezogen wird. Schick ist es, das Essen mundet auf der Terrasse am Strand oder im schönen Gastraum. Die Preise sind für Fuerteventura anspruchsvoll, für Mitteleuropäer normal. Das Gesamtpaket passt.

Bar La Oliva – das echte Fuerteventura in uriger Kneipe.

► Nein, in die „Bar La Oliva“ würde sich ein Tourist nie und nimmer wagen. Sie ist fest in der Hand echter Majoreros: Handwerker, Ziegenbauern, Pensionisten und andere Originale sitzen mit sonnengegerbtem Gesicht auf Stühlen vor der Bar oder im schummrigen Inneren. Sie wirken grimmig, sind es aber nicht. Genau genommen sind sie sehr freundlich und hilfsbereit. Sie schauen nur etwas streng. Warum also in die Bar La Oliva im Ort La Oliva gehen? Weil es dort einen original kanarischen Eintopf gibt und der kann sich schmecken lassen. Also in die Bar gehen, freundlich grüssen und selbstbewusst einen „potaje canario y una caña“ bestellen (kanarischer Eintopf und ein kleines Glas Bier). Bei soviel Lokalkolorit ist der Gast sofort gerne gesehen und erlebt das echte Fuerteventura für ein paar Euro. Das Essen deftig schmackhaft, das Ambiente gratis dazu. Das muss sein!

Los Podomorfos de Tindaya – französischer Koch im Nirgendwo.

► Von La Oliva ist es ein Katzensprung nach Tindaya. Dort fand ein gewagtes Experiment statt, das auch gelang. Im Nirgendwo eröffnete ein französischer Koch das „Los Podomorfos de Tindaya“ und es klappte. Verblüffend, denn weiter weg vom Schuss könnte ein Lokal im Norden kaum eröffnet werden. Doch der Chef hat sich in die Herzen der Residente gekocht und die kommen oft und gerne. Sonntags wird ein üppiger Brunch samt Jazz auf der Terrasse mit Blick auf den Montaña Sagrada de Tindaya aufgefahren. Fixer Treff der Residente der Gegend.

Kiosco Bar Las Naves – Holzbude im Gewerbegebiet von Puerto del Rosario

► Von Tindaya weiter über die FV-10 wird bei der Einfahrt nach Puerto del Rosario als erstes das Gewerbegebiet Poligono Industrial Risco Prieto erreicht. Dort im Kreisverkehr liegt eine Bretterbude, die es in sich hat. Es ist der „Kiosco Bar Las Naves“. Auch ihn meiden Touristen und das ist ein schwerer Fehler. Schnell, preiswert und sehr gut kann dort gegessen werden. Für Einheimische gehört es nach dem Einkauf dazu, dort auf der Veranda zu tafeln. Zu Mittag kommen Bankangestellte und Beamte zum „plato del día“, zum Mittagsmenü, die Streifenwagen der Guardia Civil stoppen, Militärs holen Essen für die Kaserne, die im Stadtteil „El Charcho“ liegt. Jeder kommt, das hat seinen Grund, also hingehen und probieren.

Restaurante La Jaira de Demian – kanarische Küche neu interpretiert in der Hauptstadt.

► Demian ist ein freundlicher und umtriebiger Gastronom. Zusammen mit Freunden braut er auch das einzige Bier von Fuerteventura, das „La Ocho Pies“. Da es vier Freunde sind, haben sie insgesamt acht Füsse, also „ocho pies“. Kleiner Schönheitsfehler: Mangels Brauerei auf Fuerteventura wird es in der einzigen Brauerei von Las Palmas de Gran Canaria gebraut, doch die kann was, wurde sie doch Anfang des letzten Jahrhunderts von einem deutschen Braumeister aufgebaut. In einem unscheinbaren Viertel der kleinen Hauptstadt eröffnete Demian das „Restaurante La Jaira de Demian“. Dort wird in reduziertem geschmackvollem Ambiente kanarische Küche modern interpretiert. Ein Geheimtipp in relaxter und cooler Atmosphäre.

Restaurante Casabel – gemütlich und lauschig ausserhalb der Hauptstadt.

► Wird Puerto del Rosario über die FV-20 Richtung Westen nach Casillas del Ángel verlassen, liegt unweit der Stadtgrenze auf offener Strecke eine kleine grüne Oase, das „Restaurante Casabel“. Unter Bäumen kann auf einer Terrasse im dichten Grün lauschig gesessen werden, oder auch stilvoll rustikal im Inneren. Einheimische lieben es dort am Wochenende ihre Familienfeste zu feiern. Das ist immer eine Garantie dafür, dass sowohl das Essen wie auch der Service passt und die Preise sich auf lokalem Niveau bewegen.

Casa Luis – überraschende Gaumenfreuden in Tiscamanita.

► Wer nicht vor hat, das Mühlen Museum von Fuerteventura zu besuchen, wird den Ortsnamen Tiscamanita nie hören. Der Ort hat auch kaum etwas zu bieten. Allerdings ist die heute unbedeutende Siedlung Geburtsstätte des Manuel Velázquez Cabrera. Cabrera war wesentlicher Mitstreiter für die Autonomie des kanarischen Archipels und ist diesbezüglich eine bedeutende historische Figur und interessante Persönlichkeit. Die kaum beachtete Büste von Cabrera neben der Durchgangsstrasse erzählt davon. Gleich gegenüber liegt die „Casa Luis“. Und die ist ein echter Geheimtipp, auch wenn das von Aussen nicht so aussieht!

Pescaderia Cofradía de Pescadores – frischer Fisch in Gran Tarajal.

► In allen bedeutenden Fischereihäfen der Kanaren gibt es sie noch, die „cofradías“. Eine „cofradía“ ist eine Bruderschaft und eine „cofradía de pescadores“ würde im Deutschen Fischerei Genossenschaft genannt werden. Vor allem in früheren Zeiten waren sie von lebenswichtiger Bedeutung. Fischer halfen sich gegenseitig, zogen die schweren Boote zusammen an Land, später wurden gemeinsam Seilwinden dafür angeschafft, Bruderschaften kauften die ersten Eismaschinen der Insel und mehr. Kam jemand auf See um, sorgte sich die cofradía um Hinterbliebene. Ohne Gemeinschaft war ein Überleben auf Fuerteventura früher unmöglich. Heute widmen sich die Bruderschaften im Wesentlichen dem Vertrieb des Fangs. Und sie betreiben alle ein sehr einfaches Restaurant im Hafen und einen Direktverkauf daneben. Touristen schrecken sie eher ab, weil die Ausstattung überaus einfach ist. Doch keine Scheu, dort gibt es den frischesten Fang der Insel. Zubereitet wir er „a la plancha“, auf der heissen Platte, dazu gibt es Papas Arrugadas mit scharfem rotem Mojo und den milden grünen für den Fisch. Denn so gehört das. Kulinarisch gibt Gran Tarajal nicht viel her. Wer vor Ort ist sollte daher in den Hafen zur „Pescaderia Cofradía de Pescadores“ speisen gehen. Einfache, ehrliche Gaumenfreuden! Mehr über das Leben der Fischer in alten Zeiten kann im Museo Pesca tradicional im Leuchtturm Faro de Tostón bei El Cotillo erfahren werden.

Restaurante Ramón – Fisch in La Lajita für Insulaner.

► Der kleine Fischerort La Lajita liegt direkt neben dem Oasis Park und 20 Autominuten von Gran Tarajal entfernt. Die Hoffnung von dem stark frequentierten Oasis Park wirtschaftlich zu profitieren, ist im Ort schon lange verflogen. Im Oasis Park wurde die volle Wertschöpfungskette installiert: Vom kleinen Supermarkt, Wochenmarkt, Restaurants und Cafes gibt es alles im Park. Touristen interessieren sich für La Lajita auch nicht. Was dort gastronomisch überlebt, wird von Einheimischen getragen. Das garantiert eine andere Qualität, denn der Gastronom lebt von Stammkunden und nicht von Eintagsfliegen, die er abspeisen kann. Das „Restaurante Ramón“ ist ein Familienbetrieb direkt am Kiesstrand. Kurios, das Gasthaus ist architektonisch Bestandteil der Ortskirche. Am Wochenende stürmen die Locals das Restaurant. Besser unter der Woche aufsuchen und dort schmackhafte Fischgerichte probieren.

Restaurante Punta de Jandía – Fischsuppe im einsamen Süden.

► Kurz bevor Fuerteventura im Süden „zu Ende“ ist, taucht eine Art Seeräuber Siedlung auf: Puerto de la Cruz. Dort liegt das „Restaurante Punta de Jandía“. Restaurante ist gut, denn es sieht nicht nur so aus, wenigstens der Vorbau ist zum Teil aus Strandgut zusammen gezimmert. Fast erweckt es den Eindruck, dass es schon lange geschlossen hält. Ein Irrtum, denn wenn es meist nur am Wochenende aufsperrt, ist es um die Mittagszeit bis zum letzten Platz besetzt. Gross ist die Auswahl nicht, aber wer auf Fischsuppe steht, das ist der Platz auf Fuerteventura dafür! Stammgäste meinen, es wäre die beste der gesamten Insel. Die Aussicht auf den Faro de Punta de Jandía gibt es gratis dazu.

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